Buchbesprechungen
dessen Büßpredigten hin allerwärts die Scheiterhaufen mit Glücksspielen aller
Art loderten , 4 hat in der 5. Fastenpredigt Spiel ohne Geldeinsatz ausdrücklich
für erlaubt erklärt. Offenbar ist der Trieb zum Glücksspiel dem Menschen an
geboren, so daß er sich die Jahrtausende über immer wieder Geltung verschafft
hat. Über die verhängnisvollen Folgen des Würfelspiels für Leben und Freiheit
der Germanen berichtete schon Tacitus (Germania, Kap. 24). Die vielfach
variierten „Spiele vom schwierigen Weg nach oben“ haben diesen Urtrieb des
Menschen zum Glücksspiel in reine Spielsituationen umzubiegen und abzu
reagieren versucht. Daß er sich beim Kartenspiel mit so elementarer Macht
immer wieder durchsetzte und die Behörden deshalb immer wieder mit Ver
boten eingreifen mußten, um die Finanzkraft ihrer Steuerzahler zu bewahren,
ist ein Fanal. Ffinter der liebenswürdigen bunten Geschichte der Spielkarte als
Gebrauchsgraphik steht dieser unausrottbare Urtrieb des Menschen, und bis
zum heutigen Tage gilt zum Unheil gerade auch bei relativ primitiven Menschen
der Grundsatz „Spielschulden sind Ehrenschulden“!
München Hellmut Rosenfeld
Das Historische Museum als Aufgabe. Forschungen und Berichte aus dem
Museum für Hamburgische Geschichte 1946-1972. Hrsg. v. Wilhelmine Jung-
raithmayr (Mitteilungen aus dem Museum für Hamburgische Geschichte, Bd.
6 ). Museum für Hamburgische Geschichte, Hamburg 1972, 337 S., 30 Taf.
Die 22 Aufsätze dieses Bandes sind von 18 Mitarbeitern und Freunden des
Museums geschrieben und geben Rechenschaft über Wesen und Aufgabe des
Museums für Hamburgische Geschichte in den 25 Jahren, in denen das Museum
von Walter Hävernick geleitet wurde. Etwa zwei Drittel der Aufsätze sind
Berichten, ein Drittel Forschungen gewidmet. Die Berichte geben Aufschluß
über das Museum und seine Abteilungen, über den Zusammenhang zwischen
Museum und Universität sowie über die Organisationen und Vereine, in denen
das Museum aktiv mitgearbeitet hat und deren Entstehung z. T. auf das Mu
seum zurückgeht. Hier sind vor allem die Numismatische Kommission der
Länder in der Bundesrepublik Deutschland, die International Association of
Transport Museums und die Vereine und Verbände der Modelleisenbahner und
Eisenbahnfreunde zu nennen. Die Forschungen, deren Ergebnisse vorgelegt
werden, sind aus der Arbeit des Museums und seiner Abteilungen erwachsen,
die unter den Stichworten Bildarchiv, Münzkabinett, Bibliothek und Volks
liederarchiv, Schiffahrt, Eisenbahn und Post vorgestellt werden.
Über die Entstehungsgeschichte dieses Bandes plaudert Walter Hävernick in
seiner Einführung. Ursprünglich als altertums- und volkskundliche Festschrift
zu seinem 65. Geburtstag gedacht, hat Hävernick sie „in eine solche zu Ehren
des Museums und seiner Mitarbeiter“ umgewandelt. Daß Walter Hävernick
unter diesen Mitarbeitern der vornehmste Diener seines Museums gewesen ist,
4 H. Rosenfeld, Zur Vor- und Frühgeschichte von Kartenspiel und Tarock, in: Archiv
für Kulturgesch. 52, 1970, S. 65-94 bzw. S. 78 ist durch unbemerkten Ausfall einer
Manuskriptzeile die Tätigkeit Capistrans mit den Äußerungen von Antoninus, der
1446-1459 Erzbischof von Florenz war, zusammengeflossen.
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