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Objekt: Beiträge zur deutschen Volksdichtung

zugleich die „kleine Seite“ verrichteten. Da sie das eine ohne das andere 
nicht tun konnten, mußten sie unverrichteter Sache wegziehen. 
Während gleiche und ähnliche Schwänke und Anekdoten über weite 
Gaue Deutschlands verbreitet sind, gibt es eine besondere Abart, die nur 
in einzelnen Bezirken heimisch ist und entweder auf wirkliche Vorfälle 
zurückgeht oder frei erfunden oder aus der Überlieferung genommen 
und bloß auf einen besonderen Fall übertragen ist. Diese Schwänke 
werden nicht allein von einzelnen Personen, die wegen ihres eulenspiege- 
lischen Lebens und Treibens in ihrer engeren Heimat eine gewisse Be- 
rühmtheit erlangt haben, erzählt, sondern auch von einzelnen Orten und 
ganzen Landschaften. 
Ein so schnurriger Kauz war der vor mehreren Jahren verstorbene 
Hausbesitzer Foltinal in Oberplan, der unter vielen anderen Streichen 
auch den folgenden ausgeführt hat. Er kaufte zwei Knackwürste, steckte 
sie so in die Rocktasche, daß sie jeder sehen konnte, und ging dann in 
ein Gasthaus. Dort setzte er sich zu einem Manne, auf den er es abge- 
sehen hatte und der auch, die willkommene Gelegenheit benützend, 
dem Foltinal einmal einen Streich spielen zu können, wirklich in die 
Falle ging, jenem heimlich die Würste aus der Tasche zog und in einem 
Nebenzimmer unter dem Gelächter anderer Leute behaglich verzehrte. 
Foltinal, der sich den Anschein gab, als ob er gar nichts davon wüßte, 
zahlte und ging fort, kehrte aber bald wieder zurück und erzählte mit 
bestürzter Miene, er habe zwei vergiftete Würste für Ratten bei sich gehabt 
und müsse sie nun irgendwo verloren haben, hoffentlich entstehe daraus 
kein Unglück. Alle Anwesenden erschraken, am meisten aber der, welcher 
die Würste in seinem Magen liegen hatte. Er beichtete dem Foltinal 
seinen Streich. Dieser machte zuerst ein verzweifeltes Gesicht und meinte, 
da sei wohl alles vergeblich. Dann aber sagte er, ein einziges Mittel 
gäbe es noch, um das Gift wirkungslos zu machen, der Mann müsse so 
viel als möglich Jauche trinken. Dies geschah auch in so ausgiebigem 
Maße, daß der Wurstliebhaber mehrere Tage im Bette verbringen mußte. 
Humorvollere Streiche werden von dem sogenannten Zualossawerchtl 
erzählt, der deshalb Zulasseralbert hieß, weil sein Geschäft darin bestand, 
daß er auf einem Hengste die ganze Gegend zwischen Wallern und Höritz 
durchritt und überall einkehrte, wo ein Bauer eine Stute zum „Zulassen“ 
hatte. Albert war in seiner Jugend, die er in Eggetschlag verbrachte, 
ein hübscher und lebensfroher Bursche, der seinen Stolz darein setzte, 
bei allen Mädchen des Dorfes Erfolge gehabt zu haben. Nur eine, die 
Tochter des Bauers „Mini“, blieb ganz unzugänglich. Als jener einmal 
im Gasthause von anderen Burschen deshalb gehänselt wurde, ging er 
eine Wette ein, er werde innerhalb von vierzehn Tagen auch bei diesem 
Mädchen so weit kommen, daß es ihn selbst auf dem Rücken in die 
Schlafkammer trage. Mit aller Kraft seiner Beredsamkeit und mit be- 
harrlicher Ausdauer arbeitete er seinem Ziele zu. Nach einigen Nächten 
hatte er schon den Erfolg, daß die Bauerstochter zum Fenster kam und 
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