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Volltext: Mitteilungen, 50.2018

24 Kurzbeitrag 
Anschließend kommentierte der Diskutant, 
Michael Schönhuth, die zentralen Punkte 
der vorhergehenden Beiträge und leitete 
damit über zur Diskussion. Während er den 
zentralen Argumenten der Vortragenden 
zustimmte, bezog er die genannten Aspekte 
erneut auf die deutsche Fachdiskussion der 
vergangenen Jahre, sowie auf die „Frankfur- 
ter Erklärung“ zur Ethik in der Ethnologie, 
die als Resultat der fachinternen Diskurse 
der 1980er Jahre als ethische Richtlinien im 
Jahr 2009 durch den Fachverband deklariert 
wurde. Er betonte, dass die in allen drei 
Vorträgen genannte Maxime des „doing 
anthropology ethically“ versus „doing 
ethics anthropologically“ wohl die wich- 
tigste Essenz der Debatte sei, und dass er 
zustimme, den Fokus auf die ethische Praxis 
zu legen als auf das formalisierte Abhaken 
bestimmter Anforderungen  im Sinne einer 
checkbox-Mentalität. Die „Kunst der Feld- 
forschung“ und die darin implizierte Frage 
nach ethisch korrektem Verhalten sei eine 
Kunst bzw. ein Handwerk, welches sich nicht 
allein furch institutionalisierte Begutach- 
tungsverfahren erschließe, sondern durch 
individuelle Erfahrungen, die wiederum 
durch die Unterstützung der Universitäten 
und entsprechenden Änderungen in den 
Curricula reflektiert und diskutiert werden 
müssen. Durch die Erhöhung des Drucks 
als Folge einer Anpassung an die interna- 
tionale akademische Landschaft sei genau 
jetzt ein wichtiger politischer Moment, um 
gegenüber unterschiedlichen Forschungs- 
förderorganisationen einfühlsam, jedoch 
auch schnell und bestimmt zu handeln und 
die besonderen Bedürfnisse der deutsch- 
sprachigen Ethnologie in den Ethikkom- 
missionen zu formulieren und einzufordern, 
beispielsweise im Umgang mit Langzeitar- 
chivierung und Datenmanagement. 
In der weiteren Diskussion kommentierte 
Annelies Moers aus den Niederlanden die 
Thematik mit einem Fallbeispiel ihres Insti- 
tuts: eine Mitarbeiterin, die zu muslimischen 
Ehen im Kontext syrischer IS-Jihadist�innen 
forsche, sei von lokalen Medien für ihre 
Forschungsmethoden und ihre ethische 
Herangehensweise stark kritisiert worden 
und das Thema sei darüber hinaus politisch 
und journalistisch im Kontext des nieder- 
ländischen Wahlkampfes massiv instrumen- 
talisiert worden. Anschließend berief die 
Universität einen Kontrollausschuss ein, der 
die Forscherin nicht nur zu problematischen 
inhaltlichen Fragen der Forschung, sondern 
auch zu persönlichen Informationen von 
Forschungsteilnehmer�innen befragte. Aus 
dieser Erfahrung heraus fordert Annelies 
Moers einen stärkeren Schutz für Forschen- 
de bezüglich Datenschutz, Privatsphäre, 
Schutz vor Diskriminierung und rechtliche 
Absicherung. 
Hansjörg Dilger stimmte in seinem Diskus- 
sionsbeitrag den Vorträgen und den von 
Michael Schönhuth genannten Punkten zu 
und ergänzte, dass der Fokus auf einer noch 
intensiveren Auseinandersetzung mit dem 
Thema liegen müsse, wie Forschungsethik 
„ethnologischer“ gedacht werden könne, 
innerhalb der Institute, in der Lehre, im 
Umgang mit Nachwuchswissenschaftler�in- 
nen und wie dies mit erhöhter Kreativität 
umgesetzt werden könne. Es sei immens 
wichtig, Strategien zu entwickeln, um dem 
steigenden Druck auf europäischer Ebene 
nach der Forderung von formalisierten 
Ethikbegutachtungen zu begegnen; hierfür 
seien nicht nur innerhalb der nationalen 
Fachverbände, sondern auch auf trans- 
nationaler und globaler Ebene erweiterte 
Diskussionen von Nöten. 
Der Kommentar von Carola Lentz stellte zu 
bedenken, dass auch Ethik im Kontext von 
Machtverhältnissen zu sehen sei und nicht 
jegliche Form formalisierter Ethikbegut- 
achtungen kritisiert werden müsse. Es sei 
vielmehr wichtig, danach zu fragen, welche 
Arten von Formalisierung und welche 
Institutionen hilfreich sein könnten, wenn 
das Interesse vonseiten der Forscher�innen 
primär die Wissensproduktion sei.
	        
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