Digitalisate

Hier finden Sie digitalisierte Ausgaben ethnologischer Zeitschriften und Monografien. Informationen zum Digitalisierungsprojekt finden Sie [hier].

Suchen in

Objekt: Globus, 81.1902

Bücherschau. 
113 
Bücherschau. 
P. Georg Maria Stenz, S. V. D.: In der Heimat des 
Konfuzius. Skizzen, Bilder und Erlebnisse aus Schan 
tung. Mit 2 Farbenbildern, 31 Voll- und 96 Textbildern. 
Steyl, Veidag der Missionsdruckerei, 1902. 
Als in der Nacht des 1. Nov. 1897 die beiden Missionare 
Henle und Nies in Tscban-tja-tschuang von den Chinesen 
ermordet wurden, entging der Verfasser des vorliegenden 
Buches, Pater Stenz, nur durch ein Wunder dem gleichen 
Schicksale. Er selbst hat Schweres durchgemacht und viel 
um sein Glaubenswerk gelitten, er hat die gröfsten Barbareien 
mit angesehen, dieses aber hat ihn in keiner Weise ungerecht 
in seiner Beurteilung der Chinesen gemacht. Als Kenner der 
Sprache, des Landes und Volkes, unter dem er in Schantung 
lange in seiner Eigenschaft als Missionar verkehrte, vermag 
er wohl eher und zutreffender ein Urteil zu fällen als ein 
oberflächlicher „Weltreisender“, der mit Geschick und er 
borgten Federn seine Fahrten auszuposaunen weifs. China 
und seine Kultur, so führt wiederholt Stenz aus, seien zu sehr 
unterschätzt worden, man könne es den Chinesen nicht ver 
denken, wenn sie ihr Land nicht zerstückelt sehen wollten 
und sich gegen das Eindringen einer fremden Kultur wehrten. 
Auch auf Seiten der Europäer sei gegen die Chinesen ge 
sündigt worden. Selbstverständlich nimmt die Schilderung 
der Missionsthätigkeit und die Schwierigkeiten, welche ihr 
entgegenstehen, einen grofsen Baum in dem Werke ein; auf 
Grund der vielen guten Eigenschaften der Chinesen hofft der 
Verfasser auch auf eine Christianisierung des Volkes, ehe es 
religiöser Gleichgültigkeit anheim fällt wie die Japaner; 
allerdings seien grofse Anstrengungen nötig. 
Das Buch ist sehr ansprechend geschrieben und mit zahl 
reichen Abbildungen ausgestattet. Es bringt allgemeine 
Schilderungen und Reisen mit persönlichen Erlebnissen; bei 
letzteren erregt manches Gefahrvolle und Böse, was der Ver 
fasser zu erdulden hatte, unser Mitgefühl, und wir bewundern 
dabei, dafs die Erbitterung bei ihm nicht überhand nimmt. 
Ausführlicher wird die Provinz Schantung, in welcher sich 
des Verfassers Missionsgebiet befand, geschildert, sehr ein- j 
gehend auch das Gebiet von Kiautschou und die deutsche i 
Kolonisation desselben. Die Umänderung, die sich dort in I 
wenigen Jahren vollzog, ist eine gewaltige; „Tsingtau hat 
alles, um einmal eine Perle Ostasiens zu werden“. 
Dl*. Augustin Krämer, Marinestabsarzt: Die Samoa- 
Inseln. Entwurf einer Monographie, mit besonderer Be 
rücksichtigung Deutsch-Samoas. 1. Bd. (Lief. 1 bis 4.) 
4°. Mit 3 Tafeln, 4 Karten und 44 Textfiguren. Stutt 
gart, E. Schweizerbartsche Verlagsbuchhandlung (E. Nä 
gele). Preis 16 Mark. 
Der Entwurf einer Monographie, den uns der Verfasser 
in seinem ersten Bande bietet, stellt in Bezug auf die ihm 
zu Grunde liegenden Themata: Verfassung, Stammbäume, 
Geschichte und Überlieferungen ein Muster monographischer 
Bearbeitung dar, wie sie kaum in gleicher Vollkommenheit 
von einem überseeischen Gebiete bisher die wissenschaftliche 
Forschung geboten hat. Gewissermafsen in letzter Stunde, 
hev 0r die letzten Reste der eigenartigen Traditionen und 
^eigenen Lebensanschauungen eines herrlichen Volksstammes 
d . em Ansturm der Zivilisation erlegen sind, aber noch ehe 
ein Naturvolk im Strome der Zeit versunken ist, hat Krämer 
der soziologischen und ethnographischen Wissenschaft für 
die Nachwelt kostbare Schätze gerettet und ein Denkmal er 
richtet, das auch dem unermüdlichen Baumeister zu Ehre 
u od Ruhm gereicht. Wer die Schwierigkeiten kennt, die 
mit der Erlangung zuverlässiger, unbeeinflulster Überliefe 
rungen verbunden sind, und weifs, wie stark bereits der Ur 
sprung des Volkswesens verwischt und die Wahrheit durch 
fremde Einflüsse getrübt ist, wird den Leistungen und Er 
folgen des Verfassers unbedingte Bewunderung zollen. 
Voll würdigen kann das vorliegende Werk aber nur, 
wer weifs, unter welch schwierigen Verhältnissen es im be 
schränkten Raum einer Schiffskabine in den Mufsestunden | 
eines Marinearztes aus der riesigen Fülle von eigenem Wissen J 
und der gesamten einschlägigen Litteratur entstanden ist. [ 
Aus dem Staube alter Schriften, Berichte und Bücher hat 
Krämer auch die ersten und späteren Namen von Forschern 
seinem Denkmal eingefügt, deren Arbeiten zum Teil bisher 
unbeachtet und vielen unbekannt schlummerten. Dafs die 
Zahl dieser Vor- uno Mitarbeiter nicht gering ist, beweist 
das chronologische Verzeichnis am Schlüsse des Werkes. 
Das ist ein besonderes Verdienst Krämers und eine unschätz 
bare Grundlage für weitere Forschungen. 
Der gröfste Wert liegt neben der kritischen Bearbeitung 
urkundlichen Stoffes für spezielle Überlieferungen in der ge 
nealogischen Retrospektive. Deren Erfolge sind überraschend. 
Das erhellt ohne weiteres aus dem Aufbau der Stammbäume 
aus einer fünfhundert- bis tausendjährigen Vergangenheit. 
Bis zu 33 Generationen ist es Krämer gelungen, in das Dun 
kel der Geschichte eines kaum 150 Jahre bekannten Volkes 
zurückzugreifen, in sorgfältiger Kritik verschiedener von 
einander unabhängiger Berichte und Überlieferungen, wo 
schriftliche Urkunden überhaupt fehlen. Das ist gleichzeitig 
ein überzeugender Beweis für die hochentwickelte Tradition 
und den ausgeprägten Ahnenkultus der Samoaner. Diese in 
der religiösen Mythe und in der Schöpfungsgeschichte ver 
schwimmende Genealogie läfst es erklärlich scheinen, dafs 
die Samoaner sich und ihre Heimat als den Ursprung der 
Welt ihrer Anschauung betrachteten und die schaffende Ar 
beit Tagalvalagis, des grofsen Himmelsgottes mit der Erhebung 
und Belebung Manuas (Ostsamoa) beginnen lassen. Jeden 
falls ist, wie Krämers Forschungen bestätigen (S. 394 u. s. w.), 
den Samoanern die Existenz der meisten polynesisclien 
Inselgruppen, einscliliefslich Viti, bekannt gewesen und 
zweifellos, dafs alle polynesischen Stämme vor 600 bis 700 
Jahren untereinander Beziehungen batten. Für die grofse 
Ursprungsfrage der Polynesier hat Krämer in der Überliefe 
rung noch keine sicheren Schlüssel gefunden, dazu bedarf es 
erst einer gleichwertigen kritischen Erforschung aller ande 
ren Gruppen. Was wir bisher darüber wissen und kombi 
nieren können, ist absolut unzureichend, und es scheint 
leider wenig Hoffnung vorhanden, dafs dieses Völkerrätsel 
noch gelöst wird, falls nicht, wie auch Krämer betont, bald 
die schnell zerreifsenden Fäden verfolgt werden und noch 
rechtzeitig den richtigen Pfad aus dem Chaos finden lassen. 
Möge speziell die deutsche Wissenschaft mit allen Mitteln 
danach streben, dieses Ziel zu erreichen, und Männer finden, 
die mit gleichem Eifer und Können wie Krämer Grofses zu 
leisten vermögen, falls dieser nicht selbst seine Erfahrungen 
und erprobte Kraft dafür einsetzt. Dr. Reinecke. 
G. A. Koeze : Crania ethnica philippinica. Ein Bei 
trag zur Anthropologie der Philippinen. Mit 25 Tafeln. 
Lieferung 1. Haarlem, H. Kleinmann u. Co. 
In den Veröffentlichungen des Niederländischen Reichs 
museums für Völkerkunde, Serie II, Nr. 3, ist die erste Liefe 
rung dieser Arbeit erschienen, welche auf Grund der von 
Dr. Schadenberg gesammelten Schädel die Bevölkerung der 
Philippinen rassenanatomisch darstellen wird. Bis jetzt sind 
sechs Bogen mit ebenso viel Tafeln vornehm gedruckt und 
durch Lichtdruck illustriert. Wir sehen dem Abschlufs dieser 
kraniologischen Untersuchung mit Interesse entgegen, denn 
diese Inseln, in denen jetzt ein wilder Kampf tobt, sind für 
die Anthropologie von jeher ein Zielpunkt ihrer Wünsche 
gewesen wegen der Eigenart der Ureinwohner. Die Bevölke 
rung ist, wie von dem Verfasser richtig hervorgehoben wird, 
im ganzen schon sehr gemischt. Malaien, Chinesen und Ja 
paner sind seit Jahrhunderten nach diesen schönen und 
fruchtbaren Inseln hingezogen. Dazu kommen die Urein 
wohner, die unter der Bezeichnung „Negritos“ zusammen- 
gefafst werden, die aber auch keine einheitliche Rasse dar 
stellen; denn neben grofsgewachsenen Menschen, die man mit 
Virchow kurz Adamiten nennen kann, kommen unter ihnen 
die Pygmäen vor, welche den Ureinwohnern wegen ihrer 
Kleinheit und Negerähnlichkeit den seltsamen Namen „Negri 
tos“ eingebracht haben. 
Rechnet man dazu, dafs alle die obengenannten Rassen 
sich untereinander gekreuzt haben, und dafs seit der spani 
schen Herrschaft, die Jahrhunderte gedauert hat, noch die 
Weifsen und ihre Kreuzungen hinzugekommen sind, dann 
wird es klar, dafs das anthropologische Problem ein aufser- 
ordentlich zusammengesetztes Rätsel darstellt. Der Verfasser 
verfolgt bei dieser ausgedehnten Untersuchung, die sich auf 
etwa 300 Schädel erstrecken wird, folgendes Verfahren, das 
wir für zweckmäfsig halten. Zunächst soll Stamm für Stamm, 
also die ethnologische Gliederung berücksichtigt werden, weil 
bei der Sammlung des Materiales die Herkunft durch den 
verstorbenen Schadenberg mit grofser Genauigkeit angegeben 
wurde. Erst wenn diese Darstellung vollendet ist, sollen durch 
Vergleichung die vorkommenden Typen festgestellt werden. 
Eine kurze Übersicht über die Reihenfolge der Invasion 
der fremden Rassen ist für die Orientierung des Lesers be 
stimmt. Diese Ereignisse sind vielleicht in Holland am besten 
bekannt geworden, das in so nahem Verkehr mit den Phi 
lippinen steht. Es geht daraus hervor, dafs die Negritos
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.