Digitalisate

Hier finden Sie digitalisierte Ausgaben ethnologischer Zeitschriften und Monografien. Informationen zum Digitalisierungsprojekt finden Sie [hier].

Suchen in

Volltext: Jahrbuch für Volkskunde, 18.1995 N.F.

Bernward Deneke 
Manche dieser Konstellationen sind aus dem Blickwinkel der preußi- 
schen Administration am Beispiel der Ravensberger Textilwirtschaft schon 
1819 treffend auf den Begriff gebracht worden, indem hier von der Gefahr, 
»die Gewerbeverwaltung in die Regie der Armenverwaltung herabzuzie- 
hen«, gesprochen wurde. 
Allerdings schienen die Vorbehalte, ob die Landbevölkerung allenthal- 
ben für die hausindustrielle Tätigkeit gerüstet, war, gerechtfertigt. Die Ab- 
nehmer beklagten gelegentlich die fehlende Zuverlässigkeit der Produzen- 
ten in Hinsicht der Einhaltung der Liefertermine, andere sprachen von ih- 
rer geringen mentalen Beweglichkeit, sich auf neue Marktsituationen ein- 
zustellen. Man war, wenn trotz angestrengtester Arbeit ein adäquater Ar- 
beitslohn ausbleibt, hilflos und verharrte bei der alten Tätigkeit, weil man, 
zufolge der Klagen der Arbeiter, nichts anderes gelernt habe und von Ju- 
gend auf dieses wenig ertragreiche Geschäft praktiziere. Einer verbreiteten 
Stimmung verlieh jener gegen wohlmeinende Förderung resistente Schnit- 
zer Ausdruck, der einen Gesprächspartner mit den Worten, Wer sie nicht im 
Kopfe habe, werde ihre Kunst nie lernen. So haben es ihre Eltern auch schon 
gemacht und sie machten es eben so, und die Jungen, die jetzt zeichnen lern- 
ten, machten es auch nicht besser, beschied?!. 
Zahlreiche Nachrichten kennzeichnen die Diskrepanzen zwischen den 
gut gemeinten Dispositionen der Gewerbeförderung und dem Verhalten 
der durch sie betreuten Bevölkerungsteile. So hatte der Landesgewerbver- 
ein in Darmstadt im Umland von Biedenkopf mit erheblichem Aufwand die 
günstige Verdienstmöglichkeiten verheißenden Häkelarbeiten eingeführt, 
jedoch verharrten die Frauen nach dem Weggang der Häkellehrerin bei der 
alten Gewohnheit des Strümpfestrickens, weil die Überzeugungsarbeit zu- 
gunsten der schwierigeren, aber auch lohnenderen Handfertigkeit nicht 
ausreichend war. 
Bei solchen Reaktionen ist indessen nicht zu vernachlässigen, daß mit der 
Verdichtung und der Spezialisierung der hausindustriellen Tätigkeit in den 
einzelnen Ländern deren Rentabilität nachließ: Ernst Schlee hat in seinen Stu- 
30 FLÜGEL, AXEL: Kaufmännische Orientierung und Mechanisierung. Das Feinleinengewerbe 
in Ravensberg 1680-1890, In: Dırr, KARL/POLLARD, SIDNEY (Hgg.): Von der Heimarbeit in die 
Fabrik. Industrialisierung und Arbeiterschaft in Leinen- und Baumwollregionen Westeuropas 
während des 18. und 19. Jahrhunderts (= Forschung zur Regionalgeschichte 5). Paderborn 
1992, S. 106-127, hier S. 120. — Ders.: Kaufleute und Manufakturen in Bielefeld. Sozialer Wan- 
del und wirtschaftliche Entwicklung im proto-industriellen Leinengewerbe von 1680 bis 1850 
(= Studien zur Regionalgeschichte 6). Bielefeld 1993, S. 244. 
M ILG, ALBERT: Die Industrie des Grödner Thales in Tirol. In: Mittheilungen des k. k. österr. 
Museums für Kunst und Industrie Bd. 3, 1871, S. 367-371, hier S. 371. 
32 Bericht über die Beförderung ländlicher Erwerbszweige. In: Gewerbeblatt für das 
Großherzogthum Hessen 1857, S. 20 f.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.