Buchbesprechungen
wird auf die Besprechung der Gebrauchsware gelegt. Um die Erhellung der
Zusammenhänge gerade dieser Ware hat sich der Autor besonders verdient ge
macht. Er ist daher in der Lage, aus seiner Praxis heraus zahlreiche Stellung
nahmen zu Forschungsproblemen und zur Methodik ebenso in den Text einzu
flechten, wie wichtige Korrekturen - auch zur Darstellung Hellebrandts - vor
zunehmen. Die Tätigkeit des Verf. bestimmt den besonderen Charakter des
Raerener Museums. Da bei allen Objekten der Fundort gesichert und in den
meisten Fällen der archäologische Befund bekannt ist, kann in der Ausstellung,
wie im folgenden Text, deutlich gemacht werden, daß das Gebrauchsgeschirr
sowohl entwiicklungsgeschichtlich wie auch quantitativ die sog. Kunstkeramik
trägt und erst möglich gemacht hat. Dieses Faktum, das, bedingt durch den bis
herigen Forschungsgang, immer wieder übersehen wurde, einmal deutlich her
ausgestellt zu haben, ist ein notwendiges und lobenswertes Anliegen. Nicht un
wichtig ist ebenfalls die Beschreibung der Aachen-Raerener Produktionsstätten
und ihre derzeit möglichen Datierungen, die in einem größeren Zusammenhang
gesehen werden. Ganz besondere Bedeutung hat der Abschnitt „Die chrono
logische Entwicklung“. Hier werden in chronologischer Folge der gesamte
Typenschatz beschrieben und definiert, die Verwendung - soweit möglich - der
einzelnen Typengruppen angegeben, Korrekturen bisheriger Auffassungen vor
genommen, so z. B. bei den sog. Dudelsackpfeiferkrügen. Eine Aufzählung der
kopierten Formen ist ein weiterer widitiger Bestandteil des Beitrages. Zu be
dauern ist, daß diese umfangreiche und gründliche Typenschau, die von zahl
reichen Abb. unterstützt wird, die oftmals Erstveröffentlichungen sind, nicht in
einer optischen Gesamtdarstellung, einer Typentafel, ihre Krönung gefunden
hat. Die Arbeit von Mayer würde dadurch noch mehr gewonnen haben. Gerade
die Erhellung der inneren genetischen Formenzusammenhänge ist ein drin
gendes Desiderat der Forschung. Daß Ausführungen über den Brand und die
Glasuren die Darstellungen ergänzen, sei nur noch angemerkt. Die Behandlung
der Spätzeit schließlich wird benutzt, um auf die Unterschiede zwischen künst
lerischem und technischem Vermögen hinzu weisen. Ein Gesichtspunkt, der nicht
genug betont werden kann. Vor vorzeitigen Schlüssen in der Gesamtbeurteilung
der Formen beim gegenwärtigen Bearbeitungsstand wird gewarnt. Zu dem
Ende der Produktion im Raerener Raum und den Wiederbelebungsversuchen
des 19. Jahrhunderts wird - anders als bei Hellebrandt — Stellung genommen.
Der besondere Wert des Beitrages von Mayer besteht neben vielen neuen
Erkenntnissen darin, daß in methodisch einwandfreiem Verfahren stets die
Grenze zwischen Tatsachen und Kombinationen aufgezeigt, auf Forschungs
lücken hingewiesen, Wege zu ¡ihrer Schließung angedeutet, Möglichkeiten der
weiteren Bearbeitung genannt werden. Das Fehlen eines Literaturverzeichnisses
wird mit dem Hinweis auf die „Bibliographie des rheinischen Steinzeugs“ von
J. Daum in Zeitschr. d. Aach. Gesch.-Vereins 77, 1966, 71-80 ausgeglichen, auf
die hier besonders verwiesen sei.
Der vorliegende Band mit seinen beiden Beiträgen ist in seiner Aufmachung
und Ausstattung der Bedeutung der vorgelegten Funde gerecht geworden. Dem
Aachener Geschichtsverein und dem Herausgeber ist für diese dem Laien wie
dem Fachmann nützliche Publikation zu danken. Der Band schließt eine Lücke
und stellt eine wertvolle Bereicherung der Literatur zur mittelalterlichen und
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