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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 136.2011

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Zeitschrift für Ethnologie 136 (2011) 
Stellungnahmen wie diese, welche die Heimatbesuche an die Idee einer möglicherweise 
zu einem späteren Zeitpunkt erfolgenden permanenten Rückkehr ins Herkunftsland 
koppelten, hörte ich häufig. Besonders jene Migranten, die ihre jungen Lebensjahre 
in Kap Verde verbrachten und die Inseln als Erwachsene verließen, mögen sich zwar 
an zahlreichen Errungenschaften erfreuen, die ihr Leben in der Diaspora im Laufe 
der Jahre festigten. Allerdings bewerten viele, vor allem wenn ihnen die Annahme der 
US-amerikanischen Staatsbürgerschaft in der Zwischenzeit nicht gelang, die dortigen 
Rahmenbedingungen nach wie vor als unsicher und halten sich die Frage, wo sie ihren 
Lebensabend verbringen, offen. Auch aus diesem Grund sehen sie sich veranlasst, den 
Zugang zu ihrer Herkunftsgemeinschaft aufrecht zu erhalten. Die Immobilien- und 
Finanzkrise, die Kredite in die Höhe schnellen ließ, hat gerade auch Migranten in un- 
angenehme Schuldnersituationen gebracht. Die nach unten erfolgende Rentenanpas- 
sung stellt einen angemessenen Lebensabend in Boston, New York oder auch Lissabon 
in Frage und auch die zeitliche Befristung der green card, deren Erneuerung sich seit 
der Zuspitzung der politischen Lage im Jahr 2001 als zunehmend schwierig erweist, 
lässt einen Ruhestand in der ehemaligen Heimat wahrscheinlicher werden. Hinzu 
kommt die Bedrohung durch die verschärfte Abschiebungspraxis nicht dokumentierter 
und irregularisierter Migranten (Drotbohm 2011) — alles in allem ein umfassendes 
Motivbündel, das Pläne für eine permanente Rückkehr anfeuert. 
Hier zeigt sich also, dass der soziale Akt der Herstellung bzw. der Erneuerung der 
Heimat hochgradig von den Lebensbedingungen an anderen Orten geprägt ist und 
insbesondere für jene Gruppen bedeutsam wird, die von einer vulnerablen Position 
aus handeln. Mit Blick auf einen vergleichbaren Zusammenhang schreiben Nadje Al- 
Ali und Khalid Koser: 
“Despite the unsettling of previously rooted and fixed notions of home, people 
engaged in transnational practices might express an uneasiness, a sense of fragmen- 
tation, tension and even pain. Everyday contestations of negotiating the gravity of 
one’s home is particularly distressing for those who are vulnerable, for example the 
poor, women, illegal immigrants and refugees.” (Al-Ali/Koser 2002:7). 
Viele Migranten nutzen den Heimatbesuch und ihre Rolle im Festrahmen als Gelegen- 
heit, gleichermaßen ihre finanzielle und soziale Überlegenheit wie auch ihre Solidarität 
und Unterstützungsbereitschaft deutlich zu machen. Auf diese Weise gestalten sie eine 
lokale Sichtbarkeit, markieren ihre Position innerhalb ihrer Herkunftsgemeinschaft und 
formulieren einen Anspruch auf soziale Zugehörigkeit. Und zugleich prüfen sie in die- 
sen Momenten die Rahmenbedingungen für eine mögliche permanente Rückkehr. 
0 Siehe zur konzeptuellen Verbindung zwischen Heimatbesuchen und Remigration auch Duval 
2004, der erläutert, dass karibische Migranten, die für die Besuche ihrer Angehörigen aus Kanada in 
ihre ehemaligen Herkunftsländer zurückkehren, ihre Aufenthalte nutzen, um eine spätere permanente 
Rückkehr vorzubereiten.
	        
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