A. Referate. Urgeschichte.
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sein. Im einzelnen fand man Gruppen von bearbeiteten Silexstücken vielfach
in Entfernungen von 50 bis 60 m, auch läßt sich oft eine Benutzung der
selben Stätte in verschiedenen Epochen nachweisen. Daraus wird der
Schluß gezogen, daß damals immer nur kleine Familien oder Horden zusam
menlebten, sehr beweglich waren und an einer Stelle sich immer nur verhält
nismäßig kurze Zeit aufhielten. Prof. Br. Walter-Stettin.
356. A. Cahen: Station-atelier néolithique de Sandouville, Seine-
Inférieure. Bulletin de la Soc. Geolog, de Normandie 1906.
Tome XXY, p. 41, avec 1 table.
Neolithische Einzelfunde waren von Sandouville schon bekannt, jetzt ist
aber auch eine Schlagstelle am Abhange des gallo-römischen Lagers, geschützt
vor Nordwinden und in einem Wasser führenden Tale, entdeckt. Das Material
ist grauer, mitunter gebänderter Feuerstein aus der senonischen Kreide der
Umgegend, die Bearbeitung aber durchaus abweichend von den auf der Höhe
gefundenen vollkommeneren Stücken; hier herrscht durch bloßes Zuschlägen
hergestellte Form, es finden sich nur bis 10 cm lange Stücke von den Arten
der Bohrer, Schaber, Messer u. a., auch Nuclei, indes kommen doch auch
sorgsam bearbeitete Stücke vor. Die Arbeitsstelle wird danach in die Über
gangszeit vom Paläolithikum gesetzt und wie die Station von Sapinières als
altneolithisch bezeichnet. Die Lichtdrucke der Tafel lassen die Einzelheiten
des Materials und der Bearbeitung trefflich erkennen.
Prof. Dr. Walter-Stettin.
357. Bietzier u. Naue: Bronzefund auf dem Neurißfelde westlich
von Bruck bei Fürstenfeld (Oberbayern). Prähist. Blätter 1907,
Bd. XIX, Nr. 1 ; m. 1 Taf.
In einem Garten zu Bruck sind drei flache Brandgräber in unregel
mäßiger Entfernung, doch ohne Spuren anderer Bestattungen geöffnet. Die
beiden sachkundig ausgebeuteten enthielten neben Kohlen und Leichenbrand
nur ein kleines Bronzefragment, doch konnten aus den Topf Scherben 10 Ge
fäße wiederhergestellt werden; dagegen war das reichste Grab schon von den
Arbeitern zerstört, besonders die Tongefäße, und von Bronzen wurden nur noch
folgende Stücke zusammengebracht: Zwei lange Nadeln mit flachen Köpfen,
zwei offene Bronzearmringe, ein dünnes Armband mit umgebogenen Enden,
ein Ohrring, fünf unverzierte Ringe, endlich eine durchlochte Tonscheibe.
Naue vergleicht diese Gräber mit den von ihm beobachteten Flachgräbern
aus der älteren Bronzezeit in Oberbayern, setzt diese aber in die jüngere
Zeit und betont die Seltenheit der Nadeln mit kegelförmigen Köpfen, die
auch in Böhmen selten sind, ebenso des gerippten Ohrringes. Von den Ton
gefäßen sind wegen ihrer gefälligen Formen ein Henkelgefäß, ein Becher,
flache Schalen und zwei größere Urnen zu nennen, die umgekehrt birnen
ähnlich gestaltet sind und am oberen Bruchteil kleine warzenförmige Auf
sätze zeigen. Nur ein kleineres Gefäß ist verziert, aber ganz in der charak
teristischen Weise der jüngeren Bronzezeitgefäße, nämlich mit vertieft
eingestochenen Dreiecken, die durch horizontale Linienbänder mit Schräg
stichen in Zonen getrennt werden. Prof. Dr. Walter-Stettin.
358. Wilke : Beziehungen der west- und mitteldeutschen zur donau-
ländisclien Spiralmäanderkeramik. Mitteil. d. anthrop. Ges. in
Wien 1905, Bd. XXXV, S. 249—269.
Auf eine Arbeit St üb eis über die altperuanischen mäanderartigen
Gewebemuster gestützt, nimmt Wilke an, daß auch die stein zeitliche Spiral-