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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 13.1881

Rob. Hartmann: 
Individuen dieses erloschenen Tribus, nämlich eine Frau und eine Art 
Stadtherold, haben noch vor ca. 15 Jahren in Keren gelebt. 
Die Belaäu dagegen haben sich nach unserem Gewährsmanne schon 
frühzeitig zersplittert. Das Gros dieser Nation blieb am Zusammenflusse 
des Xor-el-Baraka und des Jor-el-Ardéb. Dort sitzt es noch jetzt, stolz aut 
seinen Ursprung, aber nunmehr auf einige Familien reducirt. Die übrigen 
geriethen auf der Suche nach besseren Weideplätzen in das Samkärah und 
wurden Moslimin. Als nun die Türken sich im sechzehnten Jahrhunderte 
Masüal/s bemüchtigten, bedienten sie sich der Mithülfe der Belàu und schufen 
für sie, zu ihren Gunsten das Naibat von “4rg2go.!) 
Munzinger bemerkt, dass die Haikota früher sehr bedeutend gewesen 
seien, in neuerer Zeit aber sich am Qai, oberhalb Kasalah angesiedelt 
haben sollen. Schliesslich wurden sie vom Gross-Sey der Beni-4mir nach 
Küfit in das Land der Baria versetzt, nach Zerstörung dieses Ortes aber 
nach Donqüäz übergeführt. Später soll der Gross-Szy der Hadéndäwa, 
Musa (S. 198), diese Leute als seine Unterthanen beansprucht haben und soll 
dies durch den Diwàán entschieden worden sein ?). 
Während nun Lejean die Urbevôlkerung des Barakä aus Abyssinien 
(Seräwi) stammen lässt, bleibt Munzinger hinsichtlich der Herkunft der 
Belau im Zweifel. Heuglin führt in einer ihm von Reinisch gegebenen 
Liste der Danäqil-Stämme auch die Bala’o auf. Ersterer glaubt dann, dass 
Bela'o mit Belaw, das auf Aethiopisch edel, adlig bedeute, einer im Samkärah 
ansässigen Qabileh, zusammenhängen könne.?) Sehr wahrscheinlich sind 
die Beláu Angehórige eines Danàaqil-Stammes, welcher die Beni-24mir unter- 
worfen hatte und unter ihnen durch lange Zeit die Rolle der herrschenden 
Klasse gespielt hat. Hatten doch nach Munzinger's eigenen Angaben 
die Jesuiten in die Gegend von ’Agig das Königreich Balu verlegt.‘) 
Unsere diesjährigen Beni-Amir schienen das Wort Beläu als einen Ekel- 
namen aufzufassen, wie denn auch Munzinger hervorhebt, dass der Name 
Bëläui, mit dem man zwar noch immer den Adligen oder Herrn bezeichne, 
zugleich den sehr harten, grausamen und bóswilligen Mann bedeute.) 
Zu den Nebtàáb, wirklichen anerkannten (aus Abyssinien herstammenden) 
heutigen Edlen der Beni-Amir, soll nach unserer Leute Aussage der Gross- 
1) Le Tour du Monde, 1865, I, p. 120. 
2) A. o. a. O. S. 283 ff. Die Bejah der diesjährigen Hagenbeck’schen Nubierkarawane 
stellten dies beharrlich in Abrede. Es hiess, die Häiköta seien sogut wie die übrigen Beni- 
"Amir dem Gross-Séy der letzteren, Ali-Bayıt (zu “-Atäga) zugehörig. Möglich, dass sich die 
entsprechenden Unterthänigkeitsverhältnisse in dieser Hinsicht neuerdings wieder geändert 
haben. (Vergl Kirchhoff in Mittheil. d. Ver. f. Erdk. zu Halle, 1879, S. 58.) 
3) Reise in Nord-Ost Afrika, II, S. 299. 
4) Vergl. hierüber und über Anklánge an den Namen Bélàu in verschiedenen nubischen 
Ortsbezeichnungen Nigritier S. 383. 
5) Die Bèläu haben eine Zeit lang dem Naib von ’Argigo als Soldaten gedient und 
môgen sich auch als solche den Hass der übrigen Geschlechter zugezogen haben.
	        
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