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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 12.1880

Sitzung am 10. December 1880. 
Vorsitzender Hr. Bastlan. 
(1) Hr. Virchow erstattet den 
Geschüfts- und Verwaltungsbericht fiir das Jahr 1880. 
Meine Herren! Wir haben leider einen grossen Theil des Jahres ohne unser 
Haupt zubringen müssen. Wäre Hr. Bastian unter uns gewesen, so würde wahr- 
scheinlich Manches im Laufe dieser Zeit sich noch glänzender gestaltet haben, 
Nichtsdestoweniger dürfen wir mit einer gewissen Befriedigung auf das vergangene 
Jahr zurückblicken; es ist uns in der That mehr gelungen, als wir im Anfang des- 
selben erwarten konnten. 
Ich habe zunächst in Beziehung auf die äusseren Verhältnisse der Gesellschaft 
als solcher zu erwähnen, dass die Zahl der ordentlichen Mitglieder sich im Lauf 
des Jahres unter verschiedenen Schwankungen so gestaltet hat, dass wir am Schluss 
desselben 58 Mitglieder mehr haben, als am Schluss des Vorjahres, Es sind im 
Augenblick 434 ordentliche Mitglieder. Die Theilnahme hat sich von Sitzung 
zu Sitzung gesteigert; die Ausstellung und die Generalversammlung haben nicht 
wenig dazu beigetragen, uns neue Freunde zuzuführen. Es ist dadurch wenigstens 
zum Theil, wie Sie nachher aus dem Ergebniss unserer Finanzverwaltung ersehen 
werden, das erzielt worden, worauf ich vor einem Jahre hingewiesen habe, dass 
eine Gesellschaft, die etwas leisten will, eine genügende Menge zahlender 
Mitglieder haben muss. Auch jetzt möchte ich wieder daran erinnern, dass es 
eine Pflicht der regelmässigen Mitglieder ist, dafür zu sorgen, dass wir im leistungs- 
d. h. zahlungsfáhigen Zustande bleiben. 
Correspondirende Mitglieder haben wir im Augenblick 83. Wir haben nur 
einen einzigen, aber allerdings sehr schweren Verlust im Laufe des Jahres zu be- 
klagen gehabt, einen Verlust, den nicht bloss wir schwer empfinden, sondern den die 
ganze anthropologische Welt mitfühlt, der nicht blos in Europa, sondern überall, 
wo die Interessen unserer Wissenschaft gefördert werden, wie ein persönliches 
Unglück empfunden ist; das ist der Tod von Hrn. Paul Broca, dem langjährigen 
Generalsecretär der Pariser anthropologischen Gesellschaft. Es bedarf wohl kaum 
noch einer Aufzählung seiner Verdienste; es sind zahlreiche Nekrologe über ihn 
erschienen, zuletzt noch ein würdiger Nachruf, welcher Kunde giebt von dem, was 
er gewollt und erstrebt hat. Dass vielleicht mehr geschehen ist, um die Erinne- 
rung an ihn zu sichern, als in der Regel selbst für sehr bedeutende Männer zu 
geschehen pflegt, erklärt sich aus dem Umstande, dass die wissenschaftliche Thätig- 
keit Broca’s offen vor Aller Augen lag, dass überall, wo man anthropologisch 
forscht, man seiner Methoden gedenkt, ja dass er mehr als irgend einer dazu bei- 
getragen hat, feste wissenschaftliche Principien in die eigentlich messende Wissen- 
schaft einzuführen. Es ist in der That ein unersetzlicher Verlust. Es giebt nie- 
mand, der es ibm gleichthun kännte, niemand, den wir zu seinem Ersatz uns zu- 
gesellen könnten.
	        
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