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Besprechungen
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Heinrich Winter : Das Bürgerhaus zwischen Rhein, Main und Neckar. Tübingen, Verlag
Ernst Wasmuth, 1961. 306 S., 175 Abb., 79 Taf. 4 0
Der Verf. ist in der jüngeren deutschen Hausforschung kein Unbekannter. Neben einer
größeren Anzahl kleiner Arbeiten wurde von ihm bereits 1957 das Werk: Das Bauernhaus
des südlichen Odenwaldes vor dem 30 jährigenKrieg (Rez.: DJbfVk 4, 1958, S. 584b) vorgelegt.
In allen diesen Publikationen erwies er sich als entschiedener und bedeutender Vertreter der
in der modernen hauskundlichen Untersuchung zum Durchbruch gelangten Gefügeforschung.
Auch die in seinem jüngsten Werk aufgezeigten Ergebnisse wurden fast ausschließlich mit
Hilfe dieser vor allem durch Josef Schepers und Gerhard Eitzen begründeten und entwickel
ten Forschungsmethode erzielt.
Ausgehend von der Arbeit Heinrich Walbes: Das hessisch-fränkische Fachwerk (Gießen
1954), in der festgestellt wird: „Alles was innen ist, können wir außen ablesen“, sucht W.
insbesondere aus der Verzimmerung der Außenwand das alte Innengefüge und damit die
ursprüngliche Raumordnung der Gebäude zu gewinnen. Von Bedeutung hierbei sind vor
nehmlich die im Außenbild durch Kopf- und Fußbänder bzw. Streben betonten Bundständer
sowie die Trägerung der Balkenlagen. Forschungsziel ist ihm dabei allgemein die Entwick
lung des Hauses nicht nur nach dem formalkonstruktiven, sondern auch nach dem jeweiligen
Wohnkulturellen Stand (S. n). Bemerkenswert bei solchem Bemühen erscheint dem Rez.
als methodisch wertvoller Hinweis die Feststellung: „Manches alte Gebäude macht es uns
heute schwer, in sein ursprüngliches Wesen einzudringen. Schuld sind die zahlreichen bau
lichen Veränderungen. In der Regel wurden davon die unteren Stockwerke mehr als die
oberen betroffen. Der Dachraum bleibt am längsten von ihn ändernden Um- und Ausbauten
verschont. Deshalb sei zur Erarbeitung des ursprünglich gewollten, also geplanten und aus
geführten Zustandes . . . mit [dem] Dachaufbau begonnen“ (S. i6f.).
Wie der Verf. im einzelnen aufzuzeigen vermag, bestanden zwischen den Bürger- und
Bauernhäusern des ausgewählten Untersuchungsbereiches innige Wechselbeziehungen.
Nachweisbarer gemeinsamer Ausgang war der Firstsäulenbau. Jedoch verlor das städtische
Haus eher als das ländliche die Firstpfette und ging früher zum Stockwerkbau über. Der
zumeist angestrebte Idealgrundriß des reicheren Bürgerhauses — nur solche blieben infolge
ihres fester gefügten Aufbaues aus dem 15. und 16. Jh. erhalten — war zunächst das Qua
drat. Darin erweist sich dieses Bürgerhaus als Nachfahre des beim städtischen Patriziat
ursprünglich üblichen Wohnturmes. Eine erste Differenzierung des Wohnraumes wurde
durch das Einziehen einer Querwand geschaffen. Von den auf diese Weise gewonnenen zwei
Zonen diente die erste dem eigentlichen Wohnen, sie war Stube, die zweite, später auf Kosten
der ersten erweiterte, als®Herd-, Flur- und Treppenraum. Weitere, insbesondere im 16. Jh.
vorgenommene Unterteilungen trennen vom Herdraum einen Flur, von der Wohnstube die
Schlafkammer. Allgemein wurde davon zunächst der erste Oberstock betroffen. Unterstock
wie zweiter Oberstock bleiben weitaus länger „hohl“, lediglich in letzterem war stets eine
Rauchkammer ausgespart, die man, solange Schornsteine noch nicht üblich waren, brauchte,
um den Rauch des noch offenen Herdes in den freien Dachraum zu leiten. 98 beschriebene
Bauten belegen die von W. dargestellte Entwicklung des Bürgerhauses zwischen Rhein,
Main und Neckar, wobei deren Einzelbeschreibung die jeweils am Gebäude vorgenommene
Untersuchung dergestalt minutiös aufzeigt, daß dem Leser eine Nachprüfung der gewonne
nen Ergebnisse unschwer ermöglicht wird. 175 Abbildungen (nach Aufmaßen des Verfs,
von Studierenden der Staatsbauschule und der T. H. Darmstadt sowie der zuständigen Bau
ämter) und 79 vorzüglich ausgewählte Tafeln illustrieren die Ausführungen.
Die Darstellung der Entwicklung des Bürgerhauses wird vom Verf. auf die Spanne von
ca. 1400 bis 1650 begrenzt. Mit dieser Beschränkung wird von ihm insbesondere die be
deutsame Ablösung der mittelalterlichen Baugestaltung erfaßt, wie sie sich u. a. in dem Ab
stößen der Firstpfette, im Übergang vom Geschoßbau zum Stockwerkbau sowie in der Er
setzung der Einzelverstrebung durch die Gruppenbildung im Gefüge der Außenwand doku
mentiert. Nach Ansicht des Verfs sind die Wurzeln dieser Entwicklung im Bereich des Gei
stigen zu suchen. Er sagt dazu: „Zwischen mittelalterlichen und neuzeitlichem Denken
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