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gelegene Talschaften von völlig verschiedenen Typen bewohnt. werden. Umgekehrt scheint die Grenze
gegen Deutschland eine sehr scharfe, besonders zwischen Baden und dem benachbarten Kanton Schaff-
hausen. Der Wuchs der heutigen Schweizer ist im allgemeinen eher als klein zu bezeichnen. Die
Rekrutenmessungen ergaben einen Gesamtdurchschnitt von 1635 cm mit Schwankungen von durch-
schnittlich. 1597 (Appenzell, Inner-Rhoden) bis 1664 (Genf). Zur Rekrutengröße addiert Verfasser
noch 3cm, um den Körperwuchs ausgewachsener Männer zu erhalten. .Übrigens erwähnt der Verfasser
auch rezente Schädel von pygmäenhaftem Volumen.
Die Untersuchung der Schweizer Schuljugend, an der .ja der Verfasser auch in bedeutendem
Maße teilgenommen hat, ergänzt die sonstigen Ergebnisse. Die Entstehung der heutigen komplizierten
anthropologischen Verhältnisse der Schweiz, besonders die auffallende Abweichung ‚der jetzigen
Schweizer vom Germanentypus, erklärt Schwerz durch die Mischung dreier Typen, nämlich des in
len.Alpen, vor allem in Rätien ansässigen Typus mit breitem hohen Kopf, breitem Gesicht und dunklen
Augen und Haaren, weiters eines zweiten noch wenig bekannten Typus von großer Statur, ebenfalls,
wenn auch nicht in so. ausgesprochenem Maße breitköpfig, aber mit langem schmalen Gesicht, hellen
Haaren und grauen oder grünlichen Augen, in Unterwalden und der Nachbarschaft ansässig; zu diesen
zwei „Urvölkern“ gesellten sich nach dem 5. bis 6. Jahrhundert als dritte die langköpfigen Alamannen
von mittlerer Gesichtsbreite mit blonden Haaren und blauen Augen. Daß der dritte Typus, der als
Sieger den beiden anderen unterjochten Stämmen seine Sprache und zum Teil seine Sitten und Ge-
bräuche aufdrängte, heute nur noch in schwacher Prozentzahl vertreten ist, erklärt Verfasser dadurch,
daß er keine neuen Nachzüge erhielt, während die beiden anderen Typen durch stetigen Zufluß breit-
xöpfiger, brauner Rätier gekräftigt wurden. Auf zahlreiche im Buche enthaltene Nebenstudien (Unter-
suchung der Zähne alamannischer Schädel, Asymmetrie der Extremitäten, Linkshändigkeit, Einfluß der
kretinischen Degeneration auf die Bevölkerung usw.) sei nur beiläufig hingewiesen. Eine Literatur-
übersicht beschließt die fleißige Arbeit. Daß sich in diesem Bilde, daß uns der Verfasser vorführt, noch
manche Lücke merkbar macht und daß man sich wünschen würde, dies oder jenes Kapitel klarer aus-
ainandergesetzt zu sehen, kann dem Verfasser nicht zum Vorwurf gemacht werden. Hat er doch selbst
‚edlich manche Lücke ‚ausgefüllt und durch Nachkontrolle fremder Untersuchungen eine größere Ein-
aeitlichkeit und Verläßlichkeit der Ergebnisse zu erreichen gesucht. Es sei vielmehr zum Schluß der
Wunsch ausgesprochen, daß es den: strebsamen Verlegern gelingen möge, in ihren „Studien und For-
schungen“ bald einen weiteren Beitrag zur Anthropologie Mitteleuropas in Form einer ähnlichen Mono-
zraphie bieten zu können. Ä 6 H. Matiegka. Prag.
Friederici, Dr. G.: Ein Beitrag zur Kenntnis der Trutzwaffen der Indonesier, Südsee-
völker und Indianer. (Baeßler-Archiv. Beiheft VII.) Leipzig und Berlin (B. G. Teubner)
1915. 82 S. 4°
Die vorliegende Arbeit stellt, insoweit sie sich auf Indonesien und die Südsee bezieht, eine Fort-
setzung der vom Verfasser in den „Mitt. aus den deutschen Schutzgebieten“, Ergänzungsheft 5 und 7,
angestellten Untersuchungen dar und bildet in ihren Ergebnissen eine Unterstützung der vom Ver-
{asser speziell im Ergänzungsheft 7 aufgestellten Theorie der melanesischen Wanderstraßen. Infolge
der Einbeziehung Amerikas in die Untersuchung stellt die Publikation eine in sich geschlossene Arbeit
von dauerndem Werte dar.
Der Verfasser behandelt nacheinander die verschiedenen Angriffswaffen. Der Abschnitt über
Ka mpfstock, Keule, Schwert, Steinaxt ist der umfangreichste und abgeschlossenste und zeichnet sich
durch die Heränziehung von Belegstellen aus der Literatur aller Zeiten aus. Die Abschnitte über Speer,
über Speerschleuder, Steinschleuder, Bola, Wurfholz, Blasrohr, Bogen und Lasso erörtern nur örtlich
oder sachlich begrenzte Teile der betreffenden Themen, zum Teil da zusammenfassende Arbeiten dar-
über bereits vorliegen, zum ‚Teil da eine erschöpfende allseitige Darstellung, z. B. über Speer und
Bogen, den Rahmen der vorliegenden Arbeit weit überschreiten würden. Soweit die einzelnen Waffen
'n Indonesien und Melanesien vorkommen, gibt. Friederici Reihen der Bezeichnungen in den ver-
schiedenen Sprachen, die, wie bereits angedeutet, eine Scheidung der Bezeichnungen in zwei getrennte
Gruppen erkennen lassen, welche dem Molukken- bzw. dem philippinischen (subphilippinischen)
Wanderzug gut entsprechen; dies ist auch aus den beigegebenen Kärtchen zu sehen,
Wie bei allen Arbeiten Friedericis, ist auch hier die Literatur in gewissenhaftester Weise an-
geführt und dies erleichtert die Nachprüfung und weitere Untersuchung. Nur hätten wir gewünscht,
daß die Zitierung der Quellen nicht in einer allzu kurzen Weise erfolgt, so daß die Auffindung der
zemeinten Quellen mitunter zu große Anforderung an die Literaturkenntnis des Lesers stellt.
Wir sind Friederici für seine Arbeit, die eine Grundlage für alle weiteren Untersuchungen
über die Waffen der Indianer und Südseevölker bietet. dankbar. L. Bouchal.