Einige Neuerwerbungen der nordamerikanischen Sammlung.
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Hough beschreibt, der aber auf der Rückseite zugebunden wurde und
Armausschnitte besafi D. — Vielleicht standen diese elastischen Harnische
dem Holzstäbchenpanzer der Aleuten (s. unten) am nächsten, bei dem der
besonders angesetzte obere Teil auch eine gewisse Schmiegsamkeit der
Wände bewirkte. In der Brustplatte aber und in dem hinter dem Kopf
befestigten langen Brett wiederholen sich wichtige Elemente des Platten-
und Reifenpanzers.
2. Die Brettchen- und Stäbchenpanzer der amerikanischen
Westküste, die den Höhepunkt ihrer Entwicklung in dem eingangs be-
schriebenen Panzer der Tlinkit erreicht haben?). Beide Unterarten dieses
Typus kommen in Nordwestamerika nebeneinander vor, bei den Tlinkit
sowohl als auch bei den Binnenselisch am Fraser- und Thompson-Flusse
(Lillooet, Shushwap, Ntlakyapamuk) und vielleicht auch bei den west-
lichen Tinneh (Carrier)®). Weiter südlich, bei den Tschinuk und
anderen Stämmen am unteren Columbia, bei den Klamath, Shasta und
Hupa im südlichen Oregon und nördlichen Kalifornien, und endlich bei
den Maidu in Mittelkalifornien, hat der Stäbchenpanzer die Allein-
herrschaft. (ranz abseits steht der Stäbchenpanzer der prähistorischen
Bewohner der Aleuten, der 1874 von Kapitän Hennig in einer Be-
grübnishóhle der Insel Kagámil (Gruppe der Vier-Krater-Inseln) gefunden
wurde.
Die Brettchen- und Stübchenpanzer unterscheiden sich von den
Platten- und Reifenpanzern hauptsächlich dadurch, daf die Verwendung
von Holz es móglich gemacht hat, den Panzer aus langen, senkrecht
nebeueinander stehenden Einheiten zusammenzusetzen, so daf die Ring-
bildung in Fortfall kommt; der Panzer wird dadureh natürlich etwas
starrer. Die Einheiten sind, wie der Name schon besagt, flache, lángliche
Bretter oder zylindrische Stäbe, bei einigen Tlinkitpanzern (z. B. dem
1) Krascheninnikow, Beschreibung des Landes Kamtschatka, übersetzt von
Joh. Tob. Köhler (Lemgo 1766) p. 244. Hough I. c. p. 634/5. Zu der Angabe Houghs
vgl. Bogoras in Mem. Jesup Exp. VII p. 162; er vermutet, daB es sich nicht
um Tschuktschen, sondern Eskimo handelt.
2) Die Literatur über die Brettchenpanzer der Tlinkit und ihrer nórdlichen
Nachbarn am Prince-William-Sund ist schon oben angeführt worden; auch die
Haida haben diese Art Panzer nach Dawson, Report on the Queen Charlotte
Islands (Montreal 1880) p. 106 früher besessen. — Außerdem vgl. Dall in den
Smithsonian Contributions to Knowledge (Washington 1818) p.18, Pl. VI; Hough
l.c. p. 698—641 und Pl. XI- XV; Teit, The Thompson Indians of Brit. Columbia,
in Mem. Jesup N. Pacific Exp. I p. 265—966; Id., The Lillooet Indians, in Mem.
Jesup N. Pacific Exp. II p.234 und The Shushwap, ibid. p. 588; Goddard, Life
and Culture of the Hupa, in Univ. of California Publ. I, 1 (Berkeley 1903) p. 62;
Dixon, The Northern Maidu, im Bull. of the Amer. Mus. Nat. Hist. XVII, 3 (New
York 1905) p, 205.
3) Morice (Notes on the Western Dénés, i. Transactions of the Canadian In-
stitute, Session 1892/3, p. 117) erwähnt bei den Carriers zwar nur Rüstungen ,com-
posed, as a rule, of dried rods of Amelanchier alnifolia (or Canadensis), doch
haben bei der Nähe der Tlinkit — die Carriers wohnen um den Stuart-See, nur
durch die Tsimschian von den südlichsten Tlinkit getrennt — auch ihnen. wie den
Binnenselisch, Brettchenpanzer schwerlich ganz gefehlt.