Buchbesprechungen
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Dietmar Sauermann, Friederike Schepper, Norbert Kirchner, Schützen
wesen im kurkölnischen Sauerland. Hrsg.: Sauerländer Schützenbund in Verbin
dung mit Sauerländer Heimatbund, Arnsberger Heimatbund, Hochsauerlandkreis,
Kreis Olpe. Arnsberg: Verlag A. Strobel, 1983. 216 S. m. zahlr. Abb.
Mit dem die 1983 in Arnsberg veranstaltete Ausstellung begleitenden Katalog
wurde zum ersten Male der Versuch unternommen, einen Überblick über das
Schützenwesen des ehemaligen kurkölnischen Westfalen zu geben. Der einleitende
Essay von Dietmar Sauermann arbeitet vor allem den Wandel in der Funktion der
Schützengesellschaften von der Verteidigungsgemeinschaft zur Bruderschaft und
zum geselligen Traditionsverein heraus. Der katalogbedingte enge Raum läßt dabei
leider die Vergleiche mit anderen Schützen-Landschaften oder mit anderen Ver
einsstrukturen und Festbräuchen kaum zu. Offen bleibt u.a. die Frage, wie weit
Bruderschaften, die als geselliges Sommerfest ein Vogelschießen veranstalten eo
ipso als Schützengesellschaften anzusprechen sind. Ebenso verlangt der „Geck
könig“ noch einer eingehenderen Klärung, da dessen Funktion dem Pritschenmei
ster bei vielen norddeutschen Gildefesten weitgehend entspricht. Nicht ganz deut
lich wird in der historischen Übersicht auch zwischen tatsächlichen Schützenkö
nigen und Ehrenschützenkönigen, für die andere die Schüsse abgeben, unter
schieden. Zudem bleibt die Einordnung in die allgemeine Geschichte oft recht spär
lich. So müßte beispielsweise die angeblich „liberale Gesinnung“, die zu Beginn des
19. Jahrhunderts dem Schützenwesen neuen Auftrieb gegeben haben soll, näher
spezifiziert werden, zumal hier unterschiedliche lokale Entwicklungen zu berück
sichtigen wären. Auch die Anmerkungen zur Kleidung bleiben leider an der Ober
fläche. Dazu eine kleine Ergänzung zu S. 12: Die zitierten „Kogeln“ sind die der
europäischen Kostümgeschichte bekannten „Gugeln“, die seit dem Mittelalter al
lerorten auftretende Verbindung von Schulterkragen und Kapuze.
So bietet der Katalog in seiner einleitenden Darstellung und dem anschließenden
beschreibenden Verzeichnis der Exponate lediglich eine erste Zusammenstellung
von Dokumenten zum Schützenwesen dieses Gebietes, die in ihrer umfassenden
Sichtung jedoch Grundlage zu detaillierterer Forschung bieten kann.
Hamburg Gisela Jaacks
Kai Detlev Sievers, Feste in Schleswig-Holstein. Ein lexikalischer Führer durch
den Jahreslauf. Neumünster: Karl Wachholtz Verlag, 1984. 172 S. m. zahlr. Abb.,
teilw. farbig.
Nach den in den letzten Jahren zahlreich erschienenen Brauchtumsführern aus
Süddeutschland meldet sich endlich der angeblich so brauchtumsfeindliche Norden
zu Wort. Als Vorbild für den neuen Band „Feste in Schleswig-Holstein“ diente
Günther Kapfhammers „Brauchtum in den Alpenländern“, und wie dort werden
auch hier die einzelnen Feste lexikalisch nach alphabetischer Reihenfolge vorge
stellt. Diese Anordnung hat ihre Nachteile. So erscheint demgemäß z.B. die Haff-
kruger „Fröhliche Aalwoche“ ebenso unter „F“ wie die „Friedrichstädter Fest
tage“, und — um ein zweites Beispiel zu nennen — ist das „Biikenbrennen“ der
nordfriesischen Inseln von den entsprechenden „Petrifeiern“ durch über 100 Seiten
getrennt, obwohl sie eine Festeinheit bilden. Fraglich wird die Zuordnung auch,