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Besprechungen
Sör-Tröndelag sowie von Troms; Gruppe 3 findet man im ganzen Lande vertreten aber am
häufigsten in Vestfold, Telemarken, Öst-Agder und dem inneren Tröndelag. In älterer
Zeit ist die zweite oder dritte Gruppe durch die erste ersetzt worden, die damals eine größere
Verbreitung hatte. Abgeschabte Rinde ist allmählich als normales Winterfutter verschwunden-
In allen angeführten Mitteilungen oder Aufzeichnungen handelt es sich um Erinnerungen-
Das Verschwinden begann damit, daß Rinde erst Notfutter und schließlich Schaffutter
wurde. Auch eine soziale Retraite konnte festgestellt werden, obwohl R. diesen Gedanken-
gang nicht weiter verfolgt hat. Der Verf. hat außer diesen Erinnerungen zeitgenössische
offizielle Angaben über Weidegang, Heuernte, Ertrag der Äcker und Zahl des Viehs ver
wendet. Auf Grund dieses Materials hat er Werte und Vergleichszahlen erhalten und dadurch
das Wert Verhältnis der Weide zur Heuproduktion (Heu und Stroh wurden in einheitliche
„Heuwerte“ umgerechnet) ermittelt. Schlechte Weiden und kurze Weideperioden verlangten
eine große Heuproduktion für die langen Stallfütterungsperioden. In den Tabellen des
Verfs wird dies in „Weideprozenten“ ausgedrückt. Abgeschabte Rinde wurde als normales
Futter in den Gebieten Norwegens genutzt, wo die Weideprozente über 20 liegen; sie war
Notfutter, wo die Weideprozente zwischen 10 und 20 liegen. In den Flachlandgebieten Nor
wegens, wo der Weideprozentsatz niedriger als xo ist, kennt man nur in geringem Maß e
abgeschabte Rinde als Futter. Der Umfang des jeweils vorhandenen Laubwalds scheint keine
Rolle für die Intensität der Verwendung von abgeschabter Rinde gespielt zu haben.
Resultate dieser Art sind wertvoll und die Methode, sie zu erzielen, scheint erfolgver
sprechend zu sein. Die Eigenart Skandinaviens und die kulturellen Gegensätze zwischen
Westen und Osten in Norwegen sowie die Zusammenhänge mit Schweden werden uns
klar. Sprachliche und teilweise literarische Gründe sprechen dafür, daß man in Norwegen
schon zur Wikingerzeit das Vieh mit abgeschabter Rinde gefüttert hat.
Die Betriebsmethoden und Geräte des Ackerbaus haben das Interesse der Ethnologen er
weckt. Wir dürfen R. dankbar sein, daß er mit seiner Arbeit die Aufmerksamkeit auf ein
zentrales Thema der Viehwirtschaft gelenkt hat. — Aber ein Volkskundler und Ethnolog e
sollte noch ein Stück weiter kommen können. Warum nur die Eigenart Norwegens und
Skandinaviens feststellen und nicht auch eine Hypothese zur Erklärung dieser Eigenart
versuchen? Schon ein kräftigeres Betonen der Tatsache, daß die Viehwirtschaft entschieden
im Zentrum des bäuerlichen Interesses stand, kann als Schlüssel dienen, wenn man eine
Erklärung dazu sucht, warum die Fütterung hier mannigfaltigere Formen angenommen hat
als sonst irgendwo.
Die Traditionsaufzeichnungen, die die Unterlage der Darstellung bilden, beziehen sieb
auf Verhältnisse, die vor einer Generation oder früher aktuell waren. Während der Zeit,
als diese Gewohnheiten lebten, wurden sie wahrscheinlich zwangsmäßig befolgt. In unseref
Zeit dagegen waren die Gewährsleute des Verfs gezwungen nachzudenken und zu übet'
prüfen. Man sagt z. B.: Bei Rindenfutter gaben die Kühe mehr Milch, die Milch war gelbe r
und fetter, die Sahne wurde dicker und gab mehr Butter usw., d. h. Ausschmückung de s
Themas in verschiedener Richtung. Eine sprachlich festgelegte Formel mit großer Verbre 1 '
tung bewertet und gruppiert die verschiedenen Rindenarten nach deren vermeintliche! 1
Güte als Futter. Die Abhandlung beschäftigt sich zu einem großen Teil mit solchen Wertur
teilen. Der Verf. hätte aber berücksichtigen müssen, welche Rindenarten am meisten ver
wendet und welche am meisten geschätzt wurden. Hintergrund dieser Beurteilungen
müßten Frequenzziffern über das Vorkommen der verschiedenen Baumarten bilden.
Ferner werden gegenüber gestellt: die Analysen und Beurteilungen der Agrochemik cf
über das Rindenfutter und die Bewertungen in den Traditionsaufzeichnungen. Es
a priori zu erwarten, daß die Urteile der beiden Parteien auseinandergehen würden, den* 1
beide haben eine begrenzte Gültigkeit und gehen von Voraussetzungen aus, die inkomrnefv
surabel sind. Der Geisteswissenschaftler verfällt leicht in den Fehler, die Methoden
Resultate des Naturwissenschaftlers zu überschätzen, was bedauerlich ist, wenn er es gleich
zeitig unterläßt, seine eigenen Methoden zu benutzen und zu schärfen. R. nimmt selbst nicb 1
Stellung und spricht keine Urteile aus. Die langen Referate, die an sich vom traditic> nS
psychologischen Gesichtspunkt her interessant sind, verraten eine methodische Unsicherheit