Volltext: Zeitschrift für Ethnologie der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde und der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, 115.1990

  
    
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
     
Buchbesprechungen 313 
räte und Werkzeug; Kult, Kunst und Schmuck; Spielzeug; Transportmittel und Transportbe- 
hälter“ anhand von Abbildungen mit jeweils kurzen Erläuterungen verschiedene Recycling- 
Produkte vorgestellt, was dem Leser ermöglicht, sich nach den Erläuterungen im ersten Ab- 
schnitt der Untersuchung ein direktes Bild von den Erzeugnissen dieses Wirtschaftsbereiches zu 
machen. Allein diese und die sonstigen Abbildungen in der reich bebilderten und dadurch sehr 
anschaulichen Arbeit machen eine Lektüre für jeden (auch den nicht wissenschaftlich) interes- 
sierten Leser lohnenswert, denn sie vermitteln einen guten Eindruck von der Kreativität und 
den handwerklichen Fähigkeiten der Menschen in der Dritten Welt. 
An diesen Bilderteil schließen sich in dem dritten und letzten Abschnitt der Untersuchung 
fünf Länder-Fallstudien verschiedener Autoren an. Die analysierten Staaten sind: Sudan (Frank 
Bliss), Ägypten (Günter Meyer), Pakistan (Jürgen Grothues), Jemen (Udo Zeitz) und die Repu- 
blik Niger (Jürgen M. Werobel-La Rochelle). Es werden regionale und lokale Beispiele inner- 
halb der genannten Staaten dargestellt und erläutert, wodurch die im ersten Teil des Bandes nie- 
dergeschriebenen allgemeinen Bemerkungen zum Recycling veranschaulicht und verdeutlicht 
werden sollen. Dies gelingt auch, so daß man diese Arbeit durchaus als lesenswert bezeichnen 
kann, analysiert sie doch bislang in der entwicklungspolitischen Diskussion wenig beachtete 
Wirtschaftsbranchen. 
In den Ländern der Dritten Welt stellt das Recycling-Handwerk einen wichtigen Faktor in- 
nerhalb der jeweiligen Volkswirtschaft dar, welcher angesichts der wohl auch in Zukunft 
schwierigen Lebensbedingungen in den Entwicklungslàndern an Bedeutung noch zunehmen 
wird. Deswegen sollte er in den nächsten Jahren stärker als bisher in der wissenschaftlichen wie 
auch in der entwicklungspolitischen Diskussion Beachtung finden. Der Band „Einfälle statt Ab- 
fälle“ leistet einen gelungenen Beitrag dazu. 
Roman Poeschke 
White, L. A.: Ethnological essays. Edited and with an introduction by Beth Dillingham und 
Robert L. Carneiro. 389 Seiten, Albuquerque: The University of New Mexico Press 1987. 
Über manche Paradigmata wird nicht mehr gesprochen, Moden wechseln. So sind auch die 
Arbeiten von Leslie A. White (1900-1975) in Vergessenheit geraten, und der nun vorliegende 
Essay-Band sollte zumindest daran erinnern, daß sich eine Lektüre lohnt. Das Buch enthält 
Aufsätze und Diskussionsbeiträge von 1939 bis in die Mitte der 60er Jahre, sowie kurze Arbei- 
ten zum Evolutionismus aus den 40er Jahren oder die Diskussionen über den Begriff Kultur. 
Nach Whites Plàánen haben die beiden Nachlafiverwalter, die 1988 verstorbene Beth Dillingham 
und Robert Carneiro, den Band zusammengestellt, um so das verstreut publizierte Werk Whites 
zugänglich zu machen. 
Hier ist nicht der Platz, um White generell zu würdigen (s. dazu meinen Beitrag , Leslie A. 
White (1900-1975) in: Klassiker der Anthropologie, W. Marschall (Hg.) Miinchen: Beck’sche 
Verlagsanstalt 1990.) Evolutionisten sind zur Zeit eher out, werden nun vor allem in der Ethno- 
archäologie und prähistorischen Archäologie als Theoretiker wahrgenommen. Daß aber 
Aspekte der gegenwärtigen Diskussionen in den 40er und 50er Jahren auch von White verfolgt 
bzw. vorbereitet wurden, kann bei aufmerksamer Lektüre der hier vorgelegten Aufsätze nicht 
entgehen. Für die Geschichte der Völkerkunde ist der Band eine wichtige Zusammenfassung, 
ebenso für jeden, der jenseits von Kontroversen die Schwierigkeiten des Faches entdecken 
möchte.
        

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