Volltext: Zeitschrift für Ethnologie der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde und der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, 115.1990

  
    
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
     
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Buchbesprechungen 
Fundstellen hervorzuheben, um so einen Eindruck über die regionale Ausdehnung der Studie 
zu vermitteln. 
Es ist weiterhin anzumerken, daß mehrere Autoren im Text zitiert wurden, jedoch nicht im 
Literaturverzeichnis aufgeführt sind (z. B. Mcnider, Morss, Wilcox u. Sternberg, v. Winning). 
Zusammenfassend möchte ich feststellen, daß die vorliegende Publikation einen umfassen- 
den Überblick über einen bis jetzt sehr wenig bekannten Fundkomplex der Hohokam-Kultur 
gibt. Sicherlich einen wichtigen Aspekt der materiellen Kultur, wenn man sich zum Vergleich 
die formativen Figurinen Mesoamerikas in das Gedächtnis ruft. Trotz sorgfältiger Analyse einer 
beeindruckenden Anzahl von Fundstücken ergibt sich nur ein ziemlich vages Bild der Funktion 
des Tonfigurenkomplexes im Rahmen der Hohokam-Kultur. Man darf jedoch nicht übersehen, 
daß die Aussagefähigkeit des Materials begrenzt ist und damit auch der Rahmen der Interpreta- 
tion sehr eng gesteckt ist. 
Daniela Triadan 
Schweizer, Th. (Hg.): Netzwerkanalyse. Ethnologische Perspektiven. VIII und 229 Seiten, 
15 Tab., 20 Graphiken, 2 Karten. Berlin: Dietrich Reimer Verlag 1988 
Die Netzwerkanalyse hat sich in den 50er und 60er Jahren als Antwort auf den Struktur- 
funktionalismus, das herrschende Paradigma der britischen Sozialanthropologie, am Rhodes- 
Livingstone-Institute im heutigen Sambia und in der personell damit überlappenden Manche- 
ster-Schule entwickelt. Der Strukturfunktionalismus ist an Gruppen und Kategorien gebunden, 
wie z. B. die Ethnie als selten hinterfragte Untersuchungseinheit und deren Untereinheiten wie 
den sich aus unilinearen Abstammungsregeln ergebenden Deszendenzgruppen (Klane, Line- 
ages...). Im Falle städtischer afrikanischer Gesellschaften im sambischen Kupfergürtel, die eth- 
nisch gemischt und nur zum Teil durch das Verwandtschafts-Idiom strukturiert sind, erwies 
sich der strukturfunktionalistische Ansatz als unvollständig. Individuen und ihre tatsächlichen 
Beziehungen zueinander traten in den Mittelpunkt des Interesses und die Kategorien und Grup- 
pen, denen sie zugeschrieben wurden, entsprechend in den Hintergrund. 
Dies bedeutet jedoch nicht, daß „Verwandtschaft“, „Abstammung“, „Gruppen“ etc. als Be- 
schreibungsdimensionen für einen Typ von Gesellschaften — die isolierte Stammesgesellschaft, 
sofern sie je bestanden hat — besonders geeignet sind, wahrend Netzwerke für einen anderen 
Typ, urbane, komplexere Gesellschaften etwa, sich in besonderer Weise anbieten. Vielmehr ist 
es so, wie Schweizer in dem einleitenden Aufsatz zu dem vorliegenden Sammelband andeutet, 
dafi gute Ethnographie- auch die ,traditioneller* Gesellschaften - schon immer netzwerkanalyti- 
sche Aspekte aufgewiesen hat. Er verweist z. B. auf den von Malinowski beschriebenen kzla- 
Ring (S. 1). Es gab also ,Netzwerkanalysen' vor der Erfindung des Terminus. 
Auf der anderen Seite finden sich im vorliegenden Band, ,Netzwerkanalyse' betitelt, auch 
Beitráge, die von dem Begriff nur wenig Gebrauch machen. Der Aufsatz von Katharina Hack- 
stein: ,Heiratsbeziehungen und ethnische Schichtung in Dscharasch: Kognitionen und Verhal- 
ten' argumentiert über lange Strecken mit vorgegebenen ethnischen Kategorien und deren Hei- 
ratsbeziehungen untereinander, die quantitativ ausgewertet werden. Von der Endogamierate, 
positiven und negativen Frauenbilanzen und dergleichen werden interessante Verbindungsli- 
nien zu politischen Strategien und interethnischen Dominanzverhiltnissen gezogen. Beziige 
zur Netzwerkanalyse sind zweifellos durch den interethnischen Charakter der Studie (ein 
Netzwerk von Ethnien?) und das Insistieren auf beobachtete Beziehungen im Unterschied zur
        

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