Volltext: Zeitschrift für Ethnologie der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde und der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, 115.1990

  
  
  
    
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
    
  
Buchbesprechungen 281 
Auf den reinen Text (85 Seiten) folgt ein umfangreicher Anhang mit Genealogien der Heili- 
genfamilien, Aufstellungen über die Organisations- und Verwaltungsstruktur der Schreine und 
Programme und Plakate der ‘urs-Feste. Ferner sind Schriftamulette wiedergegeben, wie sie von 
den Nachkommen der Heiligen heute ausgefertigt werden, Texte von Votivzetteln sowie Ab- 
drucke von Gerichtsurteilen und Zeitungsausschnitte aus der pakistanischen Tagespresse (die 
sich nicht alle auf die untersuchten Heiligtümer beziehen), danach folgen Planskizzen der Wall- 
fahrtsorte, ein Glossar, Literaturverzeichnis und ein leider nicht numerierter Teil mit 133 Pho- 
tos und mehrere Abbildungen von modernen Farbdrucken und Devotionalien. Neuere Litera- 
tur nach 1978 hat der Autor nicht mehr berücksichtigt. 
Unbefriedigend ist das Fehlen einer wissenschaftlichen Transkription einheimischer Be- 
griffe und Bezeichnungen und eine Reihe von Ungenauigkeiten in der vom Autor gewählten 
vereinfachten Umschrift. Eine Vertrautheit mit Urdu hätte dies wohl vermieden. So muß es im 
Buchtitel richtig lauten Pıirz Muridi oder einfach Pır-Murid anstatt „Pir-e-Muridi“. Durchge- 
hend schreibt Einzmann „Bari Imam“, obwohl dieser Ehrentitel richtig mit tashdıd als Barrı ge- 
schrieben und auch gesprochen wird; auf diese gebräuchliche Aussprache weist der Autor sogar 
selbst hin (S. 53). Ferner finden sich unterschiedliche Schreibweisen, wie z. B. „Sayid“ und 
„Syed“ oder „Potwar“ und „Potohar“. Augenfällig sind auch falsche Schreibungen, wie bei- 
spielsweise ,,Paish Imam" (S. 74, anstatt Pesb Imam), ,, Murshad" (S. 157, anstatt Murshid) und 
,Matwalin* (S. 6, 156) für Arab. mutawalli — ,Nachkomme*, , Verwandter*, , Betreuer einer 
Moschee oder eines Schreins* (matwali bedeutet in Urdu übrigens ;betrunken*!). ,Dhoand* 
als Name einer Bevôlkerungsgruppe in Nurpur versieht der Autor mit einem Fragezeichen 
(S. 6); in der Literatur ist die Schreibweise „Dhund“ seit längerem gebräuchlich und bezeichnet 
eine größere, vor allem im Murree- und ôstlichen Hazara-Gebiet verbreitete Pahari spréchende 
Gruppe. 
Jürgen W. Frembgen 
Good Eshelman, C.: Haciendo la lucha. Arte y comercio nahuas de Guerrero. 250 Seiten, 
27 Abb., 22 Farbtafeln, 5 Karten. México: Fondo de Cultura Económica 1988. 
Weithin bekannt sind bunte Bilder auf dunkelbraunem Bastpapier, die zu den beliebtesten 
touristischen Mitbringseln aus Mexiko zählen. Dargestellt sind meist von Blumen umrankte 
Vögel oder ethnographische bzw. historische Szenen. Kaum bekannt ist hingegen der rezente 
Ursprung dieser Objekte. Sie entstanden erstmals vor drei Jahrzehnten, als Nahua-Indianer aus 
einer Töpfergemeinde in Guerrero damit experimentierten, ihre bislang nur auf Keramik ange- 
brachten Motive auf den neuen Werkstoff anzuwenden. Dieser stammt keineswegs aus ihrem 
Wohngebiet, sondern von Otomi-Indianern aus der mehrere hundert Kilometer entfernten 
Sierra Madre Oriental. Zu diesen waren erste Kontakte auf Märkten in Touristengebieten ge- 
knüpft worden, wo sie ihre jeweiligen Produkte des Kunsthandwerks anboten. Die Fertigung 
von Bildern auf Bastpapier wurde bewußt im Hinblick auf einen Verkauf an Touristen begon- 
nen und erwies sich schon innerhalb kurzer Zeit als so erfolgreiche neue Einkommensquelle, 
dafi eine gróffere Zahl von Indianergemeinden aus Guerrero dem Beispiel folgte. 
Das vorliegende Buch ist eine sehr sorgfältige Untersuchung eines der beteiligten Dörfer. Im 
Zentrum steht das Kunsthandwerk und seine Vermarktung, dabei werden aber die Auswirkun- 
gen der neuen wirtschaftlichen Prosperität auf alle Lebensbereiche aufgezeigt. So führte etwa 
das nunmehr zusätzlich erlangte Einkommen zu einer Verbesserung von Kleidung, Ernährung 
und Behausung, in der Folge aber auch zu größeren und aufwendigeren religiösen Festen. Sit-
        

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