Volltext: Zeitschrift für Ethnologie der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde und der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, 115.1990

  
   
     
   
  
  
   
   
  
   
  
   
  
  
   
  
Jakob Mehringer/Jürgen Dieckert: Körper- und Wesensauffassung der Canela 255 
Sowohl Nimuendajü als auch Crocker entging die Erkenntnis von der Möglichkeit 
eines Verlustes des unsichtbaren „Schattens“ und der Raub durch die Mecaro als häu- 
figste Krankheits- und Todesursache (Nimuendajü 1946, 234; Crocker 1963). Keiner 
der beiden Forscher hat sich auf die begriffliche Differenzierung der menschlichen 
Wesensbestimmung bei den Canela-Indianern tiefer eingelassen. Ihre Ausführungen 
verzerren deshalb das Bild vom Wesen des Menschen bei dieser Ethnie. Für sie er- 
scheint der Mensch bei den Canela in Analogie zur abendländischen Kultur vom Dua- 
lismus Leib/Seele bestimmt. 
5 Die Einheit des Menschen: Wider eine dualistische Leib-Seele-Auffassung 
Die Ethnologie hat sich immer schon mit dem menschlichen Wesensverständnis frem- 
der Völker befaßt. Bis in die 70er Jahre wurde aber den Untersuchten von vornherein 
eine in Parallele zu unserer Kultur stehende dualistische Leib-Seele/Körper-Geist- 
Auffassung unterstellt. Auch die Ausführungen Crockers (1958-1990) über die Cane- 
la-Indianer erweisen sich geprägt von diesem Vorurteil. Demgemäß wird der Leib/ 
Körper lediglich als Gefäß für die Seele und damit von zweitrangiger Bedeutung dar- 
Abb. 11. Das Anspitzen der Zähne gehört noch zur Tradition.
	        
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