Volltext: Zeitschrift für Ethnologie der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde und der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, 115.1990

   
    
  
Zeitschrift für Ethnologie 115 (1990) 
  
Hält der Heranwachsende diese entbehrungsreiche Zeit durch, erlangt er schließ- 
lich den Status eines „wohlriechenden“, „starken“, „gesunden“, „fröhlichen“ 
… Klotzläufers, Sängers, Jägers oder Medizinmannes.® Das heißt, er erreicht die un- 
zertrennliche Einheit, /j2. Ihkreka und Caxwyn sind durch die Askese so stark gewor- 
den, daß sie zu dem einheitlichen Menschen verschmelzen können. Dieses Vermögen 
verliert sich allerdings, wenn sich das Individuum fortan nicht beständig als Klotzläu- 
fer, Sänger, Jäger oder Medizinmann in der Gemeinschaft bewährt. 
Wihrend der Mepiacri-Phase erfolgt die Berufung zu einer dieser Spezialisierun- 
gen durch einen bereits verstorbenen Verwandten, in der Regel den Mutterbruder 
oder den Vater der Mutter. Die meisten Heranwachsenden erreichen den Zustand des 
„Läufers“ und „Sängers“. Nur wenige gehen aus der Askese als „Jäger“, noch weniger 
als „Medizinmann“ hervor. Letzteren wird ein Höchstmaß an Enthaltsamkeit abver- 
langt. Letztlich garantiert erst die Bereitschaft, als ausgewiesener Klotzläufer fortwäh- 
Abb. 6. Gelegentliche Klotzläufe der Frauen mit Gewichten bis zu 80 kg. 
rend am Klotzlauf? und als Sánger an den Gesangsveranstaltungen teilzunehmen, das 
einbeitliche Wesen der Betroffenen. Das Eins-Sein móglichst vieler Gesellschaftsmit- 
glieder ist nach Auffassung der Canela Grundlage für den Bestand der gesamten Ge- 
sellschaft. Demzufolge werden auch heute noch das ganze Jahr hindurch regelmäßig 
Klotzläufe und gemeinschaftliche Gesangsveranstaltungen abgehalten. 
* [n der Canela-Gesellschaft erfahren nur jene Personen Anerkennung und Wertschitzung, die durch kon- 
sequenten Mepiacri einen dieser ,Zustánde* errreichen konnten. Frauen kônnen Klotzläuferinnen und Sän- 
gerinnen, mitunter auch Medizinfrau werden. 
? Für eine genaue Beschreibung dieses ganzjáhrig oft mehrmals wóchentlich durchgeführten Wettlaufri- 
tuals zweier Dorfgruppen mit Palm- und Holzklótzen, die ein Gewicht bis zu 150 kg aufweisen, siehe: 
Dieckert und Mehringer 1991. 
 
	        
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