Volltext: Zeitschrift für Ethnologie der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde und der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, 115.1990

  
  
  
    
Interkulturelle Begegnung 
Voraussetzungen und Wege für Ethnologen 
Erika Dettmar 
Brüder Grimmstr. 28, D—6000 Frankfurt/M. 60, Deutschland 
Abstract. The paper examines theoretical foundations and possible areas of application of Intercultural 
Communication Research. The first section deals with the epistemological foundations of the study of the 
intercultural encounter. The author argues in favour of the combination of analytical and phenomenological 
approaches and an open, dialectic concept of culture. The next section gives examples of possible areas of 
application. The last section demonstrates how contributions of various disciplines, like cultural anthropo- 
logy, sociology, social psychology, history and linguistics could be used and integrated into a complex theo- 
retical framework for the study of intercultural confrontation and communication. 
Einleitung 
Traditionell untersucht die Ethnologie Kulturen, die als ,fremd* von der eigenen Kul- 
tur definiert werden. Seien es exotische Menschengruppen am anderen Ende der Welt 
oder auch nur als „anders“ empfundene Subkulturen vor der eigenen Haustür, immer 
sucht der Ethnologe seine Untersuchungsobjekte bei denen, zu denen er sich nicht zu- 
gehörig fühlt. 
Die dieser Haltung zugrundeliegende Einnahme eines Standpunktes jenseits der 
untersuchten Gesellschaft, die die Ethnologie auszeichnet (vgl. Fischer 1983: 39), ist 
verschiedentlich problematisiert worden. Wissenschaftler aus der 3. Welt, die in eth- 
nologischen Schriften zuweilen aufschlußreiche Quellen für das Studium der eigenen 
Völker finden, möchten in der Regel nicht als Ethnologen, sondern als Historiker oder 
Soziologen bezeichnet werden, da sie ja ihre eigene Gesellschaft untersuchen.! Der 
Gedanke europiischer Ethnologen, Wissenschaftler aus der 3. Welt sollten den „Spieß 
umdrehen“ und nun ihrerseits europäische Kulturen beschreiben (Dupront 1983: 
203), hat bisher bei diesen wenig Anklang gefunden. 
Als Folge des Entwicklungsprozesses der Ethnologie selbst ist zunehmend die ob- 
Jektivierende Sicht des „Fremden“ kritisiert und die Forderung gestellt worden, den 
Ethnologen und seine Perspektivität in die Untersuchung mit einzubeziehen. Aus der 
Registrierung von Kommunikationsproblemen bei der Feldforschung entwickelten 
sich Ansätze, die den Forscher als Teil der Gesamtsituation der Feldforschung sehen 
und auf verschiedene Art und Weise den Dialog und das Wechselspiel zwischen bei- 
  
* Siehe Kritik am Begriff der Ethnologie z. B. bei Duala-M’Bedy 1977: 179ff. 
Zeitschrift für Ethnologie 115 (1990) 139-157 © 1992 Dietrich Reimer Verlag 
  
	        
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