Volltext: Zeitschrift für Ethnologie der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde und der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, 115.1990

    
    
Zeitschrift für Ethnologie 115 (1990) 
schichte, Kunstgeschichte sowie Indogermanistik. Ob er im Rahmen der Geschichts- 
vorlesungen auch mit Vorgeschichte in Berührung kam, ist nicht festzustellen. 
Um 1932 trat Hans Rhotert als Mitarbeiter von Leo Frobenius in das Forschungs- 
institut für Kulturmorphologie, das jetzige Frobenius-Institut, ein. Der genaue Zeit- 
punkt läßt sich leider nicht mehr ermitteln, weil alle Personalunterlagen des Frobeni- 
us-Instituts im 2. Weltkrieg verlorengegangen sind. Jedenfalls nahm Rhotert an der 
XI. D.LA.F.E.* teil, die Frobenius mit einer Gruppe von Mitarbeitern von Oktober 
bis Dezember 1933 in die Libysche Wüste zur Aufnahme von Felsmalereien im Uwe- 
nat-Gevirge, im Gilf Kebir (Yerhanda-Massiv) und im Wadi Hawar? durchführte. 
Gleichzeitig erfolgte eine Untersuchung der allgemeinen vorgeschichtlichen Verhält- 
nisse. Es war dies Rhoterts erste Bekanntschaft mit der Wüste, deren Faszination ihn 
nicht wieder losließ. 
1934/35 leitete Rhotert die XII. D.I.A.F.E. in ihrer ersten Phase alleinverantwort- 
lich und im zweiten Teil weitgehend alleine. Der erste Teil der Reise führte nach 
Transjordanien. Dort wurde von Oktober bis Dezember 1934 die vorgeschichtliche 
Siedlung von Kilwa im Süden des heutigen Jordanien untersucht. Ursprünglich waren 
dort gefundene Felsgravierungen der Anlaß der Reise, aber zahlreiche Oberflächen- 
funde erlaubten die Zuordnung der Felsbilder zu verschiedenen Kulturen vom Altpa- 
läolithikum über Jungpaläolithikum und Bronzezeit. Die Felsbilder rechnete Rhotert 
dem Mesolithikum (Natufien I), der Bronzezeit und der Nachbronzezeit zu. Frobe- 
nius stief erst nach Abschluf der Forschung in den letzten Tagen des Dezember 1934 
zur Expedition, deren Ergebnisse Hans Rhotert nach wenigen Jahren veróffentlichte.^ 
Die Reise führte dann von Januar bis Juni 1935 weiter zu den ägyptischen Oasen west- 
lich des Nil. Danach wurde die Libysche Wüste von Kharga bis Kufra durchquert und 
erneut im Gilf gearbeitet. Frobenius nahm an diesem Teil der Reise zeitweilig teil, fiel 
aber weitgehend durch Krankheit aus. Rhotert führte die Expedition über Tripolis so- 
wie ım Juni und Juli 1935 durch Tunesien, Algerien und Marokko zurück nach 
Deutschland. Die Ergebnisse der XI. sowie auch des zweiten Teils der XII. D.I.A.F.E. 
konnte Hans Rhotert erst viele Jahre später veröffentlichen.’ 
Im Kreise seiner Stuttgarter Mitarbeiter erzählte Rhotert gerne von dieser Frank- 
furter Zeit in den dreißiger Jahren. Damals hatten sich Frobenius und andere bedeu- 
tende Frankfurter Gelehrte zu einem anregenden Kreis zusammengefunden, von des- 
sen Zusammenkiinften Frobenius’ junge Mitarbeiter ebenfalls profitierten, die sich 
* Deutsche Innerafrikanische Forschungsexpedition. 
> Dies war der südlichste Punkt, den die Expedition im Sudan erreichte. 
© Transjordanien. Vorgeschichtliche Forschungen. Herausgegeben von Hans Rhotert mit Beiträgen von 
Franz M. Th. Böhl und K. Willmann. Stuttgart 1938. Obwohl Rhotert sich hier bescheiden nur als Heraus- 
geber bezeichnet, entstammen Text und Auswertung im wesentlichen seiner Feder, wie auch das wissen- 
schaftliche Ergebnis der Reise wohl vorwiegend sein Verdienst ist. 
7 Hans Rhotert: Libysche Felsbilder. Ergebnisse der XI. und XII. DIAFE 1933/1934/1935. Darmstadt 
1952. Vgl. hierzu auch Hans Rhotert: Betrachtungen zur Frage der Felsbildforschungen. In: Paideuma 1, 
Heft 4, Juli 1939, S. 159-167. Zur Geschichte der Expeditionen ferner Otto Zerries: Geschichte des Frobe- 
nius-Institutes. In: Paideuma 4, 1950, S. 363—376.
        

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