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Volltext: Globus, 65.1894

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Die Gardesche Expedition in Südwestgrönland 1893. 
Ende Oktober, bringt aber viel weniger Ertrag als die 
erste, zumal jetzt eine Schutzzone um die Brutplätze ge 
zogen ist, wo nicht gejagt werden darf. Der Konsulats 
bericht ist der Ansicht, dafs diese zweite Jagdsaison 
bald ganz aufhören wird. 
Was die Anzahl der Fahrzeuge betrifft, die sich an 
der Robbenjagd beteiligen, so ist die britische (Viktoria-) 
Flotte schneller angewachsen, als die der Vereinigten 
Staaten. Im Jahx-e 1891 lief erst ein einziger Schoner 
in die asiatischen Gewässer aus; 1892 waren es 12, und 
1893 war die Flotte auf 30 Fahrzeuge gestiegen. Die 
gröfsere Konzentration der Robben an dieser Seite des 
Oceans, der teilweise Verschlufs des Beringsmeeres und 
die leichtere und billigere Verfrachtung der Beute von 
Japan nach London tragen wesentlich dazu bei, den 
Robbenfang in den japanischen Gewässern immer mehr 
in Aufnahme zu bi’ingen. 
Das plötzliche Auftauchen dieser von jenseit des 
Weltmeeres kommenden Fangfahrzeuge mit ihrer aben 
teuerlichen Bemannung hat auf die Japaner eineix nicht 
geringen Eindruck gemacht. Bisher haben sie sich um 
die Robben wenig gekümmert, sondern fast nur die kost 
bare Seeotter gejagt, worüber schon 300 Jahre alte Be 
richte vorliegen. Die Pelze waren ein Monopol der 
Feudalherren von Matsumae und es stand Todesstrafe 
oder Verbannung auf dem Verkaufe der Pelze durch 
andere Menschen. Man brachte die erlangten Pelze von 
Matsumae nach Nagasaki, wo in den Faktoreien der 
adligen Herrn sie an Chinesen vei'kauft wurden. Nach 
dem Zusammenbruch des Feudalsystems im Jahre 1868 
gingen die Privilegien der Matsumae an die Krone über, 
welche die Seeotterjagd als Monopol betrieb und noch im 
Jahre 1877 daraus 80000 Mark Gewinn zog; seitdem 
ist der Ertrag aber stark zurückgegangeix. Die Robben 
aber wurden wenig beachtet und einige Brutplätze der 
selben auf den Kurilen sind von Fremden in der letzten 
Zeit ganz zerstört worden. Mit dem Beispiele der Ame 
rikaner vor Augen, beginnen aber die Japaner sich jetzt 
auch zu rühren und die Saison 1894 wird bereits ihre 
Schoner an der Seite der amerikanischen und bi'itischen 
Konkurrenten sehen. 
London. Dr. Reps old. 
Die Gardesche Expedition in Südwest 
grönland 1893. 
Die Aufgabe der im Sommer 1893 nach Südwest- 
grönland abgesandten dänischen Expedition unter Premier 
leutnant V. Garde, Sekondeleutnant Graf C. Moltke und 
dem grönländischen Dolmetscher Johan Petei’sen, be 
stand darin, das Scherengebiet zwischen der Koloixie 
Julianehaab und dem Arsuk-Fjorde zu vermessen und 
eine Eiswanderung auf dem Binneneise vorzunehmen. 
Am 2. April vei-liefs Garde auf dem Dampfer „Hvid- 
björnen“ Kopenhagen, erreichte am 24. April die Kolo 
nie Frederikshaab und begann in einem mitgebrachten 
Holzboote einige Tage darauf seine Forschungen. Zu 
nächst untersuchte er eine Reihe von Nothäfen zwischen 
Fi’ederikshaab und Fi’ederikshaabs Isblink; dort herrschte 
noch strenger Winter, und die Forscher mufsten mehrere 
Tage während eines Scliixeestui'mes auf einer kleinen Insel 
zubringen. Am 12. Mai ging Garde von Fredei’ikshaab 
südwärts und erreichte trotz des schweren Seeganges um 
die steilen Vorgebii’ge auf eisfreiem Meere ohne Unfall 
Arsuk. Von dort geht der gewöhnliche Bootweg inner 
halb der Scheren, dann über eine Bootschleppstelle über 
eine schmale Landenge in den östlichen Teil des Torsu- 
katuk - Sundes, der die Insel Nunarsuit vom Festlande 
trennt, und dann wieder durch Scherengruppen nach 
Julianehaab. Der andere Weg, um die Insel Nunarsuit 
herum, gilt wegen des schweren Seeganges oder bei Eis 
bedeckung wegen der Eispressungen für gefährlich; da 
her war die Südseite der Insel, das „Land of deso- 
lation“, wie es vom ersten Entdecker, John Davis, 1585 
getauft wurde, fast eine terra incognita. Diesen äufseren 
Weg sollte Garde untei’suchen. 
Die Reise nach dem Kap Desolation, die Garde am 
24. Mai von Arsuk anti’at, war nicht ungefährlich; bei 
einem Südsturme sammelte sich viel Polareis, und die 
Reisenden mufsten 6 l / 2 Tag auf einer kleinen Insel bei 
jenem Kap, Taluvartalik, zubidngen. Erst am 2. Juni 
gelang es nach mehreren Kämpfen mit Eis und Nebel, 
das gefürchtete Vorgebirge zu umfahren. Ein frischöT 
Nordwestwind trieb das Eis etwas vom Lande ab, so 
dafs das Boot in der schmalen Rinne neben der Küste 
wie in einem Binnensee fuhr. Die Südseite von Nunar 
suit hat mehrere tiefe Einschnitte zwischen steil ab 
fallenden Bergen und an geschützten Stellen gut be 
wachsenes Land, auf dem sich Zwergbirken, Weiden und 
Blümchen recht häufig fanden. Garde begab sich von 
hier nach der Ansiedlung Kagsimiut, etwa 30 km östlich 
von Nunarsuit, wohin der Hauptteil der Ausrüstung zu 
einer Schlittenreise auf dem Binneneise inzwischen auf 
dem gewöhnlichen Wege vom Arsuk-Fjorde geschafft 
worden war. 
Die Reise auf dem Binneneise hat natürlich viel 
ähnliches mit den früheren Fahrten Nordenskiölds, Jen- 
sens, Nansens, Pearys und braucht hier daher nicht aus 
führlich beschrieben zu werden. Bemerkenswert ist, dafs 
der Ausgangspunkt der Reise viel weiter südlich liegt 
als die der früheren Eiswanderungen, und dafs die Haupt 
richtung zunächst fast nördlich war, da der Ausgangs 
punkt im inneren Winkel der Bucht von Julianehaab 
liegt; ferner wurde die Reise in viel früherer Jahreszeit 
vorgenommen als die von Nordenskiöld, Jensen und 
Nansen, vom 16. bis 28. Juni. Der Juni ist in dieser 
Breite entschieden ein günstiger Monat, da der regel- 
mäfsig eintretende Nachtfrost nach dem am Tage statt 
findenden Auftauen der Schneeobei’fläche bald nach 
Mitternacht eine treffliche Schlittenbahn schafft. Dieser 
Umstand veranlafste die Einteilung des Tages, dafs man 
nachmittags um 2 x / 2 Uhr in die Schlafsäcke kroch, um 
10 Uhr abends aufstand, von Mitternacht bis etwa 
8 Uhr morgens, wo die Wirkung der Sonne auf den 
Schnee unangenehm fühlbar wurde, mit geringen Unter 
brechungen marschierte und dann das Zelt aufschlug 
und sich möglichst behaglich einrichtete. — Schwierig 
war der Aufstieg auf den hier etwa 1000 Fufs hoch 
liegenden Endpunkt des Binneneises; Eingeboi’ene, die 
mit dem Angmasatfang (Angmasat ist ein kleiner Hering) 
beschäftigt waren, leisteten Hilfe bei dem Transport der 
Schlitten auf die Höhe. Zwei lokalkundige Eingeborene 
rieten vei’geblich von dem Unternehmen ab; sie er 
zählten, dafs vor langen Jahren ein grofser Dampfer dort 
gewesen sei und die Offiziere und Mannschaften das 
Binneneis zu betreten versucht hätten; als sie die grofsen 
Eisspalten gesehen hätten, seien sie schleunigst umge 
kehrt. Es bezog sich diese Mitteilung auf eine Tele 
graphenexpedition des amei'ikanisclien Obersten Schaffixer, 
der um 1860 die Möglichkeit untersuchte, ein Kabel 
über die Färöer, Island und Grönland nach Nordamerika 
zu legen, statt des verunglückten transatlantischen Ka 
bels. — Die Eingeborenen begleiteten die drei Wanderer 
(Garde, Moltke, Petersen) nur ein kurzes Stück auf dem 
anfangs recht zerklüfteten Eise; sie konnten ihre aber 
gläubische Furcht vor dem Binneneise nicht überwinden. 
Das Eis wui’de bald vorzüglich; man legte in jeder Nacht 
drei Meilen (ä 7 x / 2 km) zurück. Das Gelände stieg ziem
	        
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