Traditionelle und moderne Formen
sozialer Sicherung in Tanzania
Eine Untersuchung ihrer Entwicklungsbedingungen
Von
Dr. Albrecht Bossert
Sozialwissenschaftliche Schriften, Heft 12
210 S. 1985. DM 75 —
Die vorliegende Untersuchung wurde durch die Beobachtung angeregt,
daß die modernen Systeme sozialer Sicherung, die in der Gegenwart in
zahlreichen Entwicklungsländern in Entstehung begriffen sind, aus
organisatorischen und finanziellen Gründen in der Regel nur eine kleine
Bevölkerungsminderheit erfassen, nämlich die regulär abhängig Be
schäftigten im städtisch-industriellen Bereich, während die große Be
völkerungsmehrheit der im landwirtschaftlichen Sektor Tätigen, der
Gelegenheitsarbeitskräfte und der kleinen Selbständigen im nicht
landwirtschaftlichen Bereich aus diesen Systemen weitgehend ausge
schlossen bleibt. Zugleich wird die Frage, inwieweit die Angehörigen
dieser Bevölkerungsmehrheit derzeit noch in wirksame traditionelle
Formen sozialer Sicherung, etwa auf der Ebene von Verwandtschaft,
Nachbarschaft oder Dorfgemeinschaft, einbezogen sind, in der Literatur
äußerst kontrovers beantwortet — kontrovers nicht zuletzt deshalb,
weil gründliche empirische Studien in diesem Bereich bislang kaum
vorliegen. Ohne solche Studien jedoch lassen sich Schlußfolgerungen
bezüglich der Notwendigkeit und der zweckmäßigen Gestaltung sozialer
Sicherungsmaßnahmen für die ländliche Bevölkerung und die „own-
account-workers“ im städtischen Bereich der Entwicklungsländer nicht
sinnvoll ableiten. Mit dieser Arbeit soll dazu beigetragen werden, die
angesprochene Forschungslücke schließen zu helfen. Die Untersuchung
beschränkt sich dabei auf ein einzelnes Land, Tanzania, um die Ent
wicklung der traditionellen und die Entstehung von modernen Siche
rungsformen im Rahmen eines spezifischen historischen, gesellschaft
lichen und wirtschaftlichen Kontextes analysieren zu können.
Aus dem Vorwort
DUNCKER & HUMBLOT / BERLIN