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Volltext: Sociologus, N.F. 35/37.1985/87

Wörter, Frauen und Familien. 
Über einige Probleme bei der Rekonstruktion des traditionellen 
samoanischen Gesellschaftssystems* 
Von Thomas Bargatzky 
Wer sich der Aufgabe unterzieht, eine Rekonstruktion des traditio 
nellen westsamoanischen Gesellschaftssystems zu verfassen 1 , sieht sich 
mit mindestens drei Problemkreisen konfrontiert, die in der bisherigen 
ethnographischen Literatur über Samoa kaum oder überhaupt nicht 
beachtet werden. Es handelt sich dabei um: 
1. Das Problem der kultureigenen (emischen) Gruppentermini bei 
ihrer Verwendung als (etische) Beobachterkategorien, 
2. Das Problem des „noble view“ und des „common view“ in der 
Perspektive des Ethnographen, 
3. Das Problem des durch die ethnologische Terminologie geprägten 
Vorverständnisses vom samoanischen Gesellschaftssystem. 
Die mangelhafte Beachtung dieser Probleme kann zur Folge haben, 
daß die samoanische Gesellschaft auf eine Weise dargestellt wird, die 
eher herkömmlichen ethnologischen Denktraditionen entspricht und 
* Eine verkürzte Fassung wurde am 13. Oktober 1983 anläßlich der Tagung 
der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde am Ethnologischen Seminar der 
Universität Basel vorgetragen. 
1 „Traditionell“ bezieht sich hier auf jene Gegebenheiten, die nicht durch 
die seit 1962 bestehende Infrastruktur des Unabhängigen Staates Westsamoa 
bedingt werden. Solch eine Trennung zwischen „traditionellen“ und „nicht 
traditionellen“ Gegebenheiten ist allerdings oft nur schwer zu vollziehen. 
Dies zeigt sich etwa am Beispiel des Straßenbaus, einer Unternehmung des 
Staates. Der Straßenbau erleichtert die Kommunikation zwischen den Dör 
fern, sowie den Dörfern und der Hauptstadt Apia. Dadurch wird das tradi 
tionelle Gesellschaftssystem zwar einerseits verändert, andererseits kann es 
sich verstärkt entfalten. * 
Anmerkung des Herausgebers: Die Verfasser der Aufsätze, der Buchbespre 
chungen und sonstigen Mitteilungen tragen 
allein die Verantwortung für die von ihnen 
vorgebrachten Auffassungen. 
Editor’s note: The responsibility for opinions expressed in 
the articles, book reviews, and other commu 
nications published herein rests entirely with 
the authors. 
7 Sociologus 35/2
	        
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