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Buchbesprechungen und Bibliographien
steten Frauen, die zudem durch den schnellen Kulturwandel irritiert sind, finden hier Mög
lichkeiten der psychischen Entlastung, der Beratung und des Zusammenseins mit anderen
Frauen. Auch die Schamanen sind überwiegend Frauen, nicht Männer, wie das Buch leider
den Eindruck erweckt.
Da der Autor auf eine Definition des koreanischen Schamanismus verzichtet hat, soll
hier die Auffassung des koreanischen Tropenmediziners Prof. Chin-Thack Soh dazu skiz
ziert werden. Koreanischer Schamanismus könne, so dieser, als kulturelles System be
schrieben werden, das seelische Konflikte und körperliche Beschwerden auf übernatürliche
Wesen projiziere. Derartige Projektionsmechanismen, so seine Folgerung, seien in der
südkoreanischen Gesellschaft sehr häufig und hätten u.a. zu einem Mangel an individuel
lem Verantwortungsgefühl geführt. 3 Diese Charakterisierung muß jedoch als unzurei
chend angesehen werden, und die Folgerung beruht vermutlich ebenfalls auf einem Pro
jektionsmechanismus. Es sind wohl in erster Linie die familienzentrierten konfuzianischen
Traditionen, die zu einem Mangel an sozialer Verantwortung in der koreanischen Männer
welt geführt haben.
Angesichts solcher Probleme, denen der Autor scheinbar aus dem Wege geht, soll hier
zumindest ein wichtiger Aspekt der Ethnomedizin genannt werden, der bei keiner definito-
rischen Erfassung auch des koreanischen Schamanismus übersehen werden dürfte: Die
ökologische Funktion des Schamanismus, der aus dieser Sicht die Wechselwirkungen zwi
schen Menschen, Göttern und Umwelt heilend beeinflußt. Der Schamanismus ist Bestand
teil der südkoreanischen „Heilkultur“, 4 denn die drei Haupttätigkeiten koreanischer Scha
manen sind heilender Art: priesterliche Seelsorge, Heilen und Wahrsagen.
Anmerkungen
1 André Eckardt: Korea. Kultur der Nationen 29, Nürnberg 1972, S. 274.
2 Chin-Thack Soh: Korea. Medizinische Länderkunde. Heidelberg 1980, S. 96/101.
3 Soh, a.a.O., S.99.
4 Begriff nach H. Schipperges in: M. Blohmke, H. Schipperges und G. Wagner: Medizinische
Ökologie. Heidelberg 1979, S.236 ff.
U.a. schreibt Schipperges zum Begriff „Heilkultur“: „Mit diesem neuen Begriff des ,oikos’ aber
haben wir ein für allemal Abschied genommen von dem methodischen Prinzip moderner Wissen
schaft, das den Menschen zum Herrn und Meister der Natur hat machen wollen. Mit diesem Leitbild
stehen wir nicht länger einem Objekte gegenüber, das man kontrollieren oder manipulieren könnte.
Wir selber leibhaftig sind eingeschlossen in das System: Wir stehen mit der Natur im Ökolog! ... Und
doch sehen wir die Gestalt dieser neuen Heilkultur bereits deutlich vor uns. Es sind, wenn auch in ei
nem völlig veränderten wissenschaftlichen Fluidum, die elementaren Lebensmuster der älteren Heil
kunde, die den Grundrechten einer ökologisch informierten Lebenskultur Vorarbeiten“ (S.238).
Ludger Albers
Richards, Anthony: An Iban-English Dictionary. Oxford University
Press, Oxford 1981. 417 Seiten.
Zu den bestbekannten indonesischen Kulturen gehört sicher die der Iban, der größten
autochthonen Bevölkerungsgruppe im ostmalaysischen Landesteil Sarawak. Über diese
Ethnie liegt ein umfangreiches neueres Schrifttum (Freeman, Sandin, Jensen, Sutlive
u. a.) vor, darunter auch Iban-Texte (Sandin, Rubenstein u. a.). Ein Wörterbuch der Iban-
Sprache ist daher nicht nur für den linguistischen Gebrauch, sondern, wenn es sich, wie
das vorliegende, um ein deskriptives Lexikon handelt, das wesentliche Begriffe des tägli