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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 110.1985

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Buchbesprechungen und Bibliographien 
steten Frauen, die zudem durch den schnellen Kulturwandel irritiert sind, finden hier Mög 
lichkeiten der psychischen Entlastung, der Beratung und des Zusammenseins mit anderen 
Frauen. Auch die Schamanen sind überwiegend Frauen, nicht Männer, wie das Buch leider 
den Eindruck erweckt. 
Da der Autor auf eine Definition des koreanischen Schamanismus verzichtet hat, soll 
hier die Auffassung des koreanischen Tropenmediziners Prof. Chin-Thack Soh dazu skiz 
ziert werden. Koreanischer Schamanismus könne, so dieser, als kulturelles System be 
schrieben werden, das seelische Konflikte und körperliche Beschwerden auf übernatürliche 
Wesen projiziere. Derartige Projektionsmechanismen, so seine Folgerung, seien in der 
südkoreanischen Gesellschaft sehr häufig und hätten u.a. zu einem Mangel an individuel 
lem Verantwortungsgefühl geführt. 3 Diese Charakterisierung muß jedoch als unzurei 
chend angesehen werden, und die Folgerung beruht vermutlich ebenfalls auf einem Pro 
jektionsmechanismus. Es sind wohl in erster Linie die familienzentrierten konfuzianischen 
Traditionen, die zu einem Mangel an sozialer Verantwortung in der koreanischen Männer 
welt geführt haben. 
Angesichts solcher Probleme, denen der Autor scheinbar aus dem Wege geht, soll hier 
zumindest ein wichtiger Aspekt der Ethnomedizin genannt werden, der bei keiner definito- 
rischen Erfassung auch des koreanischen Schamanismus übersehen werden dürfte: Die 
ökologische Funktion des Schamanismus, der aus dieser Sicht die Wechselwirkungen zwi 
schen Menschen, Göttern und Umwelt heilend beeinflußt. Der Schamanismus ist Bestand 
teil der südkoreanischen „Heilkultur“, 4 denn die drei Haupttätigkeiten koreanischer Scha 
manen sind heilender Art: priesterliche Seelsorge, Heilen und Wahrsagen. 
Anmerkungen 
1 André Eckardt: Korea. Kultur der Nationen 29, Nürnberg 1972, S. 274. 
2 Chin-Thack Soh: Korea. Medizinische Länderkunde. Heidelberg 1980, S. 96/101. 
3 Soh, a.a.O., S.99. 
4 Begriff nach H. Schipperges in: M. Blohmke, H. Schipperges und G. Wagner: Medizinische 
Ökologie. Heidelberg 1979, S.236 ff. 
U.a. schreibt Schipperges zum Begriff „Heilkultur“: „Mit diesem neuen Begriff des ,oikos’ aber 
haben wir ein für allemal Abschied genommen von dem methodischen Prinzip moderner Wissen 
schaft, das den Menschen zum Herrn und Meister der Natur hat machen wollen. Mit diesem Leitbild 
stehen wir nicht länger einem Objekte gegenüber, das man kontrollieren oder manipulieren könnte. 
Wir selber leibhaftig sind eingeschlossen in das System: Wir stehen mit der Natur im Ökolog! ... Und 
doch sehen wir die Gestalt dieser neuen Heilkultur bereits deutlich vor uns. Es sind, wenn auch in ei 
nem völlig veränderten wissenschaftlichen Fluidum, die elementaren Lebensmuster der älteren Heil 
kunde, die den Grundrechten einer ökologisch informierten Lebenskultur Vorarbeiten“ (S.238). 
Ludger Albers 
Richards, Anthony: An Iban-English Dictionary. Oxford University 
Press, Oxford 1981. 417 Seiten. 
Zu den bestbekannten indonesischen Kulturen gehört sicher die der Iban, der größten 
autochthonen Bevölkerungsgruppe im ostmalaysischen Landesteil Sarawak. Über diese 
Ethnie liegt ein umfangreiches neueres Schrifttum (Freeman, Sandin, Jensen, Sutlive 
u. a.) vor, darunter auch Iban-Texte (Sandin, Rubenstein u. a.). Ein Wörterbuch der Iban- 
Sprache ist daher nicht nur für den linguistischen Gebrauch, sondern, wenn es sich, wie 
das vorliegende, um ein deskriptives Lexikon handelt, das wesentliche Begriffe des tägli
	        
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