Volltext: Tribus, 6.1956

Buchbesprechungen 
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ausgelacht und meist nicht für voll genom 
men. M. E. ein schöner Hinweis auf die 
Fehlkonstruktion des panreligiösen und ma 
gischen Menschen. 
Die Vorstellungen vom Uranfang sind in 
ihrer natürlichen Naivität durchaus einleuch 
tend. Damals war die Erde oben und der 
Himmel unten, und die Frauen führten Pfeil 
und Bogen, während die Männer die zuge 
spitzten Sammelstöcke trugen. Dann aber 
griff Inschoko ein und ordnete diese ver 
kehrte Welt — insbesondere schärfte er den 
Frauen ein, daß sie die Männer zu fürchten 
hätten!! 
Der Hase in der listenreichen Rolle des 
Fuchses begegnet uns auch hier. In den Er 
zählungen von den zweierlei Vorbewohnern 
— einmal den bluttrinkenden Rinderzüch 
tern ohne Hirse und den Gogotoko, die 
Menschenfresser waren und in Erdhöhlen 
hausten, spiegeln sich deutlich historische Er 
eignisse, der Zusammenstoß mit den Masai, 
Tatoga usw. und vielleicht mit den Erbauern 
der versenkten Temben. 
Eine der schönsten Geschichten ist die von 
der Lehmpuppe, welche die kleinen Mäd 
chen auf dem Rücken gebunden tragen, da 
mit sie später Kinder erhalten. Zunächst 
sollte jedes Kind, das seine Puppe zerbrach, 
durch Unfruchtbarkeit gestraft werden. Auf 
den Hinweis der Alten, daß Kinder beim 
Spiel leicht die Puppe zerbrechen, gestattete 
Ischoko, daß eine mit Fett geweihte Puppe 
dem Kind erneut gegeben werden könne. 
Im Sozialen fällt die Leichtigkeit auf, mit 
der sich Mann und Frau begegnen. Auch die 
inzestuöse Geschwisterehe ist belegt — ohne 
jeden Anstoß zu erregen — hier allerdings 
nicht als Privileg, sondern als Ergebnis ei 
ner vitalen „Grenz-Situation“. 
Diese Hinweise dürften gezeigt haben, daß 
wir Ludwig Kohl-Larsen zu großem Dank 
verpflichtet sind. Mit großer Liebe und Ver 
ständnis hat er uns das geistige Bild einer 
Menschengruppe bewahrt, die heute vom 
Aussterben nicht allzu weit entfernt ist. Weil 
die Hadzabi sich geweigert haben, den Spei 
chel Ischokos aufzuschlecken, hat er ihnen das 
Pori zur Heimat angewiesen, aber selbst die 
ses wird Teil der großen Welt, in der 
für sie, wie für die Tiere, die alle einmal 
Menschen waren, der Platz immer enger 
wird. 
STURE LAGERCRANTZ: 
African methods of fire making. Studia 
Ethnographien. 78 S., mehr. Bildtaf. u. 
Karten. Upsalensiu X. Uppsala 1954. 
Mit dieser Untersuchung, die Bernhard 
Struck zum 65. Geburtstag gewidmet ist, setzt 
der Verf. seine systematischen Bemühungen 
um die Klärung kulturgeschichtlicher Pro 
bleme Afrikas fort. Er tut dies mit einem er 
drückenden wissenschaftlichen Apparat und 
mit einer Gewissenhaftigkeit, die es erlaubt, 
seine Arbeiten als sekundäre Quelle zu be 
trachten. 
Methodologisch bewahrt Lagercrantz die 
alte Tradition, die bereits mit Ratzel begann, 
sich in Frobenius fortsetzte, aber im beson 
deren von Ankermann, Gräbner, P. W. 
Schmidt, Lindblom und Baumann ausgebaut 
wurde. Das Prinzip dieser Methode, der Ver 
breitung einzelner Kulturelemente oder auch 
Kulturkomplexe nachzugehen und hieraus 
historische Verknüpfungen und zeitliche Ein 
ordnungen zu finden, besteht bis heute zu 
recht, wenngleich es nicht alle ursprünglichen 
Wünsche erfüllt hat. Nachdem sich der Verl, 
gegenüber fachlichen Angriffen, insbeson 
dere der englischen Ethnologie zur Wehr 
setzt, sei mit Nachdruck betont, daß diese 
Methode ein bleibendes legitimes Verfahren 
darstellt. Sie entspricht in etwa dem anato 
mischen Verfahren, einen bestimmten Teil 
sauber herauszupräparieren, um ihn dadurch 
morphologisch bestimmen zu können. Wenn 
auch heute die Tendenz zur „Physiologie“ 
nicht ohne zeitgeschichtlichen Grund vor 
herrschend ist, so setzt diese immer still 
schweigend „Anatomie“ voraus. 
Verbreitungsstudien sind immer etwas 
trocken und stellen erhebliche Ansprüche an 
die Selbstbescheidung des Verfassers. Das 
Erträgnis der Arbeit schlägt sich in den Kar 
ten und in den letzten Schlußfolgerungen 
nieder. 
Im einzelnen behandelt der Verf. folgende 
Feuergewinnungsverfahren: 
Den Drill-Bohrer, den Schnur- und den 
Bogen-Bohrer, die Feuerpumpe, den Feuer 
pflug, die feste und die flexible Feuersäge, 
die Feuerspritze, das Feuerschlagen (Stein 
auf Stein und Stein auf Stahl) und schließ 
lich die Zündhölzer, aus deren Verbreitung 
der Verf. mit Recht einen Hinweis auf die 
J. F. Glück
        

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