Volltext: Tribus, 6.1956

Buchbesprechungen 
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Kultur. Im einzelnen begreift er darunter die 
Babylonier und Assyrer, die Kanaanäer, die 
Hebräer, die Aramäer, die Araber und die 
semitische Kolonie in Afrika: Äthiopien. 
Wenigstens seit 3000 v. Chr. ist die semi 
tische Sprache mit ihren drei Radikalen im 
vorderen Orient, in Syrien, Palästina, Ara 
bien und Mesopotamien als alteinheimisch 
belegt. Die sprachliche Beziehung zu den Ha 
miten wird kurz gestreift. 
Die Ausgrabungsfunde werden vom Verl, 
herangezogen, so daß er jeweils ein abge 
rundetes Bild über Geschichte, Religion, 
Recht und Gesellschaft, sowie über die Lite 
ratur und Kunst darbietet. Mohammed ist 
ein größerer Abschnitt gewidmet. 
Als gemeinsamen Ckarakterzug der alt 
semitischen Kultur betont der Verf. das Über 
gewicht der Religion gegenüber den ande 
ren Kulturbereichen. Daraus erwächst die 
besonders im Christentum wirksam gewor 
dene Vorstellung von der Universalreligion, 
die der alte Orient ursprünglich mit der 
Universalmonarchie verbunden hat. Den 
wohl größten Beitrag zur Kulturgeschichte 
leistete das Semitentum mit der Erfindung 
des Alphabets. 
Seine ungeheure Bedeutung aber gewinnt 
es durch die Tatsache, daß sich aus ihm Ju 
dentum, Christentum und Islam erhoben. 
Wobei der jüdische Monotheismus in be 
sonderer Weise geeignet war, die Religion 
von ihrem engeren Heimatboden zu lösen 
und universal zu werden. 
Eine Literaturübersicht und ein Namens 
verzeichnis runden das informative Werk 
ab, das hiermit empfohlen sei. 
J. F. Glück 
GUDA E. G. VAN GIFFEN-DUYVIS: 
De Azteken. 208 S.. zahlr. Bildtaf., 2 Karten, 
8°. Uitgeversmaalschappij Holland. Am 
sterdam o. J. 
Unter den zahlreichen Büchern und Bild 
bänden, die in den letzten Jahren über alt 
amerikanischen Kulturen erschienen sind, 
darf diese holländische Veröffentlichung ei 
nen besonderen Platz beanspruchen. Die Ver 
fasserin - eine Schülerin Walter Lehmanns - 
geht nicht den Weg über das heute so gern 
angesprochene Interesse für exotische Kunst, 
um eine fremde, vergangene Kulturwelt dem 
Verständnis eines weiteren Leserkreises zu 
erschließen. Ihr vorliegendes Buch ist viel 
mehr eine umfassende Darstellung der azte- 
kischen Kultur, eine Monographie im besten 
Sinne, die in knappen, aber klaren Strichen 
und mit allem Rüstzeug archäologischer und 
historischer Sachkenntnis ein ungemein an 
schauliches Bild der letzten großen mexikani 
schen Kulturepoche zeichnet, ihres geschicht 
lichen Werdens und ihrer Zusammenhänge 
mit den benachbarten Kulturen Mesoameri 
kas, ihrer wirtschaftlichen und sozialen 
Aspekte, ihres Kunstschaffens und vor allem 
der geistig-religiösen Welt, in der sie ruhte. 
Nach einem einführenden Kapitel, das mit 
dem „Schauplatz“, der geographischem Um 
welt der aztekischen Kultur, sowie mit den 
wichtigsten frühspanischen Quellen bekannt 
macht, einen Abriß der Eroberungsgeschichte 
und einen kurzen Überblick über die Entste 
hung des Aztekenreichs gibt, schildert die 
Verfasserin das alte Tenochtitlan, „Herz und 
Haupt“ von Montezumas Reich. Die folgen 
den Abschnitte behandeln die wirtschaft 
lichen Grundlagen der aztekischen Kultur, den 
gesellschaftlichen Aufbau des Staates mit dem 
Königspriestertum seines Herrschers, den 
Funktionen seiner Stände, der Priester, der Ge 
lehrten, Krieger. Kaufleute, Ärzte, Künstler 
usw., das Rechtsleben und die Erziehung der 
Jugend. Das Kernstück des Buches bilden die 
Kapitel über Religion und Weltanschauung 
sowie über Schrift und Kalenderwesen. Ge 
stützt auf eine souveräne Beherrschung des 
Stoffs, führt hier die Verfasserin in klarer 
und prägnanter Darstellung den vielgestal 
tigen Kreis der aztekischen Götter vor und 
beschreibt in eindrucksvollen Bildern die kul 
tischen Riten, die sich als Wiederholung 
mythischen Geschehens mit diesen Götterge 
stalten verbanden und im Menschenopfer 
ihren Höhepunkt fanden. So wesensfremd 
uns die altmexikanische Religion in ihrer 
Erlebnissubstanz und ihren Vorstellungs 
bildern immer sein mag; die Darstellung 
van Giffen-Duyvis’ verdeutlicht auch dem, 
der dieser fremdartigen Welt zum erstenmal 
gegenübertritt, welch dominierende Rolle 
Götterverehrung und Götterkult im Leben 
der Azteken spielten, und läßt ihn verstehen, 
daß hier die Intensität des Religiösen zur 
festen Klammer zwischen Priesterschaft und 
Volk geworden war. Ebenso klar wie sachlich 
zuverlässig behandelt die Verfasserin den
        

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