Volltext: Tribus, 6.1956

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Buchbesprechungen 
Fragment stimmen, dann gewänne die Auf 
fassung Westenhöfers vom Menschen als 
dem ältesten plazentalen Säuger eine neue 
Untermauerung. 
Schließlich sei noch darauf hingewiesen, 
daß Portmann nicht nur dem Stoffwechsel 
und der Fortpflanzung, sondern auch der 
Selbstdarstellung der organischen Welt einen 
eigenen Wert zuerkennt, was der Auffas 
sung von der Priorität der Form vor der 
Funktion sehr nahe kommt. Gerade diese 
dritte große Qualität des Lebendigen wird 
vom Verf. nicht berücksichtigt. 
Aus diesen wenigen Bemerkungen dürfte 
sich ergeben haben, daß das Werk von R. 
einen außergewöhnlich materialreichen und 
anregenden Beitrag zur Abstammungslehre 
darstellt, der unbeschadet aller Kritik zu 
den fundamentalen Arbeiten deutscher 
Sprache über dieses Gebiet gehört. 
Ein ausführliches Lit. Verzeichnis, ein 
Autoren- sowie ein Sachverzeichnis beschlie 
ßen das Buch, das vom Verlag ausgezeichnet 
ausgestattet worden ist. J. F. Glück 
FREDERICK E. ZEUNER: 
Dating the past. An Introduction to Geo- 
chronology. 24 Bildtafeln, 103 Diagramme. 
Methuan and Co. Ltd., London 1952. 
Aus Vorlesungen, die Frederick E. Zeuner 
im Archäologischen Institut der Universität 
London und in verschiedenen englischen ge 
lehrten Gesellschaften gehalten hat, war 1946 
ein schmaler Band über die absolute Alters 
bestimmung, ihre Methoden und Ergebnisse 
hervorgegangen. Jetzt liegt von dem, in 
zwischen zum Standardwerk gewordenen 
Buch die dritte Ausgabe vor. 
Der Geologe und Paläontologe Zeuner hat 
sich durch Spezialarbeiten große Verdienste 
erworben, gerade auch um die Anwendung 
der klassischen und modernen Methoden der 
Geochronologie — der Begriff ist von FI. S. 
Williams 1893 eingeführt und von C. Schu- 
chert 1931 für die menschliche Vorgeschichte 
und prähistorische Kulturforschung präzisiert 
worden. Für diese Disziplinen sind die Be 
schreibung und die kritische Würdigung 
der Verfahren, deren Reichweite und Ver 
läßlichkeit sich auf jenen Zeitraum erstrek- 
ken in dem es den Menschen und mit ihm die 
Kultur gibt, von höchstem Interesse. 
Wir besitzen aber keine chronologische 
Methode, die uns für sich allein vom An 
fang der historischen Zeiten bis hinab zum 
Beginn der Eiszeit hinlänglich orientieren 
könnte. Man ist auf mehrere angewiesen und 
muß sich mit einem unterschiedlichen Grad 
der Verläßlichkeit begnügen: 1. Die Jah 
resring-Analyse (Dendrochronolo 
gie), die schon 1811 zur Datierung eines prä- 
kolumbischen künstlichen Fiügels bei Canan- 
daigua im Staate New York von De Witt 
Clinton benutzt wurde und die Bestimmun 
gen bis zu 3000 Jahren zurück gestattet. 
2. Die Tonbänder-Analyse (var- 
ved clay analysis), begründet von Gérard de 
Geer, für Datierungen vom Ende der Alt 
steinzeit bis zur Eiszeit, was einer Zeitspanne 
von rund 15 000 Jahren entspricht. 3. D i e 
Radiokarbon-Methode, beruhend 
auf der Bestimmung des Zerfall-Anteils von 
C 14 in totem organischen Material mit der 
Verwendbarkeit auf einen Zeitraum von 
30 000 Jahren. 4. Die Sonnenstrah 
lungs-Methode, die durch die Be 
funde und Theorien von M. Milankovitch 
über die Erdstrahlung und ihren Einfluß auf 
die Eiszeiten starke Anregungen erhalten 
hat. Sie erlaubt die zeitliche Orientierung 
während des Paläolithikums und der Eiszeit, 
was einer Million Jahren entspricht. 
Das Werk von Zeuner gibt eine systema 
tische Darstellung dieser geochronologischen 
Methoden, um dann, sowohl regional als 
auch an den Hauptproblemen der physischen 
Anthropologie (Auftreten der einzelnen Men 
schenformen) und der der vorgeschichtlichen 
Kulturforschung orientiert, zu zeigen, welche 
Einsichten sich aus ihren Anwendungen er 
geben. Dabei werden in Fülle solche Fragen 
berührt, die von großem ethnologischen In 
teresse sind, vor allem jene, die mit der 
zeitlichen Ausbreitung des Menschen und der 
urzeitlichen Kulturen über die Erde Zusam 
menhängen. Da die Geochronologie sich auf 
die gesamte Erdgeschichte erstreckt, führt 
das Buch auch in die radioaktive Altersbe 
stimmung der Gesteine ein, die vor allem 
für die ältesten Epochen wichtige Auf 
schlüsse geben. Die ständige Verbindung mit 
der Paläonthologie gewährt Einblicke in die 
absolute Chronologie der Entstehung der 
Tier- und Pflanzenformen und vermittelt 
Vorstellungen über das stammesgeschichtliche 
T ransformations-Tempo. 
E. F. Podach
        

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