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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 36.1904

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Stadt Kairouan, wo ein junger Araber in übrigens sehr guter Ausführung 
in zwei Farben das Bild einer jungen, elegant gekleideten, europäischen 
Dame in ganzer Figur auf dem Arme trug, auf dem Oberarm Kopf und 
Büste, die andere Körperhälfte auf dem Unterarme. Ausser der Farbe" 
tätowierung sieht man in Tunis auch häufig Narbentätowierung, aber aus 
schliesslich bei der schwarzen Bevölkerung. | 
An welchen Kórperstellen pflegt man sich vornehmlich tátowieren ZU 
lassen? Man kann wohl allgemein sagen, an so ziemlich allen, die sichtbar 
sind. In erster Linie sind es bei beiden Geschlechtern Arme und Hände- 
Bei den Frauen kommt dann hauptsächlich das Gesicht in Betracht, Kin? 
Stirn und Wangen. Kine kleine Zeichnung zwischen den Augenbrauen ist 
fast immer vorhanden; damit korrespondierend meist eine solche am Kin? 
wozu häufig auch noch Wangen und Stirn kommen. Bei den Männer” 
tritt das Gesicht zurück, dafür spielen aber Beine und Füsse eine grösser? 
Rolle. Man tätowiert mit Vorliebe die Waden und den Fussrücke? 
ebenso die schmale Stelle am Hinterfuss von der Ferse bis zur Wade 
Ferner ist bei den Männern die Brust sehr beliebt, doch sieht man die” 
selbe auch häufig genug bei den Frauen verziert. 
Die Stelle der Tätowierung bedingt in vielen Fällen naturgemäss auch 
den Charakter der Zeichnung. Man kann auf den Fingern, am Kinn oder 
zwischen den Brauen selbstverständlich nicht grosse Figuren anbringe” 
Demgemäss haben wir es in den meisten Fällen mit kleinen, einfache? 
Mustern zu tun. Oft ist es nur ein Punkt oder mehrere nebeneinand® 
gruppiert; ein kleiner senkrechter Strich oder drei spitzwinkelig von einer? 
Punkte nach oben auseinandergehende zwischen den Brauen, dazu zwe 
oder drei parallele am Kinn und sich kreuzende auf den Wangen. Klein? 
Kreise, einfache oder konzentrische, ein Kreuz von einem Kreis umschlosse" 
Sterne, Quadrate und andere Figuren geometrischer Art. Man vergleich 
die zahlreichen Abbildungen dieser Art bei Lane, D’Hercourt, Jacquo® 
und Myers. In gleicher Weise wie in Ägypten und Algier kommen g^ 
auch in Tunis vor. Sie ergeben sich ja eigentlich von selbst bei jede" 
einfachen oder primitiven Ornamentik. 
Daneben findet man aber vielfach grössere Bilder komplizierter®” 
Charakters und von schwierigerer Form. Sie sind nicht mehr bloss als 
Tätowiermuster interessant; sie verlangen von ihrem Hersteller schon eine? 
höheren Grad von Kunstfertigkeit und Phantasie und sie sind wichtig al 
ein Ausdruck der Vorstellungswelt und Anschauungsweise des Volkes- I 
Zur Kenntnis dieser reicheren Tätowierung bietet nun das Origin? - 
Musterbuch des Mohamed ben el Hadji ein wertvolles, in keiner Hw 
sicht verfülschtes Material aus erster Hand. Es besteht aus fünf P ob?” 
blättern, die ziemlich dicht, in kräftigen Linien mit Tinte gezeichnet ter 
den Entwürfen des Künstlers bedeckt sind. Sie sind hier alle in ‘a - 
Originalgrósse wiedergegeben. Die oben besprochenen kleinen und “en 
fachen Muster fehlen darauf. Für solche bedarf es offenbar weder für her‘ 
Künstler noch für die Kundschaft eigener Vorlagen. Figuren geometria te 
Art sind darunter nur ein paar durch besondere Grösse ausgezeichn® — 
Alle übrigen sind bildliche Darstellungen, Wiedergabe eines einzel” 
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