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Bibliographische Daten: Jahrbuch für Volkskunde und Kulturgeschichte, 11=26.1983

Besprechungen 
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Teil der Arbeiterklasse mit Schlagworten wie „Vaterland“ usw. das Blickfeld vernebeln und dadurch 
in das herrschende System integrieren lassen. 
Köstlin versucht in seinem Beitrag, Motive und Gründe „für die Festlegung von Kultur auf 
einen begrenzten Raum - Region genannt - auszumachen“ (S. 25). Er behandelt die Regionalisie 
rung als Prozeß und geht auf die „neue Rolle“ der Kultur ein („Kultur beschreibt Regionen“). Seine 
Aufmerksamkeit gilt besonders dem Interesse, das die Volkskunde direkt oder indirekt den Fragen 
des Regionalismus entgegengebracht hat, wie diese Erscheinung in die Forschung hineinwirkte, wie 
man sie verarbeitete oder auch mißinterpretierte. Das Ganze regt zum Nachdenken, manchmal 
zum Widerspruch an. Vielleicht liegt letzteres zum Teil in der starken Verkürzung und der damit 
verbundenen Abstraktion begründet, die Köstlins Darstellung eigen ist. Man hätte sich bei einer 
Reihe von Feststellungen mehr historische Konkretheit gewünscht. So bleibt die ökonomische und 
soziale Basis vieler behandelter Phänomene leider im dunkeln. 
Stark psychologisch geprägt ist Korffs Studie, die er im Untertitel als eine „Skizze zum Problem 
der kulturellen Kompensation ökonomischer Rückständigkeit“ präzisiert. Er erfaßt damit sicher ein 
wesentliches Motiv des Folklorismus in kapitalistischer Umwelt: Mit ihm „soll ,wettgemacht‘ wer 
den, was der Landbevölkerung im Verlauf der kapitalistischen Industrieentwicklung genommen 
wurde“ (S. 43). Man kann diese Feststellung auf andere soziale Bereiche, so Handwerk und Berg 
bau, erweitern. Doch mit der Frage nach der Funktion allein ist das Folklorismusproblem nicht zu 
lösen. Mindestens ebenso wichtig ist die Untersuchung des ihn hervorbringenden und stimulieren 
den Rezeptionsprozesses, der Triebkräfte dieses Vorgangs und des Wandels, dem er im Zuge der 
sich wandelnden historisch-sozialen Bedingungen unterlag. Einen Hinweis in dieser Richtung gibt 
Korff bei der Einschätzung von bisherigen Forschungsergebnissen aus der volkskundlich-wirtschafts 
geschichtlichen Untersuchung der Magdeburger Börde. 
Von kulturanthropologischer Position aus behandelt Ina-Maria Greverus ( Lokale Identität durch 
Dorferweiterung?) Wirkungen, die die kapitalistische Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg 
in hessischen Dörfern hervorbrachte (Funktionsverluste der ländlichen Siedlung aufgrund von öko 
nomischen und strukturpolitischen Veränderungen). Ziel der von ihr geleiteten, in einem größeren 
amtlichen Rahmen wirkenden Arbeitsgruppe war es, die Einstellung der Bewohner zum Ortsbild, 
zu seiner Erhaltung und Restaurierung zu ergründen. Deutlich werden sollte dabei, in welchem 
Maße und wie weit eine Identifizierung mit diesem „Heimatbereich“ stattfindet. Das Ergebnis der 
Erhebung ist sehr differenziert, wobei individuelle Momente in der Auswertung möglicherweise 
überbewertet wurden. Man erfährt, was Einheimische, Umsiedler und „Stadtflüchter“ zu diesem 
Fragenkreis zu sagen haben. Besser wäre es wohl gewesen, die interviewten Gruppen innerhalb der 
Dörfer sozial zu differenzieren (so bäuerliche Schichten, Landarbeiter; Stadtpendler: Industriear 
beiter, Angestellte). Und schließlich sei angemerkt: Die Indentifizierung mit dem ländlichen Wohn 
ort ist, falls sie stattfindet, neben den untersuchten noch von anderen, sehr wesentlichen Faktoren 
abhängig. Hier spielen neben psychologischen Momenten doch ganz handfeste wirtschaftliche und 
soziale Fakten, bis hin zu Familien- und Nachbarschaftsbeziehungen, eine Rolle. 
Weitere Referate des Kongresses behandelten das Generalthema am Beispiel des Festvollzugs 
(Sigrid Hierschbiel, Jochen Gesinn, Ursula Stiebler, Frankfurter Feste, von wem - für wen; Helge 
Gerndt, Münchner Untersuchungen zum Festwesen; Bernd Jürgen Warneken, Kommunale Kultur 
politik - am Beispiel offenes Stadtfest). Als eine Art Verdeutlichung der Probleme, die sich aus 
diesen und ähnlichen Veranstaltungen ergeben haben, kann man wohl Erfahrungen bei den mit dem 
BRD-Volkskundetag verbundenen, von Fachwissenschaftlem initiierten und zum Teil auch geleite 
ten Stadtteilveranstaltungen werten (zusammenfassend dargestellt S. 173 ff.). Auf Fragen der Moti 
vation von Festbesuchern verweist Andreas C. Bimmer. 
Zwei Beiträge des Bandes fußen auf Schweizer Material. Max Matter befaßt sich am Beispiel 
der Zuwanderer aus dem Kanton Wallis nach Zürich mit Ursachen und Formen der Erhaltung 
ihrer regionalen Identität. Arnold Niederer legt seine in einer Reihe von Tessiner Gemeinden ge 
wonnenen Erkenntnisse hinsichtlich der Bestimmungsgründe regionaler Identifikationsprozesse vor. 
Einen recht aufschlußreichen Einblick in die Kommerzialisierung volkskundlichen Sachguts 
schließlich vermittelt Arnold Lühnings Aufsatz Museum und Antikshop - Lieferanten für Heimat. 
Mit Recht bezweifelt der Verf., daß das Geschäft mit Antiquitäten solcher Provenienz diese Funk 
tion erfüllen kann (und will, muß man wohl ergänzen). - Die bei Gelegenheit des Kongresses 
lt Volkskunde 1983
	        
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