Volltext: Tribus, 10.1961,N.F.

Hellmut Brunner 
Ägyptische Altertümer des Linden-Museums II 
In diesem zweiten Bericht 1 ) über die ägyptischen Altertümer des Linden-Museums, 
die die Freundlichkeit der Direktion dem ägyptologischen Institut der Universität 
Tübingen zur Verfügung gestellt hat und die dort wertvolle Dienste bei der Fachaus 
bildung der Studenten leisten, seien fünf Denkmäler aus dem Totendienst bekannt 
gemacht. Sie stammen aus verschiedenen Zeiten und unterscheiden sich auch in ihrer 
künstlerischen oder religionsgeschichtlichen Aussage voneinander. 
Es ist bekannt, daß die Ägypter der vorchristlichen Zeit einen erheblichen Teil 
ihrer Gedanken, aber auch ihrer Arbeit und ihres Vermögens der Fürsorge für Begräb 
nis und Jenseits widmeten. Ja, fast alles, was unsere Museen an Flinterlassenschaft der 
Pharaonenzeit bergen, hat sich in Gräbern gefunden, und auch im Niltal selbst ist von 
den Wohnstätten, den Palästen und Flütten, den Verwaltungsbauten und Festungen 
nur ganz Weniges erhalten geblieben, so daß der Reisende außer den Ruinen der 
prächtigen Tempel vor allem Gräber besucht. Im flachen Unterägypten wurden über 
unterirdischen Grabkammern große Grabhügel aus Stein oder Ziegeln errichtet, oft 
von vielen Räumen durchlöcherte Massive. Im felsigen Oberägypten, in dem die 
Wüstenberge von jeder Stelle des bewohnten Flußtales aus leicht zu erreichen sind, 
bestehen die Grabanlagen der bessergestellten Kreise, also vor allem der Beamten, 
Offiziere und Priester, aus Felsgängen und -kammern, großenteils mit Wandbildern 
reich geschmückt, einstmals noch dazu gefüllt mit Geräten, Waffen und Schmuck, Klei 
dern und Büchern, die den Toten mitgegeben wurden. Die trockene Wüstenluft hat 
diese Dinge bewahrt, doch ist das meiste Grabräubern zum Opfer gefallen. 
Aber nicht von dieser Ausstattung soll heute die Rede sein, sondern von Dingen, 
die unmittelbar mit der Bestattung und dem Jenseitsglauben Zusammenhängen. Die 
Ägypter bewahrten die Leichen ihrer Toten vor dem Verfall, indem sie sie mumifizier 
ten, das heißt der Haut und dem Fleisch durch ein Bad in einer Natronlauge (mit 
Zusatz anderer Chemikalien) die Feuchtigkeit entzogen 2 ). Eine solche Mumie befindet 
sich ebenfalls unter den Aegyptiaca des Linden-Museums, und zwar insofern eine be 
sondere, als sie auf der Brust und im Gesicht deutlich Reste einer Vergoldung trägt. 
Da die Mumie ihrer Binden entkleidet ist, läßt sich nicht sagen, wer der Mann war 
und wann er gelebt hat. Bel der Vergoldung, zu der mir keine Parallele bekannt ist, 
besteht der Verdacht, daß sie in der Neuzeit aufgelegt worden ist, um den Handels 
wert des „Stückes“ zu erhöhen. 
s. Tribus 7, S. 169—178. 
-) Zur Mumifizierung in Ägypten s. G. E. Smith und W. R. Dawson, Egyptian Mum 
mies, London 1924, und W. R. Dawson, Making a Mummy: Journal of Egyptian 
Archaeology 13, 1927, S. 40—49.
        

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