Volltext: Tribus, 10.1961,N.F.

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Buchbesprechungen 
sowie B. Ankermann („Die afrikanischen 
Musikinstrumente“) veröffentlicht. In der Ein 
leitung zu seiner Studie „Schallgeräte in 
Ozeanien“ betont Hans Fischer, daß leider 
die instrumentenkundlichen Untersuchungen 
später vernachlässigt wurden, so daß für 
weite Gebiete heute noch Zusammenfassungen 
fehlen, obgleich das Material hierzu außer 
ordentlich angewachsen ist. Fischer ver 
sucht, für Melanesien, Polynesien und Mikro 
nesien die unzweifelhaft vorhandene Lücke zu 
schließen. Der Titel seiner Arbeit läßt schon 
erkennen, daß es ihm dabei nicht allein darauf 
ankam, die Instrumente zu beschreiben, mit 
denen man „Musik machen“ kann; er bezog 
auch solche Geräte in seine Untersuchungen 
ein, die der Erzeugung von Geräuschen, Klän 
gen und Tönen dienen, die schwerlich als 
„Musik“ zu bezeichnen sind. Schon I z i k o - 
w i t z hat die Bezeichnung „Schallgeräte“ 
für seine Untersuchung gewählt. Sie ist sicher 
umfassender als das Wort „Musikinstrumente“, 
da die von den Naturvölkern erzeugten Schall 
erscheinungen sehr oft weder formal noch 
funktional etwas mit Musik im europäischen 
Sinne zu tun haben. Fischer grenzt den 
Begriff allerdings insoweit wieder ein, als er 
unter Schallgeräten nur solche Geräte versteht, 
die vom Menschen bewußt zur Schall 
erzeugung verwendet werden. Der Verfasser 
fußt im wesentlichen in der Systematik auf 
der Sachs-Hornbostelschen Klassifikation, die 
an einigen Stellen erweitert wird. Idiophone, 
Membranophone, Chordophone und Aero 
phone sind die Hauptabschnitte des ersten 
Teils der dreiteilig angelegten Studie. 
Sehr ausführlich beschreibt Fischer in 
diesem ersten Teil den Bau und die Spiel 
weise der Geräte sowie ihre Funktion für 
Spieler und Hörer. Da es sich um eine reine 
instrumentenkundliche Arbeit handelt, wird 
die Musik selbst nicht besprochen. 
Im zweiten Teil stellt der Autor auf 29 Ta 
feln die Geräte zeichnerisch dar. Es sind meist 
Kopien aus anderen Werken, und sie vermit 
teln einen guten Einblick. Leider sind manche 
der Zeichnungen in Einzelheiten nicht sehr 
deutlich. 
Der dritte Teil umfaßt 53 Tabellen. Sie las 
sen erkennen, wo die betreffenden Schall 
geräte verkommen. Es wird der Stamm, der 
Ort oder die Inselgruppe angegeben. In einer 
zweiten Spalte sind die Belege hierfür aufge 
führt. 
Ein ausführliches Literaturverzeichnis be 
schließt die verdienstvolle Arbeit. Bedauer 
lich ist, daß der Verfasser keine einzige Lage 
karte beigegeben hat. Man empfindet das Feh 
len eines derartigen Hilfsmittels, das das Auf 
finden der angegebenen Orte und Inselgrup 
pen wesentlich erleichtern könnte, bei einer 
solchen Studie besonders unangenehm, da 
nicht immer ausreichende Atlanten zur Hand 
sind. 
W. D. Meyer 
JOSEF RÖDER 
(in Zusammenarbeit mit ALBERT HAHN): 
Felsbilder und Vorgeschichte des MacCluer- 
Golfes, West-Neuguinea. Darmstadt: L. C. 
Witticb, 1959. 162 S. 
(Ergebnisse der F robcnius-Expedition 1937 
bis 1938 in die Molukken und nach Holldn- 
disch-Neuguinea, herausgegeben von Ad. E. 
Jensen und H. Niggemeyer. Band IV. Ver 
öffentlichung des Frobenius-lnstituts an der 
] ohann-Wolf gang-Goethe-Universität in 
Frankfurt am Main.) 
Man wird dem Verfasser wie auch dem we 
sentlich mitbeteiligten Zeichner der Frobenius- 
Expedition, Albert Hahn, Dank sagen 
müssen dafür, daß sie nach mehr als zwanzig 
Jahren das durch die Kriegsereignisse stark 
reduzierte Material ihrer Untersuchungen am 
MacCluer-Golf jetzt doch noch in so anspre 
chender Form vorlegen. Der Verfasser betont 
ausdrücklich, daß es sich hierbei um eine reine 
Materialvorlage handeln soll. Daneben ist es 
sein Anliegen, als Voraussetzung für verglei 
chende Untersuchungen die Schichten und 
Stile, ihre Verbindungen zueinander, die Mo- 
tivvcrflcchtungen, den Charakter der Kunst 
und das Alter der verschiedenen Einflüsse 
herauszuarbeiten. 
In den Felsbildern lassen sich drei Schichten 
unterscheiden: rot-, schwarz- und weißfiguri- 
ger Stil. Die weißfigurigen Bilder stammen 
aus jüngerer und jüngster Zeit, der schwarz 
figurige Stil in der Hauptsache aus dem 17. 
bis 19. Jahrhundert, während für die ältesten 
rotfigurigen Bilder ein Alter von rund 1000 
Jahren mit großer Vorsicht angenommen wird. 
Die rotfigurigen Malereien stammen aus 
einer Zeit, in der die (papuanische) Fischer 
bevölkerung in Höhlen lebte, bevor indonesi 
sche Einwanderer aus Ost-Ceram in das Ge 
biet kamen und sich mit ihnen vermischten. 
Als Beweis dafür, daß die Hersteller der rot 
figurigen Felsbilder Höhlenbewohner waren,
        

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