Volltext: Tribus, 10.1961,N.F.

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Buchbesprechungen 
geringer Bedeutung gewesen sind. Wenn auch 
zugegeben werden muß, daß die Bedeutung 
von Substratvölkern im allgemeinen weit un 
terschätzt, die der Überwandernden dagegen 
ebensoweit überschätzt wird, so muß doch ge 
fragt werden, ob von Eickstedt zu seiner 
Meinung nicht dadurch gekommen ist, daß er 
Verhältnisse und Abläufe bei Nomaden als 
Vorbild genommen hat, etwa den Hunnen 
zug oder die Reichsgründung eines Chingis 
Khan. In diesen beiden Fällen sind es (wie 
bei Nomaden immer) tatsächlich nur kleine 
Gruppen, die große Räume umgekrempelt 
haben. Aber waren d i e Mitanni, d i e Kas- 
siten, d i e Hethiter wirklich Nomaden? Das 
ist nicht nur ungewiß, sondern höchst unwahr 
scheinlich. Auch für ein Nomadentum des 
alten medischen und persischen Volkskerns 
spricht nichts, obwohl dies zeitlich eher mög 
lich wäre. Ist daher nicht doch an richtige 
Völkerwanderungen im Sinne der germani 
schen zu denken, wenn von jenen Völkern die 
Rede ist? Auch in diesem Falle dürfen wir uns 
natürlich keine Millionen auf der Wanderung 
vorstellen — aber die später Unterworfenen 
waren zahlenmäßig wohl auch nicht allzu 
stark, und dann müßte man eigentlich an 
nehmen, daß sich außer Sprache und Namen 
auch Blut und Volkstum der Überlagernden 
erhalten hätten oder mindestens, daß diese im 
Typenbild noch immer auftreten, wenn sich 
das Somatische so zäh hält, wie v. E. zeigt. 
Der Autor sagt, daß vieles habe noch offen 
bleiben müssen. Hoffentlich kann er selbst 
auf diesem höchst bedeutsamen Sektor Weiter 
arbeiten. Seine Ansätze sind so glänzend, daß 
man von weiteren Arbeiten mit Sicherheit 
auch weitere Klärung erwarten darf. 
F. Kussmaul 
FRANZ ALTHEIM: 
Geschichte der Hunnen. 
1. Band: Von den Anfängen bis zum Ein 
bruch in Europa. Mit Beiträgen von Robert 
GöbUHans-Wilhelm Haussig!Ruth Stiehl! 
Erika Trautmann-Nehring. Berlin: Walter 
de Gruyter & Co. 1959. 463 S., geb. 
DM 96.—. 
2. Band: Die Hephthaliten in Iran. In Zu 
sammenarbeit mit Ruth Stiehl. Mit Bei 
trägen von Zelik I. JampolskilEugen Lozo- 
van/Feodora Prinzessin von Sachsen-Mei 
ningen! Erika Trautmann-Nehring. Berlin: 
Walter de Gruyter & Co. 1960. 329 S., 
geb. DM 65.—. 
Die beiden vorliegenden Bände behandeln 
Fragen der Hunnengeschichte vor dem Ein 
bruch in Europa. Der erste ist mehr den 
eigentlichen Hunnen gewidmet, der zweite so 
gut wie ausschließlich deren „Brüdern“, den 
Hephthaliten (Weiße Hunnen). Das Werk 
unterscheidet sich sehr eindeutig von dem, 
was man gemeinhin ein Geschichtswerk nennt, 
nämlich die Darstellung eines auf Grund von 
Quellen nachgezeichneten historischen Ab 
laufs. Vielmehr hat der Autor eine große 
Zahl von Einzeluntersuchungen aneinander 
gereiht, die großenteils zum Fragenkreis 
„Hunnen“ gehören, gegliedert in Kapitel, die 
einzelne Themenkreise des Gesamtproblems 
herausgreifen. Dabei werden linguistisch 
philologische, prähistorische, historische, geo 
graphische und vielerlei kulturhistorische Ge 
gebenheiten, Aspekte und Probleme erörtert 
und wird auf dieser breiten Basis versucht, 
die Hunnenfrage im ganzen voranzutreiben. 
Um es vorweg zu .sagen; Sicher hat Alt 
heim (zusammen mit seinen Mitarbeitern) 
eine beachtliche Zahl von Einzelfragen ge 
fördert und teilweise gelöst. Seine Quellen 
kenntnis, seine Sprachkenntnisse, sein Spür 
sinn und sein eminent historisches Gefühl sind 
ihm dabei zugute gekommen. Ob er aber seine 
Kernfrage, das Problem der hunnischen Früh 
geschichte, gelöst hat, muß vorläufig offen 
bleiben. 
Die beiden Bände sind im Aufbau verschie 
den. Der erste behandelt in vier Büchern 
1) die Anfänge der Hunnen, 2) Vorausset 
zungen und Gleichzeitigkeiten, 3) das kul 
turelle Erbe und 4) den Einbruch in Europa. 
Altheim diskutiert hier bekannte und bisher 
nicht beachtete Quellen und baut mit ihrer 
Hilfe sein trotz aller Vielschichtigkeit er 
staunlich geschlossenes Bild der Hunnen 
geschichte. In seiner Darstellungsart scheint 
mir aber eine Gefahr für den Leser zu liegen; 
Quellen und Quellendeutung sind nicht ge 
nügend getrennt und am Ende weiß man oft 
nicht mehr so ganz genau, was Qucllenbestand 
und was Interpretation ist. Das ist um so 
wichtiger, als die Quellen offenbar der Inter 
pretation weiten Raum lassen. So jedenfalls 
muß man urteilen, wenn man die vielen, oft 
sehr hart vorgetragenen Kontroversen in al 
len Teilen des Bandes (beider Bände) betrach
        

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