Volltext: Tribus, 10.1961,N.F.

Buchbesprechungen 
185 
EGON VON EICKSTEDT: 
Türken, Kurden und Iraner seit dem Alter 
tum. Probleme einer anthropologischen 
Reise. Stuttgart: G. Fischer, 1961. 123 S. 
Geb. DM 24.80. 
Was der Autor vorlegt, ist das Fazit einer 
Reise vom Bosporus durch Anatolien nach 
Kilikien hinunter, von hier durch Syrien und 
das Irak (Bagdad) nach dem Iran, wo v. E. 
vor allem im zentralen Zagros-Gebiet gear 
beitet hat (von Kermanscha aus), um schließ 
lich durch Persisch-Kurdistan an den Urmia- 
See, nach Azerbeidschan zu fahren, von wo 
aus er durch Armenien und die Türkei heim 
kehrte. 
Der Titel läßt erkennen, welchen Proble 
men die Reise gewidmet war: Es sollten die 
Völker des Gebirgsgürtels zwischen Bosporus 
und Persischem Golf untersucht werden, Tür 
ken, Armenier, Azerbeidschaner und Zagros- 
Völker. Dabei war die Fragestellung bio 
historisch, was bei E. v. E. heißt: Unter Be 
rücksichtigung von geographischen und histo 
rischen Gegebenheiten sollte versucht werden, 
das nur in kümmerlichen, und zudem falschen 
Ansätzen vorhandene Typenbild dieses Rau 
mes rassisch und rassengeschichtlich zu klären. 
Ohne Berücksichtigung der historischen Ent 
wicklungen ist in einem so geschichtsträchtigen 
Raum freilich das heutige Bild kaum zu er 
kennen und noch weniger zu deuten. Man 
darf wohl sagen, daß es bei v. E. selbstver 
ständlich sei, daß der vorliegende Bericht wie 
der ein ungemein anregendes, an Problemen 
und Lösungsversuchen fast überreiches Werk 
geworden ist. 
Der Autor kommt zum Ergebnis, daß die 
Küstenlandschaften der Türkei im wesent 
lichen noch immer von Mediterraniden be 
wohnt sind, während Anatolien einen Typus 
aufweist, den er „anadolid“ nennt, einen 
Schlag, der neben mediterraniden auch ost 
alpine und „dinaroide“ Züge aufweist, bei 
dem aber der armenide Blutsanteil äußerst 
gering ist. Die Armeniden ihrerseits sind 
sicher eine alte Schicht, die ihren Namen zu 
Recht hat, weil diese Rasse offensichtlich In 
den abgekapselten Gebirgsräumen Armeniens 
daheim ist. Von dort aus sind die A. auch 
nach Süden vorgedrungen (Hurrlter) und 
haben die Anadoliden im Westen von den 
Orientaliden der Arabischen Halbinsel und 
von den Iraniden der Zagros-Ketten und 
Irans abgetrennt. Die beiden letztgenannten 
Typen hängen mit den Mediterraniden zu 
sammen, vielleicht auch mit den Anadoliden. 
Innerhalb dieser Gruppen ist eine ganze An 
zahl von Lokaltypen zu unterscheiden, die 
die reich bewegte Vergangenheit dieses Rau 
mes erklärt. Mongolides Blut ist in der Türkei 
kaum zu erkennen, eher schon im Iran. In 
allen bekannten Fällen handelt es sich aber 
um ganz junge, historisch greifbare Intrusio 
nen, die mehr oder weniger punktförmig auf- 
treten. 
Der Autor versucht, seinem Typenbild 
historische Tiefe zu geben. Ausgehend von 
Darstellungen und Beschreibungen der Alten 
untersucht er so Hethiter, Hurriter, Mitanni, 
Kassiten, Kurden, Loren (richtiger für: Lu- 
ren), Elamiten, Sumerer, Meder und Perser. 
Bei den Indogermanen unter diesen Völkern 
stellt er fest, daß es sich bei ihnen jeweils um 
kleine, von Norden (Turan!) hereingekom 
mene Oberschichten handelt, die sich über die 
Vorbevölkerung legten, der sie Sprache, Na 
men und Teile ihrer Kultur gaben, um ihrer 
seits blutsmäßig mehr oder weniger schnell 
und völlig in der Unterschicht aufzugehen. 
So seien es immer wieder dieselben Menschen, 
nämlich im Kern Iranide, die im südlichen, 
mittleren oder nördlichen Zagros beheimatet, 
hier oder in den vorgelagerten Ebenen Staa 
ten und Kulturen des Alten Orients aufbau- 
ten, angefangen von Sumer bis hin zu Assur, 
Medien und Persien. Sogar die Namen sind 
teilweise seit Jahrtausenden erhalten und 
überliefert: Guti = Kurden, Lulu = Loren. 
Ausgehend von den jeweiligen räumlichen 
Gegebenheiten und unter strikter Beobach 
tung der historischen Schicksale der einzelnen 
Völker und Völkersplitter behandelt er Teil 
gebiet um Teilgebiet, Volk um Volk, Volks 
teil um Volksteil, wobei immer wieder ethno 
logische Fakten in die Darstellung einbezogen 
sind. So tritt z. B. das konservativere Element 
der nomadischen Kurden gegenüber den 
bäuerlichen Gruppen sehr klar in Erschei 
nung, und sein Vorhandensein wird eingehend 
erklärt. Auch der Frage der modernen Akkul- 
turation schenkt der Autor Aufmerksamkeit 
und zeigt dabei einmal mehr, daß er ein kri 
tischer Beobachter ist und sich von keinem 
Schlagwort beeindrucken läßt. 
Ein Kernproblem seiner Darstellung scheint 
mir die Frage zu sein, ob die von Norden 
hereingekommenen Gruppen indogermani 
scher Sprache wirklich im Somatischen von so
        

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