Volltext: Tribus, 10.1961,N.F.

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Buchbesprechungen 
deres Augenmerk richtet Rouch dabei auf die 
Besessenheitskulte. Schließlich ist noch das 
Kapitel über die Magie zu erwähnen, das 
trotz der eingehenden Behandlung einzelner 
Züge wohl noch die meisten Lücken des Ma 
terials aufweist. Eine Untersuchung dieses 
Aspektes der Religion wäre etwa in dem 
Umfange wünschenswert, in dem das seiner 
zeit durch Evans-Pritchard für die Zande 
geschehen ist. 
Das Buch von Rouch birgt eine ungeheure 
Materialfülle. Eine Auswertung der älteren 
Literatur hat der Verfasser in gewissem Um 
fange vorgenommen. Sie hätte aber vielleicht 
noch eingehender erfolgen sollen. So vermißt 
man z. B. die Arbeiten von Frobenius („Und 
Afrika sprach“ und „Dämonen des Sudan“), 
von denen Rouch wenigstens die erstgenannte 
gekannt und in ihrer Bedeutung erfaßt hat 
(vgl. „Les Songhay“, Paris 1954). Für die 
Besessenheitskulte der Holey verweist Rouch 
in seinem Schlußwort auf die Parallelen bei 
Hausa (Bori) und Yoruba (Orisha) und in 
Nordostafrika (Zar). Zweifellos wäre es an 
der Zeit, das afrikanische Material über Bc- 
sessenheitskulte in einer vergleichenden Studie 
zu untersuchen. Ob man allerdings die Be 
sessenheitskulte der Songhay als Schamanis 
mus bezeichnen kann, wie Rouch (S. 301) an 
deutet, erscheint mir vorerst ungewiß. 
Man merkt dem Buch an, daß es das Er 
gebnis einer Forschung darstellt, die sich über 
mehr als ein Jahrzehnt erstreckt. Es kann als 
Musterbeispiel dafür angesehen werden, daß 
es gut Ist, immer wieder in demselben Gebiet 
zu arbeiten und das Material zu vervollstän 
digen, ehe man es publiziert. Der Verfasser 
kann zum Ergebnis dieser Arbeit beglück 
wünscht werden. 
J. Zwernemann 
EVA L. R. MEYEROWITZ: 
The Divine Kingship in Ghana and Ancient 
Egypt. London: Faber and Faber Ltd. 1960. 
260 S., Abb. Preis 63 s. 
Das vierte Werk, das die Verfasserin nach 
„The Sacred State of the Akan (1951), „Akan 
Traditions of Origin “ (1952) und „The 
Akan of Ghana“ (1958) nunmehr vorgelegt 
hat, ist dem sakralen Königtum der Akan 
gewidmet. Die Verfasserin bemüht sich, Ver 
bindungen zwischen dem sakralen Königtum 
der Akan und dem Altägyptens aufzuzeigen. 
Deutlich tritt die Absicht zutage, letztlich so 
gar die Herkunft des Akan-Königtums aus 
Ägypten zu beweisen. Der Charakter des 
sakralen Königtums bringt die Verfasserin 
dabei zwangsläufig zu einer Betrachtung reli 
giöser Vorstellungen, die, obgleich mit dem 
Königtum verbunden, doch etwas darüber 
hinausführen, nämlich zu den Vorstellungen 
von den Himmelsgöttern. Mit großem Ge 
schick weiß Eva Meyerowitz teilweise frap 
pante Parallelen anzuführen. Wenn man auch 
nicht immer bereit sein kann, die Beweis 
führung zu akzeptieren — besonders der 
Vergleich der Göttervorstellungen erscheint 
manchmal etwas willkürlich —, so ist sie doch 
in zahlreichen anderen Fällen recht einleuch 
tend. Die Verfasserin versucht nicht aus 
schließlich eine Interpretation des Akan- 
Materials mit Hilfe des altägyptischen Mate 
rials, sondern sie bemüht sich ebenso, altägyp 
tisches Quellenmaterial mit Hilfe des Akan- 
Materials zu interpretieren. 
Weitgehend kann die Verfasserin auf ihre 
früheren Publikationen zurückverweisen, aber 
sie bringt auch in ihrem neusten Buch eine 
Menge Feldforschungsmaterial von den Akan 
(wieder vorwiegend aus Bono-Takyiman), so 
daß das Werk auch in dieser Hinsicht als 
wertvolle Bereicherung der Literatur über die 
Akan angesehen werden kann. 
Bedenklich erscheint, daß die Verfasserin — 
trotz m. E. berechtigter Kritik von berufener 
Seite — nach wie vor an dem ausschließlich 
auf Grund von Traditionen von ihr rekon 
struierten Herkunftszentrum (westlich Tibesti) 
und Wanderweg (via Timbuktu) der Akan 
festhält. Herkunft und Wanderweg der Akan 
werden als historische Tatsachen behandelt, 
obwohl der Beweis noch nicht erbracht wurde. 
Noch ein zweites Bedenken muß erhoben wer 
den: wenn die Parallelisierung von Akan- 
und altägyptischem Material der Verfasserin 
in vielen Fällen auch gelungen ist, so steht der 
kulturhistorische Beweis für den direkten Zu 
sammenhang noch aus, nämlich der Nachweis 
des Wanderweges. Wahrscheinlich liegt viel 
daran, daß der Wadai und Darfur völker 
kundlich immer noch recht schlecht erforscht 
sind. 
Die Versuche, linguistische Interpretationen 
zu geben, sind nicht immer gelungen. An 
einer Stelle (S. 76) heißt es, das Akan-Wort 
für Blitz, „sraman“ (richtiger; osrämeuj) sei 
von „sreme“ (richtiger: osreme oder oram’), 
Mond, abgeleitet. Phonologisch und tonolo- 
gisch ist diese Verbindung nicht herzustellen.
	        
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