Volltext: Tribus, 10.1961,N.F.

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Buchbesprechungen 
barn geblieben. Kulturell gehören die Baga, 
Nalu, Landuma(n) usw. in die westatlanti- 
sche Provinz. 
Von den Mende (besser als „Mendi“) heißt 
es, sie „sprechen das Mande-fu“ (S. 82). Die 
Mende bilden eine Dialektgruppe (Dialect 
Cluster) in der Sprachgruppe der Mande-fu. 
Sie sprechen „Mende“, ganz exakt „Mende“. 
Ebenso unglücklich ist die Formulierung „das 
Kwa-sprechende Anyi-Volk der Baule“ (S. 
91). Die Kwa-Sprachen bilden eine Sprach 
gruppe, in deren Rahmen das Baule ein Dia 
lekt der Akan-Sprachen ist. Die Bezeichnung 
der Baule als Anyi-Stamm oder -Volk ist 
wohl nicht zutreffend. Die Anyi sind eine 
andere Untergruppe der Akan. Wie die Ver 
fasserin richtig angibt, haben sich die Baule 
im frühen 18. Jahrhundert von den Ashanti 
abgespalten. Dagegen sind die Anyi schon 
länger im Süden der Elfenbeinküste ansässig. 
„Goldküste nannten die Portugiesen das 
Land, weil ihnen die Ashanti in üppigem 
Goldschmuck entgegenkamen“ (S. 96 f.). Die 
ersten Kontakte hatten die Portugiesen m. 
W. mit den Fante und anderen Küstenstäm 
men, nicht aber mit den Ashanti, die auch 
damals im Inland lebten. 
Die „Bronzeköpfe mit den Perlenflügeln“ 
sind nicht alle in der Regierungszeit des Oba 
Osemwenede (oder Osemwede) in Benin ent 
standen, wie man nach S. 110 annehmen 
muß, sondern seit der Zeit dieses Herr 
schers, der die Perlenflügel der Kopfbedek- 
kung des Königs als Attribut hinzufügte. 
Das heißt die Köpfe, die Perlenhauben mit 
Flügeln tragen, sind nach 1816 entstanden. 
Die Yaka werden mit den Jaga (besser 
als Djaga) verwechselt (S. 148). Auf den 
Unterschied zwischen Yaka und Jaga ist be 
reits verschiedentlich hingewiesen worden (z. 
B. von Baumann und Westermann). Die 
Yaka sind keine Nachkommen der Jaga, ob 
wohl sie von einem Jaga unterworfen wur 
den. Die Jaga sind in den von ihnen be 
herrschten Stämmen aufgegangen, sofern sie 
nicht ausgestorben sind, da sie die Gepflo 
genheit hatten, ihre eigenen Kinder zu töten. 
Miniatur- oder Handmasken der Dan (vgl. 
S. 88) sind auch aus Gelbguß bekannt. 
Strittig erscheint mir der Abschnitt über 
die Bobo (S. 74), aus dem zu entnehmen ist, 
daß die bemalten Holzmasken vorwiegend 
von den Bobo-Fing stammen. Leider ist bis 
her viel zu wenig auf die Unterschiede zwi 
schen Bobo-Fing und Bobo-Ule geachtet wor 
den. Ob und wie weit die bemalten Masken 
bei den Bobo-Fing verbreitet sind, vermag 
ich nicht zu beurteilen. Aus eigener Anschau 
ung kann ich jedoch die große Bedeutung der 
bemalten Holzmasken (besonders der brett 
artigen Masken) bei den südlichen Bobo-Ule 
(Gegend von Houndé) hervorheben. Von 
dort sind die Masken auch in einige Dörfer 
der Nuna gekommen. 
Reiches Bildmaterial ergänzt die Ausfüh 
rungen der Verfasserin. Allerdings ist auch 
bei den Abbildungen Ostafrika reichlich kurz 
gekommen. Literaturverzeichnis, Register und 
eine Erläuterung der wichtigsten Fachaus 
drücke befinden sich am Schluß des Buches. 
Das Werk ist in der Reihe „Kunst der 
Welt“ erschienen, die einen möglichst großen 
Leserkreis, das heißt Laien und Fachleute, 
ansprechen will. Trotz der kleinen Mängel, 
die aufgezeigt wurden, muß die Verfasserin 
zu ihrer Arbeit beglückwünscht werden. Das 
Buch ist zur raschen Information und als 
Einführung für ein großes Publikum glei 
chermaßen geeignet und wird sich seinen 
Platz erobern. 
J. Zwernemann 
ANNEMARIE SCHWEEGER-HEFEL: 
Holzplastik in Afrika, Gestaltungsprinzi 
pien. Wien: W. Braumüller 1960. 148 S., 
14 Tafeln, geh. DM 27.—. (Veröffent 
lichungen zum Archiv für Völkerkunde, 
Band 5.) 
The Author must be credited with a blunt 
and honest initial remark, to the effect that 
we know little or nothing about the true 
nature, meaning and function of African art. 
Having thus taken from the very start, as it 
were, the bull by the horns, Frau Schweeger- 
Hefel proceeds to examine whether and how 
some sort of knowledge can be drawn from 
the objects themselves. Analysis is strictly 
limited to sculpture in wood, and within this 
category mostly to Independent figures. 
Throughout the book there is no attempt to 
philosophical speculation of sorts, no ten 
tative aesthetic appraisal, no conjectural 
assumption as to the existence of ’’styles“ on 
a regional or ethnic basis. The aims of the 
work, as stated on pages 3—4, are mainly 
iconographie and distributional, on the whole 
directed towards the establishment of typo 
logical groupings of African sculpture, as
	        
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