Volltext: Tribus, 10.1961,N.F.

Buchbesprechungen 
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Ringkämpfen und Laufwettbewerben spricht, 
erscheint dieser nicht-agonale Wesenszug des 
asiatischen Sports doch recht problematisch. 
Hier hat der Autor offensichtlich — um des 
einheitlichen Begriffs Asien willen — Kul 
turen mit Kulturidealen heterogenster Art 
zusammengebracht. Seine Darstellung zeigt 
deutlich, daß zu unterscheiden ist zwischen 
dem hinduistisch - buddhistisch - taoistischen 
Raum und dem übrigen Asien, wobei selbst 
verständlich in Mischzonen Mischformen ent 
standen sind. Das gilt für China mit seinem 
alten iranischen Einfluß (via Sinkiang-Kansu) 
ebenso, wie für das shintoistische Japan und 
für das iranisch-türkisch beeinflußte Vorder 
indien. Gerade hier wird deutlich, wie stark 
sich die einzelnen Religionen und ihre ver 
schiedene Stellung zum Körperlichen auch auf 
die Entwicklung der Leibeserziehung ausge 
wirkt haben. Das Training eines Arhat oder 
Yogi ist notwendigerweise grundverschieden 
von dem eines Polospielers. Aufs Ganze ge 
sehen wird aus Diems Darstellung der Ver 
hältnisse in Asien doch deutlich, daß in allen 
dortigen Hochkulturgebieten das Streben nach 
der Beherrschung des eigenen Körpers und 
das Training hierfür seit alter Zeit viel inten 
siver ist, als etwa in Europa seit der Antike. 
Diem bemüht sich, bei der Darstellung der 
außereuropäischen Verhältnisse den Sport ein 
zubauen in eine knappe Skizze von Ge 
schichte und Kultur der betreffenden Gebiete. 
In seinem Asien-Kapitel sind dabei einige 
Fehler unterlaufen, die genannt werden sol 
len: er sagt, daß die Induskultur seit der 
Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtau 
sends von Ariern geschaffen worden sei. 
Wahrscheinlich ist sie etwa in dieser Zeit oder 
etwas später von Ariern zerstört worden. Die 
Arier waren keine Nomaden als sie in In 
dien eintrafen, und erst recht keine Reiter. 
Eine „Hirtenzeit“ am Anfang der späteren 
Hochkulturvölker anzunehmen, ist nicht mehr 
gerechtfertigt, und das Reiten dürfte erst um 
frühestens 1400 vor Christus angefangen ha 
ben, eine Rolle zu spielen. Auch ist nicht an 
zunehmen, daß die Mitanni ihr Pferdetrai 
ning von den Indern übernommen haben — 
es ist in seinen Ansätzen weit wahrschein 
licher iranisch oder indo-iranisch. Schließlich 
kann man Tibet nicht als die Brücke bezeich 
nen, auf der der Buddhismus von Indien nach 
China kam. Er hat seinen Weg vielmehr nörd 
lich um Tibet herum genommen; das Schnee 
land ist erst viel später missioniert worden. 
Von solchen kleinen Mängeln abgesehen 
ergibt die Darstellung der Hochkulturen 
Asiens, der dortigen Verhältnisse in Leibes 
erziehung und Sport ein rundes, geschlossenes 
Bild. Das kann man im Hinblick auf die 
Naturvölker Asiens und das übrige Außer 
europa nicht sagen, oder doch nur für die 
Schilderung einiger weniger Punkte. Der 
Autor hat sich alle Mühe gegeben, Material 
zusammenzutragen, aber zu einem einiger 
maßen klaren Bild reicht es nur dort, wo von 
völkerkundlicher Seite Vorarbeit geleistet 
war. Daß das Kapitel „Urvölker“ so frag 
mentarisch geblieben ist, ist also nicht seine 
Schuld, sondern eher die der Ethnologie. Aber 
daß diese Abschnitte ein Feld zahlreicher Irr- 
tümer, Unstimmigkeiten und kleiner Schön 
heitsfehler sind, kann man andererseits uns 
nicht ankreiden: Der Begriff „Eskimo“ kann 
nicht für zirkumpolare Völker allgemein ver 
wendet werden, wie dies immer wieder ge 
schieht, und „Indianer“ gibt es nur in Ame 
rika, nicht aber in Ozeanien, wo einmal von 
„Papua-Indianern auf Neuguinea“ gespro 
chen wird. Im Ozeanienkapitel ist auch manch 
anderer Fehler unterlaufen: Häufiger werden 
Inselnamen als Stammesnamen verwendet 
oder solche als geographische Begriffe. Druck 
fehler sind gerade in diesen Kapiteln beson 
ders häufig und oft störend. Schade, daß der 
Autor offensichtlich diese Manuskriptteile 
nicht noch einmal selbst lesen konnte oder 
einem Fachmann vorgelegt hat. Dann wären 
auch manche andere ungebräuchliche Formu 
lierungen unterblieben: Indonesien ist zu 
Ozeanien geschlagen (auch unter diesem Na 
men) und in diesem Ozeanien treten dann als 
Ureinwohner u. a. auch die Vietnamesen auf. 
In Amerika werden auch die Hochkultur 
völker als „Urvölker“ bezeichnet, was doch 
mindestens recht ungebräuchlich ist. Im Kapi 
tel Altamerika sind auch die historischen 
Linien, wie sie der Autor darstellt, nicht ohne 
Kritik aufzunehmen. Dabei kommt Amerika 
im ganzen Urvölkerkapitel allein schon um 
fangmäßig am besten weg (Ballspiel!). 
Die Benützung von mehr und vor allem 
neuer völkerkundlicher Literatur hätte man 
sich auch für das einführende Kapitel „Kul 
tischer Ursprung“ gewünscht. Hier ist so oft 
die Rede von den Naturvölkern — als ob 
sie eine Einheit wären von den Jägern bis hin 
zu den frühen Hochkulturen (die einbezogen 
sind). Sicher haben Zauber, Magie im natur 
völkischen Bereich überall eine Rolle gespielt
        

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