ZUR ARCHÄOLOGIE VON GUATEMALA
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von Chajul und Nebaj. Letzteres ist der Hauptort der östlichen Cuchumatanes und bildet
heute die Ausgangsstation für den Verkehr in jenes entlegene Gebiet. Es ist daher wohl zu
denken, daß man die Stücke damals ganz allgemein als aus der „Gegend“ von Nebaj
stammend bezeichnen wollte.
Als drittes Argument, das für die Herkunft des Hieroglyphengefäßes, des Zacken
gefäßes und der übrigen Objekte ausllom spricht, möchte ich anführen, daß Herr Fleisch
mann später noch ähnliche Stücke durch Herrn Lisandro Gordillo Galán erhielt, der seit
30 Jahren einige Plantagen bei Ilom besitzt und dort noch heute ansässig ist. Wie er mir
selbst mitteilte, hatte er vor nicht allzu langer Zeit noch mehrere mit Figuren bemalte
Vasen, ähnlich den früheren, an Herrn Fleischmann abgegeben, die dann nach England
gekommen wären. Es wird sich zeigen, daß darüber hinaus die zu besprechenden Altertümer
aus Ilom unsere Vermutung stützen werden.
Als ich im Jahre 1927 auf die Plantage „Santa Delfina“ des Herrn Lisandro Gordillo
Galán gelangte, war dort gerade eine größere Anzahl von Altertümern aus zwei vor kurzem
geöffneten Grabhügeln bei Xacbal aufgestellt worden. Es gelang mir, die besten Stücke zu
erwerben, deren Beschreibung hier folgt.
Ein Prachtstück ist das große Räuchergefäß mit dem Antlitz des Sonnengottes der
Maya, Kinich Ahau (Abb. 2). Die Höhe beträgt 41 cm, der Durchmesser 36 cm, die Tiefe
des Beckens 32,3 cm. Der hohle Fuß ist leicht nach außen gebogen. Der obere Rand des
Abb. 2. Ilóm. Departamento Quiche.
Gefäßes ist mit einem einfachen Kerbmuster verziert, das durch Fingereindrücke in den
noch plastischen Ton hervorgerufen wurde. Von Bemalung sind keinerlei Spuren wahrnehm
bar. Daß der Sonnengott dargestellt ist, wird kenntlich an den großen Eckzähnen, die aus
den Mundwinkeln hervorragen, und durch die in dem geöffnetem Munde sichtbaren Schneide
zähne. Während aber sonst bei dem Sonnengott nur die beiden oberen Schneidezähne, und
zwar winklig ausgefeilt, abgebildet werden, hat hier der Künstler sie durch eine einfache
Platte stilisiert, ohne aber dabei zu unterlassen, die Feilung durch je eine Kerbe an beiden
Seiten hervorzuheben. Die Ohren tragen große runde Ohrpflöcke, ähnlich denen der Chaculá-
Figuren. Auffallend ist das Fehlen des für den Gott charakteristischen Bartes am Kinn.
Dafür besitzt unsere Figur eine Halsschleife, die in der Mitte verknotet ist.
Wie bei fast allen Räuchergefäßen des Mayagebietes in Nordguatemala und Britisch
Honduras zeigt auch das unsrige zwei mächtige seitliche Ansätze, die flügelartig geschweift
sind. Vielleicht soll damit eine Nackenschleife angedeutet sein, die durch ein Band in der
Mitte gerafft ist.