Volltext: Baessler-Archiv, 10/13.1926/29

RUINEN, HÖHLEN UND GRÄBERFUNDE 
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Umgebung der Pyramide. Ebenso Massen von Topfscherben grober Arbeit und Stücke von 
Obsidianmessern, wie man sie überall an Stellen alter Wohnstätten in Mengen findet. Auf 
einer Anhöhe fanden sich auch einige Perlen aus Marmorgestein, die zu einer Halskette 
gehört hatten. 
Der zweite Cerrodel Castillo — der der Gegend von Zapotitlan — ist ebenso isoliert 
und von der Natur an drei Seiten durch Felswände und sehr steil abfallende Abhänge gegen 
Überfälle geschützt. Ich besuchte diesen Berg einige Tage, nachdem ich von dem oben be- 
Abb. 2. Ruinen am Cerro del Castillo bei Zapotitlan. 
schricbencn Berge zurückgekommen war, und später noch mehrmals, um die Ruinen genauer 
zu studieren und photographische Aufnahmen zu machen. Auch an diesem Berge ging es sehr 
steil bergan. Ehe wir die eigentliche Tempelfestung erreichten, stießen wir auf Mauerreste 
von Wohnungen. Dann kamen wir zu einer riesigen, zum größten Teile eingestürzten kyklo- 
pischen Mauer (Abb. 2), die die ganze Anlage umgibt. Hat man diese Mauer überklettert, so 
kommt man zu einer zweiten. In ihr befindet sicli ein Tor, zu dem mehrere Stufen hinauf 
führen. Danach betritt man einen ebenen Platz und steht vor einer noch gut erhaltenen, bis 
etwa 20 Fuß hohen Stufenpyramide, die aus weißen, gut behauenen Kalksteinen aufgeführt 
ist. Eine wohlerhaltcne Treppe führt an der Nordseite zur oberen Plattform, auf der 
Schatzgräber bereits ihr Zerstörungswerk begonnen hatten. Nach Westen ist die Pyramide 
von einem Aufbau flankiert, der augenscheinlich zum Tempel gehörte, während sich an 
ihrem Fuße zwei quadratische, stark vom Zahne der Zeit mitgenommene Mauer- 
rcstc erhoben, deren Bedeutung zweifelhaft bleibt. 1 Dicht daneben lagen natürliche 
Basaltsäulen von über 1,50 m Länge und bedeutendem Gewichte. Da das Gebirge sich 
aus weißem Kalksteine aufbaut, so müssen diese Säulen von weither auf den Berg ge 
schafft worden sein. -— Nordwärts von der Pyramide folgte wieder eine starke kyklopische 
tung, die das Ballspiel hatte, Zusammenhängen oder 
vielleicht auch nur aus dem Wunsche hervorgegangen 
sein, Licht und Sonne zwischen den beiden Parteien in 
gleicher Weise zu verteilen. Seler. 
1 Da der Tempel seine Fassade nach Norden hat, so sind 
diese beiden Mauerreste vielleicht als die Seitenwälle 
eines Ballspielplatzes (tlachtli) zu deuten. Denn diese 
Ballspielplätze sind immer in ihrer Längsrichtung nord 
südlich orientiert. Das mag mit der religiösen Bedeu-
        

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