Volltext: Baessler-Archiv, 10/13.1926/29

BESPRECHUNGEN 
2 und folgende), die sog. „Quadrantentheorie“, neue 
positive Resultate bringen wird. 
Nach dem bisherigen Befund stellt Verfasser folgende 
Beziehungen der verschiedenen peruanischen Kulturen 
fest: einer niedrigstehenden Bevölkerungsschicht (Fischer 
bevölkerung; heutige Uro und Chango ?) am Anfang der 
Entwicklung steht als Endglied die eigentliche Inkakultur 
gegenüber, die von Cuzco im Hochland sich ausbreitete; 
örtlich bezeichnet durch die Hauptfundstätten: Tacna 
und Arica, bei Ica, Pachacamac, bei Ancon und bis 
hinauf nach Ecuador. Eine weitere deutlich gekenn 
zeichnete Kulturschicht, die sog. Tiahuanaco-Kultur, ging 
der Inkakultur voraus. Sie ist weit nach Norden und bis 
an die Küste verbreitet gewesen. Ihren Brennpunkt kenn 
zeichnet die bekannte (schon von den Inkas als vor 
geschichtlich angesehene) Ruinenstätte von Tiahuanaco. 
Im Norden zeichnen sich die sog. Chimu oder Mochica ab. 
Aus den Ruinenstätten Trujillo und Chimbote hat das 
prächtige Berliner Sammlungsmaterial (Keramik, Holz 
und Metallerzeugnisse) herangezogen werden können. 
Südlich davon z. B. in Ancon lassen sich nach den bis 
herigen Funden nach Ansicht des Verfassers verschiedene 
Stile erkennen, die entweder durch räumliche Verschie 
bungen benachbarter Kulturgebiete zu verschiedenen 
Zeiten oder durch einen Gütertauschverkehr oder schließ 
lich dadurch entstanden sind, daß Leute aus den ver 
schiedenen Nachbargebieten auf denselben Begräbnis 
plätzen samt ihrer Habe begraben worden sind. 
Die dicht beieinander gelegenen aber doch ganz ver 
schiedenartigen Kulturen von Ica und Nasca, mit ihrer 
plektogenen resp. figürlichen Ornamentik, werden ver 
schiedenen Zeitperioden zugerechnet. (Voriges S. 22 ff.) 
In den folgenden vier Hauptabschnitten des Buches 
wird unter Zugrundelegung des reichen Materials aus dem 
Berliner Museum für Völkerkunde „ein möglichst voll 
kommenes Bild der altperuanischen Kulturen in ihren 
verschiedenen zeitlichen und räumlichen Erscheinungs 
formen“ gegeben, wobei Verfasser die Verteilung des 
Stoffes im Anschluß an das in seiner „Völkerkunde“ 
(Verlag Ullstein, Berlin) näher begründete System vor 
nimmt. 
Die Darstellung beginnt mit den Lebensnotwendig 
keiten (Ernährung, Körperbehandlung, Kleidung und 
Wohnung, Sport, Spiel und Kult). Es folgt ein Abschnitt 
über die materielle Wirtschaft, eingeteilt in Urproduktion 
(Bodenkultur, Fischfang, Jagd, Tierzucht), gewerbliche 
Produktion (Töpferei, Metallverarbeitung, Holz-, Stein- 
und Fellbearbeitung, Flechterei, Weberei, Knüpferei) und 
Transport und Erhaltung der Sachgüter. Daran an 
schließend wird die soziale Wirtschaft, die soziale Or 
ganisation des Inkareiches und der soziale Wirtschafts 
prozeß (Sachgüterproduktion — Sachgüterbewegung) be 
handelt. Den Abschluß bildet die geistige Kultur. Zu 
nächst die Kunst geordnet nach Materialien und gruppiert 
nach den Kulturprovinzen, dann die Religion, die in den 
vorigen Abschnitten schon teilweise behandelt wurde, an 
Hand einiger wichtiger Mythen. 
Der zweite umfangreichere Teil des Werkes enthält die 
systematisch geordneten Bilder und Tafeln in geradezu 
glänzender Reproduktionstechnik. Dank Herrn Wiemanns 
fachmännischer Hilfe im Propyläen-Verlag. 
Ein Abbildungsverzeichnis, eine archäologische Karte 
sowie ein Register vervollständigen das Werk. Ein 
Literaturverzeichnis fehlt leider. 
189 
Das gelungene Buch füllt eine Lücke in der bisherigen 
Literatur über Peru aus. Über 1350 Gegenstände der 
Berliner Sammlungen aus Ton, Metall, Holz, Knochen, 
Stein und Muschelschale, Geweben, Geflechten, Knüpf 
arbeiten, Mumien und Mumienteilen, sowie 22 Ansichten 
von Ruinen und Ruinenstätten werden hier größtenteils 
zum erstenmale veröffentlicht. 
Der lext ist kurz gehalten, gemeinverständlich und 
klar geschrieben und vermeidet die vielfach übliche 
hypothetische Theorienphraseologie; er harmoniert 
bestens mit dem oft zitierten Abbildungsmaterial. 
Das Werk ist recht geeignet, als Handbuch die Grund 
lage für weitere Forschungen zu bilden. 
Dr. Günther Stahl, Berlin. 
Preuß, K. Th., Monumentale vorgeschichtliche Kunst. 
Ausgrabungen im Quellgebiet des Magdelena in 
Kolumbien und ihre Ausstrahlungen in Amerika. 
Bd. I (Text), II (Tafeln und Abbildungen nebst Ver 
zeichnis). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. 1929. 
8°. 12, 116 und 15 Seiten, 87 Tafeln, 193 Abbildungen 
und 1 Karte. 
Erratischen Blöcken gleich ragen große, steinerne 
Monumente aus dem Dunkel der amerikanischen Vorzeit 
in unsere Gegenwart hinein, scheinbar wurzellos und 
ohne Beziehung zu bekannten Völkern neben den sonstigen 
mittel- und südamerikanischen Denkmälern, die sich mit 
den Hauptkulturvölkern der Neuen Welt verknüpfen. 
In Mittelamerika sind es die Monumente von Santa 
Lucia Cozumalhuapa nahe der pazifischen Küste 
Guatemalas, in Südamerika die von San Agustín im 
innersten Winkel des Magdalenatals zwischen der kolum- 
bischen Zentral- und Ostkordillere, die uns die meisten 
Rätsel aufgeben. Man hat sie zwar auch mit bekannten 
Völkern, den Pipil bzw. Andaqui, in Verbindung gebracht, 
aber doch eigentlich nur deshalb, weil diese Völker zur 
Zeit der Entdeckung in der Nähe der Fundstellen wohnten, 
während es andererseits sicher ist, daß die Spanier jene 
alten Kulturen, von denen die Monumente zeugen, nicht 
mehr am Leben trafen. Deutsche Forscher haben uns die 
beiden alten Kulturen erschlossen und deren wesentlichste 
Denkmäler in Originalen und Abgüssen dem Berliner 
Museum zugeführt, zu dessen größten Schätzen sie ge 
hören. Aber während es Karl Hermann Berendt versagt 
blieb, die Früchte seiner entsagungsvollen Arbeit in Santa 
Lucia Cozumalhuapa zu ernten, bei der er den Tod fand, 
ist der Erforscher der Monumente von S. Agustín, Konrad 
Theodor Preuß, nicht nur in der Lage gewesen, Originale 
und Abklatsche trotz der schwierigsten Verhältnisse kurz 
nach der Beendigung des Weltkrieges (1919) selbst nach 
Berlin zu überführen und ihre Aufstellung zu leiten, 
sondern auch die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner 
Grabungen in S. Agustín (Mitte Dezember 1913 bis Ende 
März 1914) in vollem Maße auszuschöpfen. Die deutsche 
Amerikanistik ist dadurch, nach einer langen Pause der 
Stagnation auf dem Gebiet archäologischer Forschung, 
um ein Werk bereichert worden, auf das sie stolz sein 
kann. 
Schon in seiner Anlage sticht das Werk in mancher 
Beziehung vorteilhaft von anderen, die die amerikanische 
Archäologie der letzten Jahrzehnte hervorgebracht hat, 
ab. Es ist zunächst trotz hervorragender und völlig aus 
reichender Bildausstattung von handlichstem Format, 
was jeder, der öfters mit Wälzern etwa von der Art der 
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