Volltext: Baessler-Archiv, 10/13.1926/29

DIE SCHILDTYPEN VOM KA1SERIN-AUGUSTA-FLUSS 147 
Zweifel an der Figur eines Vogels bestehen kann. Von größter Bedeutung für die richtige 
Deutung mancher Figuren und Ornamente ist auf diesem Bilde jedoch nicht die oben 
erwähnte Ergänzung der freigebliebenen Fläche (in die der Vogelkopf hineinragt) durch 
Hinzufügung zweier scheinbarer „Augen“ (rechts und links vom Vogelkopf, der selbst mit 
seinem Hals eine „Nase“ in diesem Gesicht vertreten kann) und die weitere Einfügung einer 
mundähnlichen Zeichnung unter der „Nase“, sondern die besondere Bedeutung dieses Bildes 
liegt hier in der Flügelzeichnung des Vogels! Sie besteht aus zwei Kreisen mit an 
schließenden halbmondförmigen, manchmal geknickten Linien. Es läßt sich nun feststellen 
daß dieses Flügelornament typisch für den Vogelflügel ist, denn es kehrt auf vielen anderen 
Abb. I. Baumrindenmalereien vom Töpferfluß mit Vogelfiguren. Daneben der Vogel 
einer Giebelspitze mit dem typischen Flügelornament. 
realistischen Vogeldarstellungen wieder, von denen als Beispiel hier nur die Holzplastik auf 
der gleichen Abbildung wiedergegeben ist. Der oben genannte Vogel auf den Schultern der 
menschlichen Figur zeigt die gleiche geschnitzte Flügelform. Ferner verweise ich auf die Ab 
bildungen bei Neuhauss, Bd. 1, Fig. 34, Nr. 2 (Turmfigur), Fig. 278, 280 und 282 („Zier 
ansätze“ für Betelkalkbehälter), Fig. 318 und 332 (Speerschleudern), Fuhrmann S. 97 
(Handtrommel), S. 33 (Zieransatz), S. 87 (Holzschnitzerei, 4 Vögel) usw. Alle diese 
realistisch dargestellten Vögel besitzen die oben genannte Flügelzeichnung, 
die wir somit als für den Vögelflügel typisch und im Reiche der stilisierten 
Figuren als einen Schlüssel (also als eine Art Leitmuster) zur Erklärung 
vieler Ornamente bezeichnen können (vgl. Fuhrmann S. 95 und S. 108, Schilde, 
S. 67 Aufhängehaken, unsere Abbildung der Baumrindenmalerei, ferner Abb. H, Nr. 2 
unten und die Flügelmuster auf Abb. III, Nr. 3, Abb. V, Nr. 1—4 usw.). Die Kreise dieser 
Fliigelzeichnung sind, wie ich nun feststellte, die Urbilder des später entstandenen mensch 
lichen Gesichts und in dessen vorhergehendem Stadium die Flügelkreisornamente der so 
oft fälschlich als „Gesicht“ gedeuteten stilisierten Vogelfiguren. Wie leicht man sich 
selbst bei der genannten Rindenmalerei (unten links) auf ein (falsches) „Gesicht” um 
stellen kann, zeigt die Wirkung des ganzen Bildes, wenn man sich die Flügelkreise als 
„Augen“ denkt. Das auf Abb. I wiedergegebene fächerartige Rindenstück weist in seiner 
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