Volltext: Baessler-Archiv, 10/13.1926/29

die SCHILDTYPEN VOM KAISERIN-AUGUSTA- 
FLUSS UND EINE KRITIK DER DEUTUNG IHRER 
GESICHTSORNAMENTE 
MIT i ABBILDUNG, 48 FIGUREN, 1 KARTE UND 4 TAFELN 
VON 
DR. E. W. SCHMIDT 
EINFÜHRUNG. 
Aus der reichhaltigen Sammlung der Kaiserin-Augusta-Fluß-Expedition des Staatlichen 
Museums für Völkerkunde in Berlin ist besonders eine Gruppe von Objekten geeignet, unter 
ethnographischen Gesichtspunkten einer eingehenden Untersuchung unterzogen zu werden. 
Es sind dies die Schilde der Eingeborenen, von denen eine große Zahl aus der Umgebung des 
K.-A.-Flusses von seiner Mündung bis an die holländische Grenze, sowie aus der Umgebung 
seiner größeren Nebenflüsse, besonders des Töpferflusses, dem Studium zur Verfügung 
stehen. Der Schildtyp von Potsdamhafen schließt sich eng an den der Schilde vom K.-A.- 
Fluß an und ist in seiner besonderen Gestalt über die Mündung dieses Flusses bis in die 
Gegend des unteren Töpferflusses gewandert. Potsdamhafen muß aus diesem Grunde als 
Ausgangspunkt der Betrachtung gewählt werden. Es stehen zu dieser Untersuchung ins 
gesamt 154 Schilde zur Verfügung. Zum Vergleich mit der Form der Brettschilde (die in 
der Nähe der holländischen Grenze, etwa vom Mäanderberg an, die für den K.-A.-Fluß 
besonders charakteristische Schildform ablösen) sind am Schluß außerdem noch 22 Schilde 
von der Küste, und zwar aus der Gegend von Berlinhafen bis zur holländischen Skoh-Küste 
zur Untersuchung mit herangezogen. 
Es ist nicht nur für weitere Fachkreise von Interesse, dieses Material an sich und zu 
Vergleichs- oder Bestimmungszwecken kennen zu lernen, sondern die große Zahl der gleich 
artigen Objekte bietet auch dem Bearbeiter einen besonderen Reiz zum Studium. Denn 
mit der Zahl der Objekte wächst auch die Möglichkeit, genügend vollständige Formenreihen 
aufzustellen, die, wenn sie mehr oder weniger in sich abgeschlossene Gruppen bestimmter 
Typen darstellen, nach Maßgabe ihrer Herkunft auf das Vorhandensein geographisch ab 
geschlossener Gebiete deuten können, in denen der betreffende Typ zu Hause ist. 
Nun bietet der Schild an sich schon ein besonders günstiges Objekt zur Untersuchung 
ethnographischer Fragen. Der Zweck des Gegenstandes ist überall der gleiche, und das 
Objekt wird durch seine konkrete Form realisiert zu einer Abwehr- bzw. Schutzwand. Dabei 
besteht jedoch die Möglichkeit, den Schild nach Form, Griff und Ornamentik in der ver 
schiedenartigsten Weise herzustellen und auszustatten. DieseUnterschiede sind es, in denen die 
Geschicklichkeit, der praktische Sinn und die Höhe der Kunstfertigkeit der verschiedenen 
V ölker und, auf engerem Gebiet wie am K.-A.-Fluß, der verschiedenen Stämme zum 
Ausdruck kommen. Aus diesen geistigen und körperlichen Eigenschaften kann der Ethno 
graph wichtige Schlüsse ziehen, nicht nur auf die genannten Eigenschaften, sondern auch 
auf die körperliche und geistige Gemeinschaft der Stämme, auf den Handel mit diesen 
oder auf die Erbeutung dieser Gegenstände^ auf Nachahmung in der Form und in der 
Ornamentik, auf gemeinsame seelische Vorstellungen, die sich aus der Benutzung gleich 
artiger Figuren oder ornamentaler Muster ergeben, ferner auf eine Entwicklung der Kunst
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.