Volltext: Baessler-Archiv, 10/13.1926/29

BERICHT ÜBER EINE REISE NACH FINNISCH-LAPPLAND 
lappischen Orten: Vuotso, 
Purnumukka (finnländi- 
sche Lappen); Wladjeno, 
Sommerdorf, „Moskwa“, 
Winterdorf, und Koltta- 
köngäs (Kolalappen). Im 
ganzen haben wir über 160 
Gegenstände beieinander, 
wodurch die Kultur, be 
sonders der Kolalappen, 
gut dargestellt wird. 
Auch hier 1 haben sich 
die Lappen natürlich ras 
sisch nicht rein erhalten 
können, und es gibt Leute, 
die sich nicht im geringsten 
von uns unterscheiden. 
Andererseits ist die Zahl IO ' Vorra ' shaUS und m Dorfe Moskwa. 
der mongoloide Merkmale aufweisenden Personen doch recht groß, nur kommen auch hierbei 
gelber Hautfarbe und breitem Gesicht blaue Augen vor. Die Größe ist im allgemeinen auch 
nicht geringer als bei uns, man müßte aber, um da wirklich brauchbares Material zu erlangen, 
Messungen vornehmen. 
Die Kolalappen haben alle Häuser, sie führen aber trotzdem ein Nomadenleben das 
ganze Jahr hindurch. Die jährlichen Wanderungen sind jedoch ganz anders geartet als etwa 
bei den Jenissejern in Sibirien. Bei den Kolalappen ist der Winter die Jahreszeit der größten 
Seßhaftigkeit, in dem Sinne, daß man von Jagdausflügen immer wieder in das Winterdorf 
zurückkehrt, während die Jenissejer in der strengsten Winterzeit (Januar bis April) ihre 
größten Jagdzüge mit der gesamten Familie unternehmen, bis zu 300 und mehr Kilometern 
von den Sommerplätzen entfernt. Während aber bei den Jenissejern und auch sonst in 
Westsibirien die Familien den Sommer über zusammen verleben, ist bei den Koltlappen das 
Leben von Männern und Frauen in der Sommerzeit getrennt, da die Männer mit einem 
erwachsenen Sohn oder einer Tochter auf dem Eismeerfischfang sind, die Frauen aber an 
1 Unser Aufenthalt in dem Winterdorf Moskwa war wegen Biging, kann ich nicht umhin, eine andere Meinung über 
der allgemein herrschenden freundlichen Stimmung von 
bestem Erfolge begleitet. Wir richteten uns wieder in 
einem Vorraum ein und besuchten alle einzelnen 
Familien, um nach alten Sachen zu fahnden. Zuletzt 
beschäftigten wir uns mit volksliterarischen Samm 
lungen, die bei der Kürze der Zeit jedoch nur erste 
Ergebnisse bringen konnten. Beim Abschied gab uns 
das ganze Dorf das Geleit. Wir waren rechte Freunde 
geworden und hatten auch noch Bestellungen für 
Modelle von Booten zurückgelassen. Ich war gespannt, 
ob man uns auch wirklich diese Sachen nachschicken 
würde. Vier Monate vergingen, bis mir von dem Prior 
des Petschengaklosters, der sich liebenswürdigst bereit- 
erklärt hatte, die Weiterbesorgung der Gegenstände zu 
übernehmen, die Nachricht erhielten, die Sachen wären 
von dem Lappen Nikifor Kopytow ins Kloster gebracht 
worden und würden nunmehr zur Post gegeben werden 
können. — Auch unser Aufenthalt in dem stillen und 
beschaulichen Petschengakloster war für uns eine große 
Freude. Trotz meiner Hochachtung vor dem Beobach 
tungstalent unseres Freundes, des Herrn Schriftstellers 
die Kulturarbeit des Petschengaklosters auszusprechen 
als er. Dieses Kloster ist wirklich ein Kulturfaktor 
ersten Ranges für die polaren Völkerschaften an der 
Eismeerküste gewesen und bildet für die Lappen auch 
jetzt noch eine wichtige wirtschaftliche Stütze. Be 
zeichnend ist doch gewiß die Stimmung der Lappen 
selbst dem Kloster und seinen Insassen gegenüber. Wir 
haben ausschließlich echte Dankbarkeit und wirkliche 
Hochachtung vor den Mönchen vorgefunden, und wenn 
das Kloster und seine Einrichtungen nicht bestände, 
würden die Lappen bestimmt weniger zufrieden und 
auch weniger angenehm leben. Es ist so, daß wir in 
einer Reihe der uns näher bekanntgewordenen Mönche 
Menschen von dem alten russischen Schlag haben 
kennenlernen können, deren Wesen von so einfach- 
herzlicher Liebenswürdigkeit und Behutsamkeit war, 
daß der Verkehr mit ihnen ein rechtes Ausruhen und 
eine rechte Stärkung bedeutete. •— Über Geschichte und 
Leben des Klosters bereite ich eine besondere Arbeit vor, 
die demnächst fertiggestellt werden soll.
        

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