Volltext: Baessler-Archiv, 10/13.1926/29

OTTO PEIPER 
und flechten es kunstreich unter Bildung mehr oder weniger zahlreicher, von vorn nach 
hinten ziehender Scheitel, so daß im Nacken eine Reihe kleiner gekrümmter Zöpfchen hängen. 
Mit roter Ockererde betupfen sie noch die Frisur mit roten Tupfen. Bei festlichen Gelegen 
heiten stecken sie rote Granatblüten ins Haar. Derartige Frisuren tragen auch schon kleine 
Mädchen. 
Die Ohrmuscheln werden schon in der Kindheit an drei Stellen durchlöchert, durch 
Einstecken immer größerer Pflöcke allmählich erweitert, und schließlich werden umfangreiche, 
aus buntem Papier hergestellte, in den Inderläden käufliche Rohen in den Löchern befestigt. 
Vielfach reißen die dergestalt erweiterten und beschwerten Ohrläppchen durch; vertrauens 
voll wandten sich dann die Frauen an den deutschen Stationsarzt, der in mühsamer Arbeit 
das Vertrauen der farbigen Schönen durch eine wohlgelungene Operation belohnte. 
Viele Mädchen und Frauen durchbohren den rechten Nasenflügel in der dort liegenden 
Falte und befestigen dort mittels eines kleinen, korkenzieherartig gewundenen Drahtes ein 
kleines goldenes Sternchen, — eine den indischen Frauen abgesehene Sitte. 
Um den Leib unterhalb der Brüste tragen sie eine Glasperlenschnur, eine ebensolche 
Peilenschnur liegt lose um die Hüften, 
Frauen und Mädchen tragen schließlich Halsketten, Arm- und Beinringe sowie Finger 
ringe; meist handelt es sich um wertlosen Schmuck aus imitiertem Bernstein. Nur die Frauen 
Reicher tragen Silberschmuck nach indischer Sitte. 
Gesicht, Brust und Arme werden vielfach tätowiert. Entweder handelt es sich um ein 
faches Aufträgen von Tupfen und Strichen mit schwarzer Farbe, oder es werden derartige 
Tupfen und Striche mit ätzenden Pflanzensäften hergestellt: es bilden sich zunächst wunde, 
mit Borke belegte Stellen; nach Abfall der Borke bleiben hellgefärbte Flecke zurück, 
die sich bald entsprechend der Hautfarbe der Trägerin dunkler färben und zur Keloid 
bildung neigen. Zahlreiche verdickte harte Knoten in Form von großen Perlen zieren dann 
die Haut der Trägerin. 
Als Bekleidung dient den Küstenfrauen ein buntes Kattuntuch in, der wechselnden 
Mode unterworfenen, Farben und Mustern, das von hinten um den Oberkörper gelegt ober 
halb der Brüste übereinandergelegt und durch Einrollen befestigt wird. Diese Tücher, bis 
zum Knie hinabreichend, stammten meist aus den Baumwoll- und Kattun-Fabriken von 
Bombay. Ein zweites solches Tuch wurde wie ein Umschlagetuch über die Schultern gelegt 
oder derart über Stirn und Kopf gehängt, daß es hinten wie ein Schleier hinabwallte. 
Schöngeflochtene Sandalen und ein schwarzer Regenschirm vervollständigen den Anzug 
der wohlhabenden Küstenfrau. 
Männer und Jünglinge tragen ein mit Ledergürtel um die Hüften festgehaltenes Lenden 
tuch aus Kattun, darüber ein iangwallendes weißes Hemd aus weißem Baumwollstoff, 
Leinen oder Mull, das vielfach gestickt war, und eine weiße gestickte Mütze, wohlhabendere 
noch Sandalen. . 
Kleinere und größere Kinder gehen nackt oder tragen Hemdchen oder mit Gürteln 
befestigte Lendentücher. 
Erwachsene Männer tragen ebenso wie Jünglinge und Knaben den Schädel völlig glatt 
rasiert; Frauen wird nur als Zeichen der Trauer der Kopf rasiert. 
Eine allgemein verbreitete Sitte, die wohl mit den Gesetzen des Islam, dessen Anhänger 
die Küstenbewohner wenigstens äußerlich sind, zusammenhängt und hygienische Gründe 
hat, verlangt, daß die Achsel- und Schamhaare bei Männern und Jünglingen, Frauen und 
Mädchen epiliert, zum mindesten aber rasiert oder stark beschnitten werden. 
Arabische und indische Sitten in der Tracht sind bei den Wohlhabenden weitverbreitet. 
Abgesehen von imitiertem indischen Schmuck tragen die Frauen öfters anstelle der oben 
beschriebenen Tracht kurze Leibchen, eine Art Büstenhalter, und lange, ziemlich eng an den
	        
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