Volltext: Baessler-Archiv, 10/13.1926/29

REISEN IM GEBIET DER AGUARUNA 
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Klettern. 
Beim Besteigen hoher und glatter Stämme befestigen sich die Indianer die Enden eines 
kurzen Stückes einer festen Liane an je eines ihrer Beine zwischen Fuß und Knöchel. Die 
Bucht, welche die Liane bildet, umschlingt beim Besteigen der Bäume einen Teil des Stam 
mes und gibt ihnen so einen sichereren Halt, als wenn sie sich nur mit den Beinen halten 
wollten. 
Schnäuzen. 
Beim Schnäuzen umfassen sie den Unterteil der Nase mit Daumen und Zeigefinger und 
schnäuzen sich dann in die hohle Hand. Den Schleim schlenkern sie dann ab und reinigen die 
Hand an irgendeinem Gegenstand, teilweise auch ohne vorheriges Abschlenkern. Nie habe 
ich aber gesehen, daß sie-die Hand an ihren Kleidungsstücken gereinigt hätten. 
Sprechen. 
Beim Sprechen und Lachen halten sie häufig die hohle Hand vor den Mund, wie zwei 
der Indianer in der Gruppe rechts auf Abb. 7* Geraten sie in einem Gespräch in Eifer, dann 
spucken sie häufig dazwischen aus. 
Sehr merkwürdig sind die langen Reden oder Gebete, wie man sie nennen will, welche die 
Indianer des Morgens halten. Diese werden sehr schnell gesprochen, aber mit einem Tone, 
welcher von ihrem gewöhnlichen Gesprächston abweicht. Auch bei diesem spucken sie 
häufig aus und stampfen von Zeit zu Zeit mit einem Fuße (siehe Nankijukima 75). 
Ihre Verwunderung über irgend etwas geben sie durch ein sanft ausgesprochenes, lang 
gedehntes ,,gwä“ zu erkennen. 
Intelligenz. 
Obwohl es bei einem so kurzen Aufenthalt unter den Indianern nicht berechtigt scheint, 
ein Urteil über ihre geistigen Fähigkeiten abzugeben, so möchte ich doch nicht ganz und gar 
darüber schweigen. Die Indianer sind mir im allgemeinen ziemlich aufgeweckt vorgekommen. 
Besonders habe ich dieses bei Knaben von ungefähr 5—8 Jahren bemerkt. Ich kann sagen, 
daß einige ans unsere Wünsche förmlich von den Augen absahen. Treten sie später in das 
Mannesalter ein, so werden sie zurückhaltender. Für alle ihnen unbekannten Gegenstände 
legten sie das größte Interesse an den Tag, deren Gebrauch kennenzulernen. Kindlich 
freuten sie sich, wenn ich sie durch mein Zeißglas sehen ließ, das die entfernten Gegenstände 
wie zu ihren Füßen heranzauberte. 
Kriegswaffen. 
Wie das Blasrohr die Waffe für die Jagd ist, so ist die Lanze die Waffe für den Krieg. 
Zugleich ist sie eine Waffe der Etikette, denn ein Mann geht ohne seine Lanze nie aus dem 
Hause, und wenn es auch nur zum nächsten Nachbar wäre. Sie ist die Waffe der Mannes 
würde. 
Bei meinem Besuche waren allgemein Lanzen mit eisernen Spitzen im Gebrauch. Die 
Spitze (Fig. 7) hat unten eine Tülle, in welcher der Schaft mittelst eines Harzes be 
festigt wird. Die Lanze hat eine Länge von 2 1 / i —3V2 Meter. Die eisernen Spitzen 
sollen sie auf dem Tauschwege von den Indianern des oberen Senepa erhalten. Sie 
sollen aus Ecuador stammen. Die Lanze mit eiserner Spitze wird von den Aguaruna 
„Nänki“ genannt. Früher wurden Lanzen aus dem Holze der Chonta-Palme gebraucht, 
die auch noch vereinzelt verkommen. Ihre Spitze ist in der Form wie die eiserne, 
hat aber einen etwas konkaven Querschnitt; Schaft und Spitze bestehen aus einem 
Stück. Diese Chonta-Lanzen werden von ihnen mit dem Namen „Angös“ belegt. 
In allen Tambos fand ich aber auch Winchesterkarabiner vor, die sie von den Fi s- 7- 
Kautschuksammlern gegen Gummi eintauschten. Da sie aber gewöhnlich keine
        

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