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Volltext: Band: Völkerkunde, 1. Band

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Die Andesvpölker. 
im Süden von Valdivia und Pehuentschen im Gebirge. Die übrigen Stämme 
welche im Osten der Anden in den Pampas umherstreifen, fafsen sie unter dem 
Namen Auka zusammen; diese sind wieder geteilt in die Ranqueles, die in den 
Pampas leben und oft weite Streifzüge nach dem Osten hin unternehmen und 
in die Chileños an den Quellen des Rio Negro do Sul. Die Gesamtzahl der 
Araukaner wird auf 30,000 Köpfe geschätzt, nimmt aber durch Krankheiten, 
nicht sowohl durch Trunksucht ab, obgleich die jetzigen Araukaner freie Eigen— 
tümer ihres Bodens sind, Land und Vieh in Fülle besitzen, keine Abgaben zahlen, 
und auch die Arbeiten am Wegebau, zu welchem sie entboten werden, nur 
leicht ist. Die Araukaner sind kriegerisch, tapfer und haben noch von dem Segen 
der inkaperuanischen Gesittung einigen Anteil genossen; nur die eigentlichen 
westlichen Araukaner in Chile sind indes zur Seßhaftigkeit gelangt; seit alter 
Zeit waren diese, wahrscheinlich durch peruanische Einflüsse, ein Ackerbauvolt 
geworden. Sie sind auch die erste Nation Amerikas, welche, indem sie sich 
durch einen glücklichen Zufall zahlreiche und gute Pferde verschaffte, sich früh⸗ 
— D An⸗ 
kunft der Spanier bot die Regierung der Araukaner die auffallendste Aehnlichkeit 
mit den Militäraristokratien der alten Welt. Was aber sonst von ihrer hohen 
Kulturstufe berichtet worden ist, hat sich als eitel Phantasiegemälde erwiesen. 
Nur insofern genießen die Araukaner eine höhere Zivilisation als ihre Nachbarn, 
daß sie Ackerbau treiben, feste Häuser erbaut und wenigstens Versuche einer 
Regierungsform gemacht haben, bleiben aber bei alledem doch nur grausame, 
räuberische und böse Wilde; ihre östlichen Zweige sind es, welche wiederholte 
Anfälle auf die europäischen Ansiedelungen ausführen und Vieh, Kinder und 
Weiber rauben, die erwachsenen Männer aber erschlagen. (Verh. d. Berl. Ge⸗ 
sellsch. f. Antrop. 1875, S. 59.) Aber auch bei den gesitteteren Stämmen im 
Westen tragen die meisten Gesichter den Stempel ausgesprochenster Wildheit. 
Nach H. Delaporte ist der Wuchs der westlichen Araukaner klein, der Körperbau 
überhaupt gedrungen, die Haut stark gebräunt, die Züge grob, die Augen klein, die Naße 
breit und plattgedrückt, die Backenknochen hervorspringend, die Lippen dick, die Stiru 
sehr niedrig, die ganze Gestalt platt und abgerundet. Zu den schönsten Leuten unten 
ihnen rechnet Edmond Rouel Smith jene vom Stamme der Kolyiko. Sie sind puin 
von mittlerer Größe, stark in der Brust, untersetzt und neigen mit zunehmendem Alter 
sehr zur Körperfülle. Die Schenkel und Beine sind fleischig, der Fuß ist sehr kurz, — 
und mit ungemein hohem Spann versehen. Diese eigentümliche Fußbildung findet fich 
durch die Blutvermischung, auch bei den Chilenen der niederen Klaffe, so haͤufig, daß di 
in Santiago vorrätigen Schuhe alle nach diesem Muster gemacht sind und der Europe 
dort sellen passende uͤndet. Auch das Haupt ist eigentümlich geformt, die Stirn ist n 
und niedrig, das Hinterhaupt dagegen breit und hoch und bildet mit dem starken Nacke 
beinahe eine gerade Linie. Virchow hält nach Schädeln, die er untersuchte, die Arautan⸗ 
für ein Uebergangsglied zwischen den Pampasindianern und gewissen Stämmen e 
Westküste. Barnard Davis berechnet für sie einen Längenindex von 80 und einen Hhhen 
inder gleichfalls von 80; sie würden also hypsibrachykephal sein. Virchows Maße 
rieren in der Höhe durchaus; seine Indices betragen bloß 73,3 und 77,6; jedenfa * 
sprechen auch sie für die Brachykephalie der Rasse. Viel auffälliger sind die Verschieden 
heiten in der Groöße. Davis findet als Mittel der Kapazität etwa 1574 ccm, —5 
für den Schädel eines vollständig ausgewachsenen Individuums bloß 1020 cem. 88 
kaum aus irgend einem Lande häufiger kleine, ja mikrokephale Schädel bekannt sind 
aus Süd⸗ und Mittelamerika, so erreicht doch keiner die Kleinheit dieses Arautanerschäden 
Durch' sehr schräge Stellung der Zahnfortfätze ist der Oberkiefer daran stark prognath.
	        
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